Das Rohr-in-Rohr-Prinzip
Beim Inliner-Verfahren wird kein neues Rohr eingebaut, sondern ein Liner in das vorhandene Rohr eingebracht und dort zu einem neuen Innenrohr geformt. Der harzgetränkte Schlauch legt sich unter Druck eng an die alte Rohrwand an und härtet aus – mit Warmwasser, Dampf oder UV-Licht.
Nach dem Aushärten entsteht ein glattes, fugenloses Rohr im Rohr, das sich formschlüssig mit dem Altrohr verbindet. Der Querschnitt verringert sich dabei nur minimal, während die glatte Innenfläche die Abflussleistung sogar verbessern kann.
Ablauf einer Inliner-Sanierung
Vor der Sanierung wird der Kanal gründlich gereinigt und per Kamera inspiziert, damit Schadstellen und Zuläufe bekannt sind. Anschliessend wird der Inliner über einen bestehenden Schacht eingezogen oder mit Druck invertiert und in Position gebracht.
Nach dem Aushärten öffnet ein ferngesteuerter Fräsroboter die zuvor überdeckten Zuläufe wieder. Eine abschliessende Kamerabefahrung dokumentiert das Ergebnis und belegt die fachgerechte Ausführung. Die gesamte Sanierung erfolgt ohne Aufgraben, meist innerhalb eines Tages.
Vorteile und Grenzen der Inliner-Technik
Der grösste Vorteil ist die grabenlose Ausführung: Strassen, Vorplätze, Gärten und Bodenbeläge bleiben unangetastet, Aushub und Wiederherstellung entfallen. Das spart Zeit und Kosten und minimiert die Störung im laufenden Betrieb. Die Nutzungsdauer eines Inliners beträgt mehrere Jahrzehnte.
Voraussetzung ist eine noch ausreichend stabile und im Verlauf durchgängige Leitung. Bei völlig eingestürzten oder stark deformierten Rohren stösst das Verfahren an Grenzen. Bei nur punktuellen Schäden ist ein Kurzliner die wirtschaftlichere Alternative, bei stark verwinkelten Leitungen ein Sprayliner.
Inliner, Schlauchliner, Rohr-in-Rohr – die Begriffe
Die Begriffe Inliner, Schlauchliner und Rohr-in-Rohr-Sanierung beschreiben dasselbe Grundprinzip: Ein neues Rohr wird ins bestehende eingebracht, statt es auszutauschen. «Inliner» betont dabei das eingebrachte Innenrohr, «Schlauchliner» das Ausgangsmaterial – den harzgetränkten Schlauch.
Für die Praxis entscheidend ist nicht die Bezeichnung, sondern die richtige Auswahl von Material, Wandstärke und Aushärteverfahren passend zu Rohrdurchmesser, Schadensbild und Leitungsverlauf. Diese Auslegung erfolgt auf Basis der Kamerabefahrung und einer statischen Bemessung der Leitung.
Schlauchliner im CIPP-Verfahren: Einziehen, Invertieren, Aushärten
Der Schlauchliner ist das Ausgangsmaterial des Inliners: ein mit Reaktionsharz getränkter Gewebeschlauch. Das Verfahren heisst CIPP, «Cured In Place Pipe» – ein Rohr, das direkt am Einsatzort aushärtet. Nach Reinigung und Kamerabefahrung wird der Schlauch über einen Schacht oder eine Revisionsöffnung entweder eingezogen oder mit Druckluft bzw. Wasserdruck ins Rohr invertiert, also von innen nach aussen umgestülpt.
Unter Druck legt sich der Schlauch eng an die Rohrwand an und überbrückt Risse, undichte Muffen und Korrosion. Anschliessend härtet das Harz aus – je nach System mit Warmwasser, Dampf oder UV-Licht. Zum Schluss öffnet ein ferngesteuerter Fräsroboter die überdeckten Zuläufe wieder. Es entsteht ein glattes, fugenloses und selbsttragendes Rohr im Rohr, das statisch so ausgelegt wird, dass es die Tragfunktion der alten Leitung übernimmt.
Trägermaterial, Harze und Eignung
Als Träger dienen Nadelfilz-, Glasfaser- oder Kombigewebe, getränkt mit Epoxid-, Polyester- oder Vinylesterharz. Die Wahl richtet sich nach Rohrdurchmesser, Belastung und Abwasserart. Ein fachgerecht eingebauter Schlauchliner erreicht eine Nutzungsdauer von mehreren Jahrzehnten und ist widerstandsfähig gegen erneuten Wurzeleinwuchs.
Geeignet ist der Schlauchliner für zusammenhängende Schäden über eine ganze Haltung: Risse, Scherbenbildung, undichte Verbindungen, Korrosion oder leichten Wurzeleinwuchs. Voraussetzung ist eine Leitung, die in Lage und Grundform noch vorhanden und befahrbar ist. Bei einer einzelnen Schadstelle ist ein Kurzliner (Pointliner) wirtschaftlicher, bei vielen engen Bögen ein Sprayliner, bei eingestürzten Rohren der offene Ersatz. Die Kosten hängen von Länge, Durchmesser, Zustand und Zugänglichkeit ab; weil Aushub und Wiederherstellung von Strassen und Böden entfallen, ist die Gesamtrechnung gegenüber dem offenen Rohrersatz oft günstiger.
Unter der Zufahrt eines Mehrfamilienhauses in Dietikon war die Abwasserleitung auf 25 Metern durch Risse und eingedrungene Wurzeln undicht. Ein Aufgraben hätte die einzige Zufahrt für Wochen gesperrt. Mit einem eingezogenen Kanal-Inliner wurde die Leitung an einem Tag grabenlos erneuert. Die Zufahrt blieb durchgehend befahrbar, das Rohr ist seither dicht.

