Was ist ein Kontrollschacht?
Ein Kontrollschacht ist ein senkrechter Schacht, der von der Oberfläche bis auf die Höhe der Abwasserleitung reicht. Unten fliesst das Abwasser in einem offenen Gerinne, der sogenannten Durchflussrinne, durch den Schacht. Oben verschliesst ein Deckel den Schacht, damit niemand hineinfällt und keine Gerüche austreten.
Der Schacht unterbricht die geschlossene Leitung an einer definierten Stelle. Dadurch können Fachleute ihre Geräte – Spülschlauch, Kamera, Fräsroboter oder Prüfblase – von hier aus in beide Richtungen in die Leitung einführen. Ohne Kontrollschacht müsste man für viele Arbeiten Wände öffnen oder graben.
Wo befinden sich Kontrollschächte?
Die Lage der Kontrollschächte ergibt sich aus der Planung der Liegenschaftsentwässerung nach SN 592 000. Typische Orte sind Richtungswechsel der Grundleitung, Stellen, an denen mehrere Leitungen zusammenkommen, längere gerade Leitungsabschnitte und der letzte Schacht auf dem eigenen Grundstück vor dem Anschluss an die öffentliche Kanalisation.
Viele Eigentümer kennen die Lage ihrer Schächte nicht, weil Deckel unter Rasen, Kies, Pflästerung oder Pflanztrögen verschwunden sind. Der Entwässerungsplan der Liegenschaft zeigt, wo die Schächte liegen sollten. Fehlt er, lassen sich Schächte und Leitungsverlauf mit einer Kamera und einer Ortungssonde wiederfinden.
Aufbau und Materialien
Kontrollschächte bestehen meist aus Betonringen oder Kunststoff, ältere Schächte auch aus gemauertem Mauerwerk. Den Abschluss bildet ein Deckel aus Guss oder Beton, dessen Belastbarkeit zum Standort passen muss – im Garten genügt eine leichtere Ausführung, in einer Zufahrt braucht es einen befahrbaren Deckel.
Für die Funktion entscheidend sind das Gerinne am Schachtboden und die dichten Anschlüsse der Rohre. Ist das Gerinne ausgebrochen oder fehlt es ganz, bleiben Feststoffe liegen und es entstehen Ablagerungen. Sind die Rohranschlüsse undicht, gelangt Abwasser ins Erdreich oder Grundwasser dringt als Fremdwasser ein.
Typische Schäden am Kontrollschacht
Häufige Befunde sind undichte Fugen zwischen den Schachtringen, Risse, ausgewaschener Mörtel bei gemauerten Schächten und Korrosion durch aggressive Gase aus dem Abwasser. Auch eingewachsene Wurzeln, abgesackte oder lose Deckel und beschädigte Steigeisen kommen oft vor.
Viele dieser Schäden lassen sich ohne Aushub beheben: Fugen werden abgedichtet, Wände beschichtet, das Gerinne neu ausgebildet und der Deckel ersetzt. Eine solche Schachtsanierung verlängert die Lebensdauer deutlich und ist meist wesentlich günstiger als ein neuer Schacht.
Reinigung und Inspektion über den Kontrollschacht
Bei der Kanalreinigung setzt das Team die Spüldüse im Kontrollschacht an und reinigt die Leitung abschnittweise. Gelöste Ablagerungen werden zum Schacht zurückgespült und dort mit dem Saugschlauch aufgenommen. Gleichzeitig wird der Schacht selbst von Schlamm, Fett und Sand befreit.
Anschliessend kann die Kamera vom Schacht aus in die Leitung fahren. Die Bilder zeigen Risse, Versätze, Wurzeleinwuchs oder Ablagerungen, und der Zustand wird nach SN EN 13508-2 kodiert. Auch die Dichtheitsprüfung nach SN EN 1610 wird von Schacht zu Schacht durchgeführt. Ein gut erreichbarer Kontrollschacht spart deshalb bei jedem Einsatz Zeit und Kosten.
Bei einem Einfamilienhaus in Muri AG floss das Abwasser aus der Küche immer langsamer ab. Der Eigentümer wusste nicht, wo seine Schächte lagen – zwei Deckel waren unter einer neuen Pflästerung verschwunden. Karo ortete die Grundleitung mit Kamera und Sonde, legte die Kontrollschächte wieder frei und reinigte die Leitung mit Hochdruck. Die anschliessende Kamerabefahrung zeigte eine undichte Fuge im Schacht vor dem Strassenanschluss, die bei einer kleinen Schachtsanierung abgedichtet wurde.

