Was ist ein Fräsroboter?
Der Fräsroboter ist ein Werkzeugträger auf Rädern oder Raupen, der über einen Schacht in die Leitung abgelassen wird. An einem Arm sitzt ein Fräskopf, der sich drehen, heben, senken und schwenken lässt. Angetrieben wird er je nach System elektrisch, hydraulisch oder pneumatisch. Eine Kamera am Gerät überträgt das Bild ins Fahrzeug, wo der Bediener jede Bewegung steuert.
Fräsroboter werden vor allem in grösseren Leitungen eingesetzt, in denen das Gerät genug Platz zum Fahren und Arbeiten hat, etwa in Grund-, Sammel- und öffentlichen Kanälen. Für kleine Hausleitungen gibt es kompakte Fräswerkzeuge an flexiblen Wellen oder Spiralen, die nach dem gleichen Prinzip arbeiten.
Wofür wird ein Fräsroboter eingesetzt?
Ein klassischer Einsatz ist die Reinigung von Hindernissen, die eine Spülung nicht lösen kann: dichte Wurzelzöpfe, harte Inkrustationen aus Kalk oder Beton, verhärtete Fettablagerungen. Der Fräskopf trägt sie bündig an der Rohrwand ab, ohne das Rohr zu beschädigen.
Ebenso häufig entfernt der Roboter einragende Anschlüsse. Wurde ein Seitenzulauf früher zu tief in den Hauptkanal eingesteckt, ragt das Rohrstück in den Querschnitt und fängt Feststoffe ab. Der Roboter fräst es bündig ab. Auch vorstehende Kanten an Muffen oder Reste von Beton lassen sich so beseitigen.
Unverzichtbar bei der Inliner-Sanierung
Wird ein Kanal mit einem Schlauchliner saniert, verschliesst der neue Liner zunächst auch alle seitlichen Anschlüsse. Damit das Abwasser der angeschlossenen Liegenschaften wieder abfliessen kann, müssen diese Öffnungen von innen wieder aufgefräst werden. Das ist die wichtigste Aufgabe des Fräsroboters in der Sanierung.
Vor dem Einbau wird die Lage jedes Anschlusses mit der Kamera genau vermessen. Nach dem Aushärten des Liners fährt der Roboter die Positionen an, ertastet die Vertiefung im Liner und fräst die Öffnung sauber auf. Anschliessend werden die Kanten geglättet, damit sich nichts verfängt. Häufig folgt ein Hutprofil, das den Übergang zwischen Hauptkanal und Anschlussleitung zusätzlich abdichtet.
Vorbereitung für Kurzliner und Hutprofil
Auch vor punktuellen Reparaturen ist der Fräsroboter gefragt. Ein Kurzliner muss satt an einer sauberen Rohrwand anliegen. Hindernisse, Versätze mit scharfen Kanten oder Ablagerungen an der Schadstelle werden deshalb vorher abgefräst.
Für ein Hutprofil wird der Anschlussbereich ringsum freigelegt und geglättet, damit die Krempe des Hutes dicht an der Wand des Hauptrohrs anliegt. Je sauberer diese Vorbereitung, desto dauerhafter die Abdichtung.
Vorteile und Grenzen
Der grösste Vorteil liegt auf der Hand: Arbeiten, die früher einen Graben, Absperrungen und Wiederherstellung von Belägen erforderten, erledigt der Roboter vom Schacht aus. Das spart Zeit, schont Gärten und Strassen und verkürzt die Ausfallzeit der Leitung.
Grenzen setzen Durchmesser, Bögen und der Zustand des Rohrs. In sehr engen Leitungen findet der Roboter keinen Platz, und bei eingestürzten Rohren oder starker Scherbenbildung ist ein Eingriff von innen nicht mehr sicher. Ob ein Robotereinsatz möglich ist, klärt deshalb immer zuerst eine Kanal-TV-Inspektion.
Für Eigentümer und Verwaltungen bedeutet das: Nicht jede verstopfte oder verwurzelte Leitung muss ersetzt werden. Oft lassen sich Hindernisse mit dem Roboter beseitigen und die Leitung anschliessend punktuell oder durchgehend von innen sanieren.
In Schlieren sanierte ein Team eine 40 Meter lange Grundleitung unter einem Gewerbebau mit einem Schlauchliner. Sechs Seitenanschlüsse von Fallsträngen und Bodenabläufen waren dadurch zunächst verschlossen. Vor dem Einbau waren ihre Positionen per Kamera vermessen worden. Nach dem Aushärten fuhr der Fräsroboter die Stellen an, fräste die Öffnungen sauber auf und glättete die Kanten. Am Abend desselben Tages war die Entwässerung des Gebäudes wieder in Betrieb.

