Was ist die Rückstauebene?
Die Rückstauebene beschreibt eine gedachte horizontale Linie: Bis zu dieser Höhe kann sich Wasser in einem Kanalnetz aufstauen, wenn mehr Abwasser ankommt, als abfliessen kann. Weil die Leitungen einer Liegenschaft mit der öffentlichen Kanalisation verbunden sind, steigt das Wasser nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren auch in den Hausleitungen bis auf diese Höhe an.
Liegt ein Ablauf – ein Bodenablauf in der Waschküche, eine Dusche im Untergeschoss oder ein Lavabo im Hobbyraum – unterhalb der Rückstauebene, tritt das Abwasser dort aus. Genau deshalb ist die Rückstauebene der zentrale Bezugspunkt, wenn es um den Schutz von Kellern, Einstellhallen und Untergeschossen vor Überflutung geht.
Wo liegt die Rückstauebene in der Schweiz?
In der Schweiz wird die Rückstauebene in der Regel auf die Oberkante der Strasse beim Anschlusspunkt der Liegenschaft an die öffentliche Kanalisation gelegt. Der Grund ist einfach: Staut ein Kanal vollständig ein, tritt das Wasser spätestens bei den Schachtdeckeln auf der Strasse aus und kann nicht höher steigen.
Verbindlich ist aber immer die Festlegung der Gemeinde, meist im Abwasserreglement oder in den Bewilligungsunterlagen der Liegenschaftsentwässerung. In Hanglagen, bei tief liegenden Strassen oder in Gebieten mit bekannten Überlastungen kann die Gemeinde abweichende Höhen vorschreiben. Wer baut oder umbaut, sollte die massgebende Höhe deshalb frühzeitig bei der Bauverwaltung erfragen.
Welche Abläufe müssen gegen Rückstau gesichert werden?
Grundsätzlich gilt: Jede Entwässerungsstelle unterhalb der Rückstauebene braucht einen Schutz. Dazu gehören Bodenabläufe in Keller und Waschküche, Duschen, Toiletten und Waschmaschinenanschlüsse im Untergeschoss, Abläufe in Lichtschächten, Kellerabgängen und Garageneinfahrten sowie Rinnen in Tiefgaragen.
Abläufe oberhalb der Rückstauebene entwässern dagegen im freien Gefälle und brauchen keine Sicherung. Die Planung der Liegenschaftsentwässerung nach SN 592 000 trennt deshalb sauber zwischen Leitungen über und unter dieser Höhe. Werden beide Bereiche unbedacht zusammengeführt, kann ein einziger ungesicherter Ablauf das ganze Untergeschoss gefährden.
Schutz unter der Rückstauebene: Rückstauverschluss oder Hebeanlage
Für den Schutz gibt es zwei Grundprinzipien. Ein Rückstauverschluss nach SN EN 13564 – oft Rückstauklappe genannt – schliesst die Leitung, sobald Wasser zurückdrückt. Er eignet sich für Räume mit untergeordneter Nutzung und für fäkalienfreies Abwasser, setzt aber voraus, dass während eines Rückstaus niemand Wasser in die gesicherten Abläufe einleitet.
Die sicherere Lösung ist eine Hebeanlage. Sie pumpt das Abwasser über eine Rückstauschleife, die über die Rückstauebene geführt wird, und entwässert so auch während eines Rückstaus zuverlässig. Für Toiletten und Wohnräume im Untergeschoss ist sie in der Regel die fachgerechte Wahl. Beide Systeme müssen regelmässig geprüft und gewartet werden, damit sie im Ernstfall funktionieren.
Warum Rückstau immer häufiger zum Thema wird
Kurze, heftige Gewitter überlasten Kanalnetze immer wieder. In vielen Gemeinden wurde die Kanalisation für geringere Regenmengen und weniger versiegelte Flächen dimensioniert, als heute vorhanden sind. Kommt dann noch eine teilverstopfte Hausleitung oder ein voller Schlammsammler hinzu, steigt das Wasser im Keller schneller als erwartet.
Ein Rückstauschaden ist für Eigentümer oft teuer, weil nasse Böden, Wände und eingelagerte Gegenstände betroffen sind. Ob eine Versicherung zahlt, hängt häufig davon ab, ob eine vorgeschriebene Rückstausicherung vorhanden und funktionstüchtig war. Das macht die Kenntnis der eigenen Rückstauebene zu einer sehr praktischen Frage.
So prüfen Sie Ihre Liegenschaft
Der erste Schritt ist der Entwässerungsplan: Er zeigt, welche Abläufe im Untergeschoss liegen und wie sie angeschlossen sind. Fehlt ein aktueller Plan, lässt sich der Leitungsverlauf mit einer Kanal-TV-Inspektion und einer Leitungsortung rekonstruieren. Dabei wird auch sichtbar, ob vorhandene Rückstauklappen noch existieren und frei beweglich sind.
Zusätzlich lohnt sich eine regelmässige Reinigung der Grundleitungen und Schächte. Ablagerungen verengen den Querschnitt, sodass sich Wasser schon bei mässigem Regen aufstaut. Wer Reinigung, Inspektion und Wartung der Rückstausicherung kombiniert, reduziert das Risiko eines überfluteten Kellers deutlich.
Bei einem Mehrfamilienhaus in Dietikon stand nach einem Sommergewitter Wasser in der Waschküche und im Veloraum. Die Abklärung zeigte: Der Bodenablauf lag deutlich unter der Rückstauebene, die Rückstauklappe in der Grundleitung war mit Ablagerungen blockiert und schloss nicht mehr. Karo reinigte die Leitung mit Hochdruck, prüfte den Verschluss per Kamera und empfahl der Verwaltung den Ersatz der Klappe sowie eine jährliche Wartung. Beim nächsten Starkregen blieb das Untergeschoss trocken.

