Was ist eine Inkrustation?
Das Wort Inkrustation kommt vom lateinischen «crusta», die Kruste. Im Kanalbau meint es Ablagerungen, die sich schichtweise an der Rohrwand aufbauen und mit der Zeit steinhart werden. Sie unterscheiden sich von Sand, Schlamm oder Papier, die lose in der Rohrsohle liegen und von einer Spülung weggeschwemmt werden.
In der Inspektion erscheinen Inkrustationen als unregelmässige, oft hellgraue oder bräunliche Beläge, die den Querschnitt ringförmig oder vor allem in der Sohle verengen. In der Schadenskodierung nach SN EN 13508-2 werden sie als anhaftende Ablagerung mit Angabe der Querschnittsreduktion erfasst.
Woraus Inkrustationen entstehen
In vielen Regionen der Schweiz ist das Wasser hart, enthält also viel gelösten Kalk. Wo warmes Wasser aus Geschirrspüler, Dusche oder Waschmaschine abfliesst, fällt Kalk aus und lagert sich an. In WC-Leitungen und Urinalanschlüssen bildet sich Urinstein, eine besonders harte Ablagerung aus Mineralien des Urins, die sich gerne mit Kalk und Papierfasern verbindet.
In Küchenleitungen verbinden sich Fette mit Kalk und Reinigungsmitteln zu seifenartigen Massen, die mit der Zeit verhärten. In alten Gussrohren kommen Rostknollen hinzu, die durch Korrosion entstehen. Auch Zementschlämme von Bauarbeiten oder kalkhaltiges Sickerwasser können Leitungen verkrusten.
Folgen für die Leitung
Eine Inkrustation wächst langsam, aber stetig. Mit jedem Millimeter wird der freie Querschnitt kleiner und die Wand rauer. Das Abwasser fliesst langsamer, und Papier, Haare oder Essensreste bleiben an der rauen Oberfläche hängen. So entstehen Verstopfungen, die nach jeder einfachen Reinigung rasch wiederkehren.
Bei stark verkrusteten Leitungen kann der Querschnitt so weit zugewachsen sein, dass nur noch ein dünner Kanal frei bleibt. Zudem verdecken die Krusten Schäden wie Risse oder Korrosion, die erst nach der Entfernung sichtbar werden. Vor einer Sanierung mit Inliner müssen Inkrustationen in jedem Fall vollständig abgetragen werden, weil der Liner sonst nicht sauber an der Rohrwand anliegt.
So werden Inkrustationen entfernt
Weil die Ablagerungen fest haften, reicht eine normale Spülung meist nicht. Fachleute setzen mechanische Werkzeuge ein: Fräsköpfe an der Rohrreinigungsmaschine, Kettenschleudern, die mit rotierenden Ketten die Kruste abschlagen, oder Fräsroboter für grössere Durchmesser. Bei Hochdruckverfahren kommen spezielle Rotations- oder Fräsdüsen zum Einsatz.
Wichtig ist, das Werkzeug an Rohrmaterial und Zustand anzupassen, damit die Rohrwand nicht beschädigt wird, besonders bei dünnwandigen Kunststoff- oder alten Faserzementrohren. Die Arbeit wird mit der Kamera kontrolliert. Säurehaltige Rohrreiniger aus dem Handel sind dagegen ungeeignet: Sie wirken kaum auf dicke Krusten und können Rohre und Dichtungen angreifen.
Vorbeugen und kontrollieren
Ganz verhindern lässt sich Kalk im harten Wasser nicht. Eine regelmässige vorbeugende Reinigung hält die Ablagerungen aber dünn, bevor sie steinhart werden. In Gastronomie und Gewerbe mit viel Warmwasser und Fett lohnt es sich, Leitungen in festen Abständen spülen und kontrollieren zu lassen.
Bei Urinalanlagen helfen regelmässige Spülung und geeignete Reinigungsmittel gegen Urinstein. Fette gehören in den Abfall und nicht in den Abfluss. Nach einer grösseren Entkrustung zeigt eine Kamerabefahrung, ob das Rohr noch in gutem Zustand ist oder ob eine Sanierung ansteht.
In einem Schulhaus in Baden flossen die WC- und Urinalleitungen im Untergeschoss trotz wiederholter Spülungen immer schlechter ab. Die Kamerabefahrung zeigte eine dicke Schicht aus Urinstein und Kalk, die den Querschnitt um rund die Hälfte verengte. Das Team trug die Kruste schrittweise mit einer Kettenschleuder ab und spülte die Reste mit Hochdruck aus. Die Kontrollaufnahme zeigte danach eine freie Leitung; empfohlen wurde eine jährliche vorbeugende Reinigung der Urinalstränge.

