Was ist eine Rattensperre?
Die Rattensperre ist ein mechanischer Schutz in der Abwasserleitung. Meist besteht sie aus einer oder mehreren Edelstahlklappen, die in Fliessrichtung aufschwingen, wenn Abwasser kommt, und danach durch ihr Gewicht wieder schliessen. Ratten, die aus dem Kanal Richtung Haus wandern, stossen gegen die geschlossene Klappe und können sie nicht öffnen.
Es gibt Rattensperren als Einsatz, der in ein bestehendes Rohr geschoben wird, als Formstück, das in die Leitung eingebaut wird, und als Element für Kontrollschächte. Manche Modelle kombinieren den Rattenschutz mit einer Rückstausicherung, was aber nicht dasselbe ist: Nicht jede Rattensperre schützt vor Rückstau.
Wie gelangen Ratten über den Kanal ins Haus?
Wanderratten leben in vielen Schweizer Städten in der Kanalisation, wo sie Wasser, Schutz und Nahrung finden. Sie sind gute Schwimmer und Kletterer und können durch erstaunlich enge Öffnungen schlüpfen. Über Hausanschluss und Grundleitung gelangen sie bis zu Bodenabläufen, WCs oder Putzstücken im Keller.
Noch häufiger nutzen Ratten Schadstellen: offene Muffen, Risse, Scherben oder stillgelegte, nicht verschlossene Leitungen. Durch solche Lücken graben sie sich ins Erdreich, legen Gänge an und tauchen unter der Bodenplatte, im Garten oder an der Fassade auf. Eine Rattensperre in der Leitung nützt dann wenig, weil die Tiere sie umgehen.
Zuerst die Leitung prüfen
Bevor eine Rattensperre eingebaut wird, sollte die Leitung per Kamera befahren werden. Die Inspektion zeigt, ob Ratten das intakte Rohr nutzen oder über Schäden eindringen. Typische Befunde sind verschobene Muffen, fehlende Dichtungen, abgebrochene Anschlussstutzen und alte, offene Leitungsenden, die bei Umbauten nicht verschlossen wurden.
Hilfreich ist zusätzlich eine Nebelprüfung: Künstlicher Nebel, der in die Leitung geblasen wird, tritt an undichten Stellen im Gebäude oder im Garten aus und zeigt so die Wege, die Ratten und Kanalgerüche nehmen. Erst wenn diese Lücken saniert sind, ist eine Rattensperre wirklich wirksam.
Einbau und Wartung
Der beste Einbauort ist meist ein Kontrollschacht oder ein Abschnitt der Grundleitung nahe der Grundstücksgrenze, damit das ganze Haus geschützt ist. Wichtig ist, dass die Sperre zugänglich bleibt: Sie muss kontrolliert und gereinigt werden können, und bei Kanalreinigungen ist zu beachten, dass Spüldüsen und Spiralen sie nicht beschädigen.
Klappen können durch Ablagerungen, Fett, Feuchttücher oder Fremdkörper festhalten und dann offen stehen oder den Abfluss behindern. Eine regelmässige Kontrolle, gerade bei Gastronomiebetrieben mit fetthaltigem Abwasser, gehört dazu. Bei einem Wechsel der Leitungsführung oder einer Sanierung mit Inliner wird die Sperre entsprechend angepasst.
Rattenbefall: wer ist zuständig?
Für die Rattenbekämpfung in der öffentlichen Kanalisation sind in der Regel die Gemeinden oder Werke zuständig, für die privaten Leitungen und das Gebäude der Eigentümer. Bei einem akuten Befall arbeitet man idealerweise mit einer Schädlingsbekämpfungsfirma zusammen, die die Tiere bekämpft, während der Kanalfachbetrieb die Eintrittswege findet und schliesst.
Nur beides zusammen bringt dauerhaft Ruhe: Wer Ratten bekämpft, ohne die Schadstellen zu sanieren, hat nach einiger Zeit wieder Besuch. Wer nur die Leitung saniert, lässt die bereits eingedrungenen Tiere im Gebäude zurück.
Ein Restaurant in der Basler Altstadt hatte wiederholt Ratten im Lagerraum, obwohl die Schädlingsbekämpfung regelmässig Köder auslegte. Die Kamerabefahrung der Grundleitung zeigte eine offene Muffe direkt unter dem Lager und eine stillgelegte, unverschlossene Leitung eines früheren Bodenablaufs. Durch beide Lücken führten Gänge ins Erdreich. Die Schadstelle wurde mit einem Kurzliner abgedichtet, die alte Leitung verschlossen und im Kontrollschacht eine Rattensperre eingebaut. Seither ist der Lagerraum frei von Ratten.

