Was ist eine Spüldüse?
Bei der Hochdruckspülung pumpt das Kanalspülfahrzeug Wasser mit hohem Druck durch einen Schlauch in die Leitung. Am Schlauchende sitzt die Spüldüse – ein Metallkopf mit mehreren präzise gebohrten Öffnungen. Ihre Form und die Richtung der Strahlen bestimmen, was in der Leitung passiert: wie stark sie vorwärts zieht, wo die Reinigungskraft wirkt und wie gründlich die Rohrwand erfasst wird.
Die meisten Düsen arbeiten mit Rückwärtsstrahlen. Diese schräg nach hinten gerichteten Strahlen erzeugen einen Rückstoss, der die Düse samt Schlauch in die Leitung zieht, und spülen gleichzeitig das gelöste Material in Richtung Schacht, wo es abgesaugt wird. Ein oder mehrere Strahlen nach vorne öffnen den Weg bei Verstopfungen.
Die wichtigsten Düsenarten
Für die Unterhaltsreinigung mit leichten bis mittleren Ablagerungen werden Standard- oder Rückstrahldüsen eingesetzt. Sohlen- oder Bodendüsen liegen auf der Rohrsohle auf und schieben schwere Sedimente wie Sand und Kies kraftvoll zum Schacht. Rotationsdüsen drehen sich durch die Strahlkraft und reinigen die Rohrwand rundum – ideal bei Fett und Biofilm.
Penetrations- oder Spitzdüsen haben einen starken Frontstrahl und durchstossen festsitzende Verstopfungen. Für Leitungen mit vielen Bögen, etwa im Gebäude, gibt es kurze, wendige Düsen, die enge Radien passieren. Die Wahl richtet sich nach Durchmesser, Rohrmaterial, Art der Ablagerung und dem Zustand der Leitung, den man im Idealfall aus einer Kamerabefahrung kennt.
Kettenschleuder: mechanische Kraft für harte Fälle
Nicht alles lässt sich mit Wasser allein lösen. Inkrustationen aus Kalk und Urinstein, verhärtetes Fett oder Betonreste haften so fest an der Rohrwand, dass auch ein starker Wasserstrahl kaum etwas ausrichtet. Hier kommt die Kettenschleuder zum Einsatz: An einer schnell rotierenden Welle sind Kettenglieder befestigt, die sich durch die Fliehkraft nach aussen legen und die Ablagerungen abschlagen.
Kettenschleudern werden je nach System durch eine Welle oder durch Wasserdruck angetrieben. Sie eignen sich auch, um eingewachsene Wurzeln zu entfernen, bevor eine Leitung saniert wird. Weil sie mechanisch auf die Rohrwand wirken, ist Erfahrung gefragt: Bei spröden, alten oder bereits beschädigten Rohren kann ein falsch dimensioniertes Werkzeug Schaden anrichten.
Druck, Wassermenge und schonende Reinigung
Die Reinigungswirkung hängt nicht nur vom Druck ab, sondern ebenso von der Wassermenge, die durch die Düse fliesst. Viel Wasser bei moderatem Druck transportiert Sedimente gut ab, hoher Druck bei geringer Menge löst eher Anhaftungen. Erfahrene Kanaltechniker stimmen Druck, Durchfluss und Düse auf die jeweilige Leitung ab.
Schonend arbeiten heisst vor allem: nicht mehr Kraft einsetzen als nötig. Bei Kunststoffrohren, alten Steinzeugleitungen oder Asbestzementrohren ist Zurückhaltung gefragt, damit die Rohrwand nicht angegriffen wird. Frisch sanierte Leitungen mit Inliner vertragen die Reinigung gut, sofern Düse und Druck zum Liner passen.
Spüldüse und Kamera: ein eingespieltes Team
Vor einer anspruchsvollen Reinigung lohnt sich ein Blick in die Leitung. Die Kamerabefahrung zeigt, welche Ablagerungen vorhanden sind, ob Wurzeln eingewachsen sind und ob das Rohr Risse oder Versätze hat, an denen eine Düse hängen bleiben könnte. So wird von Anfang an das passende Werkzeug gewählt.
Nach der Reinigung bestätigt eine zweite Befahrung, dass die Leitung wirklich frei ist. Bei Sanierungsprojekten ist das ohnehin Pflicht: Ein Inliner kann nur in ein sauberes, ablagerungsfreies Rohr eingebaut werden. Die Kombination aus Düse, Kettenschleuder und Kamera macht die Reinigung planbar und vermeidet unnötige Wiederholungen.
In der Grundleitung einer Wohnüberbauung in Baden floss das Abwasser trotz regelmässiger Spülungen immer langsamer ab. Die Kamerabefahrung zeigte mehrere Zentimeter dicke, steinharte Kalk- und Urinsteinkrusten. Mit der Rotationsdüse allein liess sich die Schicht kaum lösen. Das Team von Karo Kanaltechnik setzte deshalb eine auf den Rohrdurchmesser abgestimmte Kettenschleuder ein, entfernte die Krusten abschnittsweise und spülte das Material mit der Sohlendüse zum Schacht. Die Kontrollbefahrung zeigte danach wieder den vollen Querschnitt.

