GlossarFachbegriff Kanaltechnik

Rückstauebene

Auch: Rückstauhöhe

Die Rückstauebene ist die Höhe, bis zu der Abwasser aus dem öffentlichen Kanal bei Starkregen oder Verstopfung in die Hausleitungen zurückdrücken kann. Wer weiss, wo sie liegt, weiss auch, welche Räume im Keller gefährdet sind und wo eine Rückstausicherung oder Hebeanlage nötig ist.

Einsatz von Karo Kanaltechnik an einer Tiefgarageneinfahrt – typischer Bereich unter der Rückstauebene

Kurz erklärt

Die Rückstauebene ist die höchste Höhe, bis zu der Abwasser aus der öffentlichen Kanalisation in eine Liegenschaft zurückstauen kann. In der Schweiz entspricht sie meist der Strassenoberkante bei der Anschlussstelle; die Gemeinde legt sie verbindlich fest. Jeder Ablauf, der tiefer liegt – etwa im Keller oder in der Tiefgarage –, muss gegen Rückstau gesichert werden.

Was ist die Rückstauebene?

Die Rückstauebene beschreibt eine gedachte horizontale Linie: Bis zu dieser Höhe kann sich Wasser in einem Kanalnetz aufstauen, wenn mehr Abwasser ankommt, als abfliessen kann. Weil die Leitungen einer Liegenschaft mit der öffentlichen Kanalisation verbunden sind, steigt das Wasser nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren auch in den Hausleitungen bis auf diese Höhe an.

Liegt ein Ablauf – ein Bodenablauf in der Waschküche, eine Dusche im Untergeschoss oder ein Lavabo im Hobbyraum – unterhalb der Rückstauebene, tritt das Abwasser dort aus. Genau deshalb ist die Rückstauebene der zentrale Bezugspunkt, wenn es um den Schutz von Kellern, Einstellhallen und Untergeschossen vor Überflutung geht.

Wo liegt die Rückstauebene in der Schweiz?

In der Schweiz wird die Rückstauebene in der Regel auf die Oberkante der Strasse beim Anschlusspunkt der Liegenschaft an die öffentliche Kanalisation gelegt. Der Grund ist einfach: Staut ein Kanal vollständig ein, tritt das Wasser spätestens bei den Schachtdeckeln auf der Strasse aus und kann nicht höher steigen.

Verbindlich ist aber immer die Festlegung der Gemeinde, meist im Abwasserreglement oder in den Bewilligungsunterlagen der Liegenschaftsentwässerung. In Hanglagen, bei tief liegenden Strassen oder in Gebieten mit bekannten Überlastungen kann die Gemeinde abweichende Höhen vorschreiben. Wer baut oder umbaut, sollte die massgebende Höhe deshalb frühzeitig bei der Bauverwaltung erfragen.

Welche Abläufe müssen gegen Rückstau gesichert werden?

Grundsätzlich gilt: Jede Entwässerungsstelle unterhalb der Rückstauebene braucht einen Schutz. Dazu gehören Bodenabläufe in Keller und Waschküche, Duschen, Toiletten und Waschmaschinenanschlüsse im Untergeschoss, Abläufe in Lichtschächten, Kellerabgängen und Garageneinfahrten sowie Rinnen in Tiefgaragen.

Abläufe oberhalb der Rückstauebene entwässern dagegen im freien Gefälle und brauchen keine Sicherung. Die Planung der Liegenschaftsentwässerung nach SN 592 000 trennt deshalb sauber zwischen Leitungen über und unter dieser Höhe. Werden beide Bereiche unbedacht zusammengeführt, kann ein einziger ungesicherter Ablauf das ganze Untergeschoss gefährden.

Schutz unter der Rückstauebene: Rückstauverschluss oder Hebeanlage

Für den Schutz gibt es zwei Grundprinzipien. Ein Rückstauverschluss nach SN EN 13564 – oft Rückstauklappe genannt – schliesst die Leitung, sobald Wasser zurückdrückt. Er eignet sich für Räume mit untergeordneter Nutzung und für fäkalienfreies Abwasser, setzt aber voraus, dass während eines Rückstaus niemand Wasser in die gesicherten Abläufe einleitet.

Die sicherere Lösung ist eine Hebeanlage. Sie pumpt das Abwasser über eine Rückstauschleife, die über die Rückstauebene geführt wird, und entwässert so auch während eines Rückstaus zuverlässig. Für Toiletten und Wohnräume im Untergeschoss ist sie in der Regel die fachgerechte Wahl. Beide Systeme müssen regelmässig geprüft und gewartet werden, damit sie im Ernstfall funktionieren.

Warum Rückstau immer häufiger zum Thema wird

Kurze, heftige Gewitter überlasten Kanalnetze immer wieder. In vielen Gemeinden wurde die Kanalisation für geringere Regenmengen und weniger versiegelte Flächen dimensioniert, als heute vorhanden sind. Kommt dann noch eine teilverstopfte Hausleitung oder ein voller Schlammsammler hinzu, steigt das Wasser im Keller schneller als erwartet.

Ein Rückstauschaden ist für Eigentümer oft teuer, weil nasse Böden, Wände und eingelagerte Gegenstände betroffen sind. Ob eine Versicherung zahlt, hängt häufig davon ab, ob eine vorgeschriebene Rückstausicherung vorhanden und funktionstüchtig war. Das macht die Kenntnis der eigenen Rückstauebene zu einer sehr praktischen Frage.

So prüfen Sie Ihre Liegenschaft

Der erste Schritt ist der Entwässerungsplan: Er zeigt, welche Abläufe im Untergeschoss liegen und wie sie angeschlossen sind. Fehlt ein aktueller Plan, lässt sich der Leitungsverlauf mit einer Kanal-TV-Inspektion und einer Leitungsortung rekonstruieren. Dabei wird auch sichtbar, ob vorhandene Rückstauklappen noch existieren und frei beweglich sind.

Zusätzlich lohnt sich eine regelmässige Reinigung der Grundleitungen und Schächte. Ablagerungen verengen den Querschnitt, sodass sich Wasser schon bei mässigem Regen aufstaut. Wer Reinigung, Inspektion und Wartung der Rückstausicherung kombiniert, reduziert das Risiko eines überfluteten Kellers deutlich.

Beispiel aus der Praxis

Bei einem Mehrfamilienhaus in Dietikon stand nach einem Sommergewitter Wasser in der Waschküche und im Veloraum. Die Abklärung zeigte: Der Bodenablauf lag deutlich unter der Rückstauebene, die Rückstauklappe in der Grundleitung war mit Ablagerungen blockiert und schloss nicht mehr. Karo reinigte die Leitung mit Hochdruck, prüfte den Verschluss per Kamera und empfahl der Verwaltung den Ersatz der Klappe sowie eine jährliche Wartung. Beim nächsten Starkregen blieb das Untergeschoss trocken.

Häufige Fragen zu Rückstauebene

Wie finde ich heraus, wo die Rückstauebene meiner Liegenschaft liegt?+

Massgebend ist die Festlegung der Gemeinde, die Sie bei der Bauverwaltung oder im Abwasserreglement finden. In den meisten Fällen entspricht die Rückstauebene der Strassenoberkante beim Anschlusspunkt Ihrer Liegenschaft. Der Entwässerungsplan zeigt zudem, welche Abläufe darunter liegen.

Reicht eine Rückstauklappe aus?+

Für fäkalienfreies Abwasser aus Räumen mit untergeordneter Nutzung oft ja. Für Toiletten oder Wohnräume im Untergeschoss ist eine Hebeanlage mit Rückstauschleife meist die sicherere Lösung, weil sie auch während eines Rückstaus entwässern kann. Entscheidend ist eine fachgerechte Planung.

Was passiert, wenn Abläufe unter der Rückstauebene ungesichert sind?+

Bei einem Rückstau im öffentlichen Kanal steigt das Abwasser in den Hausleitungen bis auf die Rückstauebene an und tritt beim tiefsten ungesicherten Ablauf aus. Typische Folgen sind überflutete Keller, Waschküchen und Tiefgaragen mit verschmutztem Abwasser.

Wie oft sollte eine Rückstausicherung gewartet werden?+

Rückstauverschlüsse und Hebeanlagen sollten regelmässig nach Herstellerangaben kontrolliert werden, mindestens aber einmal jährlich. Dabei werden Klappen auf freie Beweglichkeit geprüft, Ablagerungen entfernt und Dichtungen kontrolliert. Eine vorgängige Leitungsreinigung erleichtert die Prüfung.

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