Was ist eine Nebelprüfung?
Die Nebelprüfung ist ein einfaches, aber sehr wirkungsvolles Diagnoseverfahren. Ein Nebelgenerator erzeugt einen dichten, gut sichtbaren Nebel, ähnlich wie man ihn von Bühnen kennt. Ein Gebläse drückt diesen Nebel über einen Schacht oder eine Reinigungsöffnung in die Leitung, die dabei mit leichtem Überdruck beaufschlagt wird.
Der Nebel verteilt sich in allen Leitungsteilen, die mit der Einspeisestelle verbunden sind. Überall dort, wo er einen Weg nach aussen findet, steigt er sichtbar auf: aus Dachrinnen, Bodenabläufen, Schachtdeckeln, Fugen im Belag oder aus dem Rasen über einer beschädigten Leitung. Ein Techniker beobachtet und dokumentiert die Austrittsstellen.
Wofür die Nebelprüfung eingesetzt wird
Ein Haupteinsatzgebiet ist das Aufspüren von Fehlanschlüssen. Im Trennsystem müssen Schmutzwasser und Meteorwasser getrennt abgeleitet werden. Wird Nebel in den Schmutzwasserkanal geblasen und steigt er aus einem Regenfallrohr auf, ist die Dachentwässerung falsch angeschlossen – oder umgekehrt. Solche Fehler bleiben ohne Prüfung oft jahrzehntelang unentdeckt.
Ebenso hilfreich ist die Nebelprüfung bei unklaren Gerüchen im Gebäude. Tritt Nebel aus einem ausgetrockneten Geruchsverschluss, einer undichten Rohrverbindung im Keller oder einer offenen Leitung hinter einer Verkleidung aus, ist die Geruchsquelle gefunden. Auch Lücken, durch die Ratten aus dem Kanal ins Gebäude gelangen, lassen sich so lokalisieren.
Ablauf einer Nebelprüfung
Vor der Prüfung werden Bewohner, Nachbarn und bei grösseren Prüfungen im öffentlichen Raum gegebenenfalls die zuständigen Stellen informiert, damit aufsteigender Nebel nicht als Brand gemeldet wird. Fenster in der Nähe von Abläufen werden geschlossen, und die Geruchsverschlüsse im Gebäude werden kontrolliert und bei Bedarf mit Wasser gefüllt.
Dann wird der Nebel eingeblasen, während das Team die Liegenschaft systematisch abgeht und jede Austrittsstelle fotografiert und im Plan markiert. Der verwendete Nebel ist für Menschen, Tiere und Pflanzen unbedenklich und hinterlässt keine Rückstände. Je nach Grösse der Anlage dauert die eigentliche Prüfung oft nur kurze Zeit.
Grenzen der Nebelprüfung
Die Nebelprüfung zeigt, wo Verbindungen oder grössere Undichtheiten bestehen. Sie ist aber kein Ersatz für eine normierte Dichtheitsprüfung mit Luft oder Wasser nach SN EN 1610, die bei Neubau, Sanierung oder auf Verlangen der Gemeinde einen messbaren Nachweis liefert. Kleinere Undichtheiten tief im Boden zeigen sich nicht zwingend an der Oberfläche.
Auch Leitungen, die unter Wasser stehen oder durch Ablagerungen verstopft sind, lassen den Nebel nicht durch. Deshalb wird die Nebelprüfung meist mit einer Reinigung und einer Kanal-TV-Inspektion kombiniert: Der Nebel zeigt, wo etwas nicht stimmt, die Kamera zeigt, was genau los ist.
Von der Austrittsstelle zur Lösung
Ist ein Fehlanschluss gefunden, wird die betroffene Leitung an das richtige System umgeschlossen – meist mit kleineren Grabarbeiten. Undichte Stellen in Leitungen werden je nach Befund grabenlos mit Kurzliner oder Schlauchliner saniert, defekte Schächte beschichtet. Ausgetrocknete oder fehlende Geruchsverschlüsse werden ersetzt oder nachgerüstet.
Gegen Ratten helfen das Abdichten offener Leitungsenden und der Einbau einer Rattensperre in der Grundleitung. Nach den Massnahmen kann eine zweite Nebelprüfung bestätigen, dass kein Nebel mehr an unerwünschten Stellen austritt. Für Gemeinden wird das Ergebnis in einem Bericht mit Fotos und Plan dokumentiert.
In einer Reihenhaussiedlung in Wetzikon roch es in mehreren Kellern regelmässig nach Kanal, obwohl alle Abläufe sauber waren. Bei der Nebelprüfung trat der Nebel in einem Haus aus einer ungenutzten, nur mit Klebeband verschlossenen alten Waschküchenleitung aus, in einem anderen aus einem undichten Anschluss hinter der Kellerverkleidung. Zudem stieg Nebel aus zwei Regenfallrohren – ein Fehlanschluss an den Schmutzwasserkanal. Die offene Leitung wurde fachgerecht verschlossen, der Anschluss saniert und die Fallrohre an die Meteorwasserleitung umgeschlossen.

