Was ist eine Hebeanlage?
Eine Hebeanlage besteht aus einem dichten Sammelbehälter, einer oder mehreren Pumpen, einer Steuerung mit Niveauerfassung und einer Druckleitung. Fliesst Abwasser zu, steigt der Wasserstand im Behälter. Erreicht er die Einschalthöhe, startet die Pumpe und befördert das Wasser nach oben in eine Leitung, die im Gefälle zur Kanalisation führt.
Entscheidend ist die Rückstauschleife: Die Druckleitung wird über die Rückstauebene geführt, bevor sie in die Grundleitung mündet. Staut die öffentliche Kanalisation ein, kann das Wasser deshalb nicht zurück in den Keller fliessen. Die Hebeanlage entwässert also auch dann zuverlässig, wenn eine einfache Rückstauklappe geschlossen bleiben müsste.
Wann braucht es eine Hebeanlage?
Eine Hebeanlage wird immer dann nötig, wenn Abwasser unterhalb der Rückstauebene anfällt und nicht sicher im freien Gefälle abgeleitet werden kann. Typisch sind Toiletten und Duschen im Untergeschoss, Waschküchen, Einliegerwohnungen im Hanggeschoss, Bodenabläufe in Tiefgaragen sowie Gebäude, deren Kanalanschluss höher liegt als der Keller.
Bei Neubauten wird die Frage im Rahmen der Liegenschaftsentwässerung nach SN 592 000 geklärt. Bei Umbauten, etwa wenn ein Keller zu einem Wohn- oder Hobbyraum ausgebaut wird, wird sie oft übersehen. Wer neue Sanitärobjekte im Untergeschoss plant, sollte deshalb früh prüfen, ob eine Hebeanlage erforderlich ist.
Arten von Hebeanlagen
Die Normenreihe SN EN 12050 unterscheidet unter anderem zwischen Fäkalienhebeanlagen für Abwasser aus Toiletten und Anlagen für fäkalienfreies Abwasser, zum Beispiel aus Waschmaschinen, Duschen oder Bodenabläufen. Fäkalienhebeanlagen haben robustere Pumpen mit Schneidwerk oder grossem freien Durchgang, damit Feststoffe nicht zu Verstopfungen führen.
Daneben gibt es Kleinhebeanlagen, die direkt hinter einem einzelnen WC oder Lavabo montiert werden, und grosse Pumpenschächte im Aussenbereich, die ganze Gebäude oder Tiefgaragen entwässern. In grösseren Liegenschaften sind oft Doppelpumpenanlagen eingebaut: Fällt eine Pumpe aus, übernimmt die zweite.
Typische Störungen und ihre Ursachen
Die häufigste Ursache für Ausfälle sind Stoffe, die nicht ins Abwasser gehören: Feuchttücher, Hygieneartikel, Fett und Textilfasern wickeln sich um Laufräder oder verkleben Schwimmerschalter. Auch Sand und Schlamm, die sich am Behälterboden absetzen, beeinträchtigen die Niveauerfassung und führen zu Fehlschaltungen.
Weitere Ursachen sind defekte Rückschlagklappen in der Druckleitung, verstopfte Entlüftungen und Stromausfälle. Viele Anlagen haben deshalb einen Alarm, der bei Hochwasser im Behälter warnt. Ertönt er, sollte man kein Wasser mehr einleiten und eine Fachfirma beiziehen, bevor der Behälter überläuft.
Wartung und Reinigung der Hebeanlage
Damit die Anlage im Ernstfall funktioniert, muss sie regelmässig gewartet werden; SN EN 12056-4 enthält dazu Empfehlungen, die bei gewerblicher Nutzung kürzere Intervalle vorsehen als im Einfamilienhaus. Bei der Wartung werden Pumpen, Schalter, Rückschlagklappe, Dichtungen und Alarm geprüft.
Die Reinigung übernimmt in der Regel eine Kanalreinigungsfirma: Der Behälter oder Pumpenschacht wird abgesaugt, Ablagerungen und Fettkrusten werden mit Hochdruck entfernt und die Zulaufleitungen gespült. Danach lässt sich die Technik viel besser beurteilen. Eine saubere Anlage läuft ruhiger, schaltet zuverlässiger und hält länger.
Eine Verwaltung in Winterthur meldete, dass die Hebeanlage einer Tiefgarage ständig Alarm gab. Vor Ort zeigte sich ein Pumpenschacht voller Sand, Laub und Fettrückstände; der Schwimmerschalter klemmte. Karo saugte den Schacht leer, reinigte Wände und Pumpen mit Hochdruck und spülte die Rinnen der Einstellhalle. Ein Servicetechniker ersetzte danach die verschlissene Rückschlagklappe. Seither ist die Anlage in einem jährlichen Wartungsplan erfasst, und die Fehlalarme sind verschwunden.

