GlossarFachbegriff Kanaltechnik

Wurzeleinwuchs

Auch: Wurzeln im Rohr, Wurzeleinwüchse

Wurzeleinwuchs ist das Eindringen von Pflanzenwurzeln in Abwasser- und Drainageleitungen. Bereits feine Haarwurzeln finden durch kleinste Undichtigkeiten den Weg ins Rohr und wachsen dort zu dichten Wurzelzöpfen heran. Sie gehören zu den häufigsten Ursachen für Verstopfungen in Grund- und Anschlussleitungen von Liegenschaften mit Garten.

Vergleich von Hochdruckspülung und mechanischer Rohrreinigung zur Entfernung von Wurzeleinwuchs

Kurz erklärt

Wurzeleinwuchs entsteht, wenn Baum- und Strauchwurzeln durch undichte Muffen oder Risse in Abwasserrohre eindringen. Im Rohr wachsen sie zu dichten Geflechten, verstopfen die Leitung und können sie aufsprengen. Die Wurzeln werden mit Fräsroboter oder Hochdruck entfernt; dauerhaft hilft nur, die Eintrittsstelle mit Kurzliner oder Inliner abzudichten.

Was ist Wurzeleinwuchs?

Pflanzenwurzeln suchen Wasser und Nährstoffe. Eine Abwasserleitung bietet beides im Überfluss: Feuchtigkeit, Wärme und organische Stoffe. Schon ein winziger Spalt an einer Muffe, durch den Wasserdampf oder Feuchtigkeit austritt, lockt feine Wurzelspitzen an. Sie wachsen durch die Öffnung ins Rohrinnere und verzweigen sich dort im fliessenden Abwasser.

Mit der Zeit entsteht ein dichter Wurzelzopf, der den Querschnitt teilweise oder ganz ausfüllt. In der Kanal-TV-Inspektion sieht man ihn als bartartiges Geflecht an der Muffe. Bei der Schadenskodierung nach SN EN 13508-2 wird Wurzeleinwuchs als Hindernis mit Angabe des Ausmasses erfasst.

Wie gelangen Wurzeln ins Rohr?

Die Wurzeln schaffen das Loch nicht selbst, sie nutzen bestehende Schwachstellen. Typisch sind alte Leitungen aus Zement oder Steinzeug mit Mörtel- oder Teerstrickmuffen, deren Dichtungen versprödet sind. Auch ein Muffenversatz, feine Risse, schlecht eingebundene Anschlüsse und Reinigungsöffnungen mit undichtem Deckel sind Eintrittspforten.

Besonders betroffen sind Leitungen in der Nähe von Bäumen und Hecken, etwa Pappeln, Weiden, Birken oder Thujahecken, aber auch Sträucher mit flachen Wurzeln. Drainageleitungen mit ihren Schlitzen sind naturgemäss anfällig. Einmal im Rohr, wachsen die Wurzeln weiter und drücken die Verbindung zusätzlich auseinander.

Folgen von Wurzeln in der Leitung

Die erste Folge ist meist eine schleichende Verstopfung: Papier und Feststoffe verfangen sich im Wurzelgeflecht, der Abfluss wird langsamer, bis es zum Rückstau im Keller kommt. Weil die Wurzeln nachwachsen, kehrt das Problem nach einer einfachen Reinigung oft innert Monaten zurück.

Gravierender sind die baulichen Schäden. Dickere Wurzeln weiten Muffen auf, sprengen Rohre und zerstören die Bettung. Aus der Leitung tritt Abwasser in den Boden aus, umgekehrt gelangen Erde und Grundwasser ins Rohr. Bleibt Wurzeleinwuchs lange unbehandelt, ist das Rohr am Ende oft so beschädigt, dass es aufwendig saniert werden muss.

Wurzeln entfernen: Fräsen und Spülen

Feine Wurzeln lassen sich mit einer Hochdruckspülung und einer geeigneten Düse abtragen. Dichte und verholzte Wurzelzöpfe entfernt ein Fräsroboter oder ein Fräswerkzeug an der Spirale, das die Wurzeln bündig an der Rohrwand abschneidet, ohne das Rohr zu beschädigen. Die Arbeit wird mit der Kamera überwacht.

Chemische Wurzelentferner aus dem Handel sind keine gute Lösung: Sie wirken unzuverlässig, belasten das Abwasser und beseitigen die Ursache nicht. Wichtig ist, nach dem Fräsen per Kamera zu prüfen, an welchen Stellen die Wurzeln eingedrungen sind und wie stark die Rohre beschädigt sind.

Dauerhafte Lösung: Eintrittsstellen abdichten

Wer nur fräst, wird die Wurzeln wiedersehen. Dauerhaft hilft nur, die Eintrittsstellen zu schliessen. Einzelne undichte Muffen werden mit einem Kurzliner abgedichtet, bei vielen Schadstellen saniert ein durchgehender Schlauchliner die ganze Haltung. Beide Verfahren bilden eine nahtlose Innenhaut, durch die keine Wurzeln mehr wachsen können.

Bei Neupflanzungen lohnt es sich, genügend Abstand zwischen Bäumen und Leitungen einzuplanen oder Wurzelschutz einzusetzen. Liegenschaften mit grossem Baumbestand profitieren von einer regelmässigen Inspektion, damit neuer Einwuchs früh erkannt wird.

Beispiel aus der Praxis

Bei einem Einfamilienhaus in Muri bei Bern staute sich das Abwasser alle paar Monate im Kellerablauf zurück. Mehrere Spülungen halfen jeweils nur kurz. Die Kamerabefahrung zeigte in der Grundleitung entlang einer alten Thujahecke vier Muffen mit dichtem Wurzeleinwuchs. Das Team fräste die Wurzeln mit dem Fräsroboter heraus und sanierte die 14 Meter lange Haltung anschliessend mit einem Schlauchliner. Seither ist die Leitung frei, und die Wurzeln haben keinen Weg mehr ins Rohr.

Häufige Fragen zu Wurzeleinwuchs

Wie erkenne ich Wurzeln im Abwasserrohr?+

Typisch sind wiederkehrende Verstopfungen und langsamer Abfluss, oft in Leitungen nahe von Bäumen oder Hecken. Manchmal kommen bei der Reinigung Wurzelreste zum Vorschein. Sicher lässt sich Wurzeleinwuchs nur mit einer Kanal-TV-Inspektion feststellen.

Reicht es, die Wurzeln einmal zu fräsen?+

Meist nicht dauerhaft. Fräsen beseitigt das Hindernis, aber die undichte Stelle bleibt, und die Wurzeln wachsen nach. Erst eine Abdichtung mit Kurzliner oder Schlauchliner verhindert neuen Einwuchs.

Muss ich den Baum fällen?+

In der Regel nicht. Ist die Leitung von innen dicht saniert, finden die Wurzeln keinen Zugang mehr. Bei Neupflanzungen sollte man aber genügend Abstand zu den Leitungen einhalten.

Helfen Wurzelentferner aus dem Baumarkt?+

Davon raten wir ab. Chemische Mittel wirken unzuverlässig, belasten das Abwasser und beheben die Ursache nicht. Mechanisches Fräsen mit Kamerakontrolle und eine anschliessende Abdichtung sind die fachgerechte Lösung.

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