Was ist ein Hutprofil?
Überall dort, wo eine Leitung in eine andere mündet, entsteht ein Knotenpunkt: Eine Hausanschlussleitung trifft auf den Gemeindekanal, ein Fallstrang oder Bodenablauf auf die Grundleitung. Diese Einbindungen sind oft die schwächste Stelle der ganzen Entwässerung, weil sie früher von Hand hergestellt und nur mit Mörtel abgedichtet wurden.
Das Hutprofil schliesst genau diesen Übergang. Es besteht aus einem Trägermaterial, zum Beispiel einem Glasfaser- oder Filzgewebe, das mit Harz getränkt wird. Seine Form ähnelt einem Hut: Die flache Krempe legt sich an die Innenwand des Hauptrohrs um die Öffnung, der röhrenförmige Teil reicht ein Stück weit in die Anschlussleitung hinein. Nach dem Aushärten bildet es eine nahtlose, dichte Verbindung.
Wann wird ein Hutprofil eingesetzt?
Der häufigste Anlass ist eine Inliner-Sanierung des Hauptkanals. Nachdem der Fräsroboter die verschlossenen Anschlüsse wieder geöffnet hat, bleibt am Übergang vom neuen Liner zur alten Seitenleitung eine Fuge. Das Hutprofil überdeckt sie und verbindet den Liner dicht mit dem Anschluss.
Ein Hutprofil kommt aber auch ohne vorherige Hauptsanierung zum Einsatz, etwa wenn die Kanal-TV-Inspektion an einer Einbindung Risse, ausgebrochenen Mörtel, Wurzeln oder eindringendes Grundwasser zeigt. Gerade bei Anschlussleitungen unter Strassen spart das einen aufwendigen Graben im öffentlichen Grund.
So läuft der Einbau ab
Zuerst werden Hauptkanal und Anschluss gereinigt und per Kamera begutachtet. Der Fräsroboter entfernt Wurzeln, Ablagerungen und vorstehende Kanten, damit die Krempe satt anliegt. Danach wird das Hutprofil auf der Baustelle mit Harz getränkt und auf einen speziellen Packer gesetzt.
Ein Roboter fährt den Packer im Hauptkanal bis zur Einbindung, richtet ihn unter Kamerasicht genau auf die Öffnung aus und bläst ihn auf. Dabei stülpt sich der Zylinder in die Anschlussleitung, und die Krempe presst sich an die Wand des Hauptrohrs. Je nach System härtet das Harz bei Umgebungstemperatur, mit Wärme oder mit UV-Licht aus. Danach wird der Packer entfernt und das Ergebnis mit der Kamera kontrolliert.
Vorteile des Hutprofils
Das Hutprofil saniert die Einbindung ohne Aushub, ohne Verkehrsbehinderung über längere Zeit und ohne Wiederherstellung von Belägen. Der Anschluss ist nach kurzer Zeit wieder in Betrieb. Weil es fugenlos ist und das Harz eine glatte Oberfläche bildet, setzen sich keine Ablagerungen fest, und Wurzeln finden keinen Weg ins Rohr.
Ausserdem verhindert ein dichter Anschluss, dass Grundwasser als Fremdwasser in den Kanal gelangt oder Abwasser in den Boden austritt. Das entlastet die Abwasserreinigung und schützt das Grundwasser – ein Ziel, das auch das Gewässerschutzgesetz verfolgt.
Grenzen und Voraussetzungen
Ein Hutprofil braucht einen Hauptkanal, in dem der Roboter mit dem Packer fahren und arbeiten kann. In sehr kleinen Leitungen ist das nicht möglich. Auch der Anschluss muss eine Form haben, auf die das Profil passt; stark versetzte oder eingebrochene Einbindungen müssen unter Umständen offen erneuert werden.
Wie gut die Abdichtung hält, hängt wesentlich von der Vorbereitung ab. Eine saubere Reinigung, sorgfältiges Fräsen und die exakte Positionierung sind entscheidend. Nach dem Einbau kann eine Dichtheitsprüfung des Anschlusses die Qualität belegen.
In einer Gemeinde im Zürcher Oberland wurde der öffentliche Kanal einer Quartierstrasse mit einem Schlauchliner saniert. Eine Liegenschaftsbesitzerin nutzte die Gelegenheit: Ihre Anschlussleitung mündete mit ausgebrochenem Mörtel und eindringendem Wasser in den Kanal. Nach dem Auffräsen der Öffnung setzte das Team ein Hutprofil, das den neuen Liner dicht mit ihrer Leitung verband. Die Strasse blieb unversehrt, und der Anschluss war noch am selben Tag wieder in Betrieb.

