Was ist eine Reinigungsöffnung?
Eine Reinigungsöffnung ist ein Formstück in der Abwasserleitung mit einem abnehmbaren, dicht schliessenden Deckel. Im Normalbetrieb ist sie geschlossen und fällt kaum auf. Wird sie geöffnet, hat man direkten Zugang zum Rohrinneren – genau dort, wo Verstopfungen besonders oft entstehen.
In der Praxis begegnen einem verschiedene Bezeichnungen: Putzstück, Revisionsöffnung, Reinigungsrohr oder Reinigungsdeckel. Gemeint ist immer dasselbe Prinzip. Im Erdreich übernehmen Kontroll- und Reinigungsschächte diese Aufgabe für die Grundleitungen.
Wo sitzen Reinigungsöffnungen?
Klassisch sitzt ein Putzstück am unteren Ende eines Fallstrangs im Keller, kurz bevor die senkrechte Leitung in die Grund- oder Sammelleitung übergeht. Weitere Reinigungsöffnungen finden sich bei längeren liegenden Leitungen, nach Richtungswechseln, bei Anschlüssen von Küchen- und Gewerbeleitungen sowie vor Hebeanlagen und Abscheidern.
Die SN 592 000 und die SN EN 12056 verlangen, dass Leitungen so angeordnet werden, dass sie gereinigt und inspiziert werden können. Die Öffnungen müssen deshalb zugänglich bleiben. Häufig werden sie jedoch bei Umbauten verkleidet, zugemauert oder hinter Schränken versteckt.
Warum sind Putzstücke so wichtig?
Ohne Reinigungsöffnung muss die Reinigung über den nächsten Ablauf erfolgen – etwa über ein Lavabo, ein WC oder einen Bodenablauf. Das ist oft umständlich, weil Geruchsverschlüsse und enge Bögen Spirale und Spülschlauch behindern. Manchmal kommt man so gar nicht bis zur Verstopfung durch.
Für eine Kamerabefahrung ist eine gut gelegene Öffnung ebenso entscheidend. Die Kamera wird direkt in die Leitung eingeführt und kann Schäden in beide Richtungen dokumentieren. Fehlt der Zugang, muss eventuell ein Rohrstück demontiert oder eine neue Öffnung eingebaut werden.
Worauf beim Öffnen achten?
Eine Reinigungsöffnung an einer gestauten Leitung zu öffnen, ist heikel. Steht Abwasser im Rohr, ergiesst es sich beim Lösen des Deckels schlagartig in den Raum. Deshalb sollten Laien eine verstopfte Leitung nicht selbst über das Putzstück öffnen, sondern die Fachperson rufen, die mit Auffangbehälter, Saugschlauch und passendem Werkzeug arbeitet.
Nach der Reinigung muss der Deckel wieder dicht verschlossen werden, meist mit neuer Dichtung. Ein undicht verschlossenes Putzstück lässt Kanalgeruch austreten und kann bei Rückstau Wasser in den Keller lassen. Alte, festgerostete Deckel werden bei Bedarf ersetzt.
Keine Reinigungsöffnung vorhanden – was nun?
Gerade in älteren Liegenschaften fehlen Putzstücke oft oder sie sind nicht mehr auffindbar. Eine Leitungsortung mit Sonde und eine Kamerabefahrung von einem anderen Zugang aus zeigen, wo eine neue Reinigungsöffnung sinnvoll ist. Beim nächsten Umbau oder einer Sanierung lässt sie sich mit wenig Aufwand einbauen.
Für die Planung von Umbauten gilt: Reinigungsöffnungen nicht verkleiden, sondern mit einer Revisionsklappe zugänglich halten. Eine kurze Notiz im Hausdossier, wo die Öffnungen sitzen, erleichtert jeden künftigen Einsatz.
In einem Mehrfamilienhaus in Winterthur verstopfte der Küchenstrang alle paar Monate. Bisher wurde jedes Mal über die Spüle im Erdgeschoss gereinigt, was die Verstopfung nur teilweise löste. Beim Einsatz fand das Team im Keller hinter einer nachträglich eingebauten Holzverkleidung ein Putzstück am Fuss des Strangs. Über diese Öffnung wurde die Leitung bis zur Grundleitung gespült und per Kamera befahren: Fettablagerungen und ein Muffenversatz waren die Ursache. Die Verwaltung liess eine Revisionsklappe einbauen, damit das Putzstück zugänglich bleibt.

