Was ist ein Fallstrang?
Der Fallstrang ist das vertikale Hauptrohr der Gebäudeentwässerung. In ihn münden auf jedem Stockwerk die kurzen Anschlussleitungen von Lavabo, Dusche, Badewanne, WC, Spültisch und Waschmaschine. Das Abwasser fällt im Strang durch die Schwerkraft nach unten und wird im Keller oder unter der Bodenplatte über einen Bogen in die liegende Grundleitung umgelenkt, die es weiter zur öffentlichen Kanalisation führt.
In der Regel hat ein Mehrfamilienhaus mehrere Fallstränge, etwa einen für die übereinanderliegenden Küchen und einen für die Bäder. Getrennt davon verlaufen bei modernen Gebäuden die Fallleitungen für Dachwasser. Planung und Bemessung von Fallsträngen richten sich nach der Norm SN EN 12056 für die Schwerkraftentwässerung innerhalb von Gebäuden sowie nach der Schweizer Norm SN 592 000 für die Liegenschaftsentwässerung.
Aufbau und Entlüftung des Fallstrangs
Ein Fallstrang besteht aus geraden Rohrstücken, Abzweigen für die Stockwerksanschlüsse, Reinigungsöffnungen und am unteren Ende einem Bogen in die Grundleitung. Je nach Baujahr bestehen die Rohre aus Gusseisen, Faserzement, Kunststoff wie PE oder PP oder aus schallgedämmten Kunststoffsystemen. In älteren Liegenschaften findet man häufig noch Gussrohre, die im Inneren korrodieren und rau werden.
Damit das herabfallende Wasser keinen Unterdruck erzeugt, wird der Strang über Dach als Lüftungsleitung weitergeführt. Fehlt diese Entlüftung oder ist sie verstopft, saugt das abfliessende Wasser die Geruchsverschlüsse in den Wohnungen leer. Die Folge sind gluckernde Abflüsse und Kanalgeruch im Bad – ein häufiges Zeichen für ein Problem im Fallstrang und nicht im einzelnen Lavabo.
Typische Probleme im Fallstrang
Die häufigste Störung ist eine Verstopfung im unteren Bereich, wo der Strang in die Grundleitung übergeht. Hier sammeln sich Fett aus der Küche, Seifenreste, Haare und Feuchttücher. Weil das Abwasser im Bogen abgebremst wird, setzen sich Ablagerungen besonders gerne ab. Steht das Wasser im Erdgeschoss oder im Keller zurück, während es oben noch abläuft, liegt der Pfropfen meist genau dort.
Mit den Jahren wachsen ausserdem Inkrustationen aus Kalk und Urinstein, die den Querschnitt verengen. Bei Gussrohren kommen Korrosion und Rostknollen hinzu. Undichte Muffen zeigen sich durch Feuchteflecken in Schächten oder Wänden. Werden solche Schäden nicht behoben, drohen Wasserschäden in mehreren Wohnungen und teure Folgekosten.
Reinigung des Fallstrangs
Gereinigt wird ein Fallstrang je nach Ursache mechanisch oder mit Hochdruck. Bei einer akuten Verstopfung setzen Fachleute eine Rohrreinigungsspirale über eine Reinigungsöffnung oder vom Dach her ein. Für Fett und hartnäckige Beläge eignet sich die Hochdruckspülung mit passender Spüldüse, die die Rohrwand rundum freispült. Kalk und Urinstein werden mit Fräs- oder Kettenschleuderwerkzeugen abgetragen.
Nach der Reinigung lohnt sich in vielen Fällen eine Kamerabefahrung. Sie zeigt, ob der Strang wirklich frei ist, ob Risse oder undichte Verbindungen vorhanden sind und ob eine Sanierung ansteht. Bei Liegenschaften mit wiederkehrenden Verstopfungen hat sich eine regelmässige vorbeugende Spülung bewährt.
Sanierung eines alten Fallstrangs
Ist ein Fallstrang undicht oder stark korrodiert, muss er nicht zwingend aus den Wänden gebrochen werden. Grabenlose Verfahren wie der Schlauchliner oder eine Innenbeschichtung erneuern das Rohr von innen, während die Wohnungen weitgehend bewohnbar bleiben. Abzweige zu den Stockwerken werden nach dem Einbau mit einem Fräsroboter wieder geöffnet und abgedichtet.
Welches Verfahren passt, hängt von Material, Durchmesser, Bögen und Zustand ab. Grundlage ist immer eine sorgfältige Inspektion. Bei Strangsanierungen im Rahmen einer Gesamterneuerung kann auch der klassische Ersatz sinnvoll sein, etwa wenn ohnehin Bäder und Küchen umgebaut werden.
Was Eigentümer und Verwaltungen beachten sollten
Für den Fallstrang ist in Mietliegenschaften die Eigentümerschaft zuständig, in Stockwerkeigentum in der Regel die Gemeinschaft, weil der Strang ein gemeinschaftlicher Teil ist. Es lohnt sich, Lage, Material und Reinigungsöffnungen der Stränge in den Unterlagen festzuhalten. So können Fachleute im Störungsfall rasch eingreifen.
Hilfreich ist auch, die Bewohnerinnen und Bewohner zu informieren: Fett, Essensreste und Feuchttücher gehören nicht in den Abfluss. Diese einfache Regel verhindert einen grossen Teil der Verstopfungen in Fallsträngen.
In einem Mehrfamilienhaus aus den 1970er-Jahren in Winterthur lief das Abwasser im Erdgeschoss immer wieder langsam ab, während die oberen Wohnungen keine Probleme hatten. Die Kamerabefahrung zeigte im unteren Bogen des Küchen-Fallstrangs einen dicken Belag aus Fett und Kalk. Das Team spülte den Strang mit Hochdruck und einer rotierenden Düse frei und trug die Inkrustation mechanisch ab. Weil der Gussstrang zudem stark korrodiert war, empfahl der Bericht eine Sanierung mit Inliner bei der nächsten Erneuerung.

