Was ist ein Kanalkataster?
Der Begriff Kataster bezeichnet ein amtliches Verzeichnis. Beim Kanalkataster sind das alle Bestandteile des Abwassernetzes: Leitungen, Schächte, Sonderbauwerke wie Pumpwerke und Becken sowie die Anschlüsse der Liegenschaften. Zu jedem Objekt werden Lage und Höhe sowie technische Angaben gespeichert.
Heute führen die meisten Schweizer Gemeinden ihren Kanalkataster digital in einem Geoinformationssystem. Er ist Teil des Leitungskatasters, der auch Wasser, Strom, Gas, Fernwärme und Kommunikation umfasst. Für die Datenstruktur im Abwasserbereich hat der Verband Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute VSA einheitliche Grundlagen geschaffen, damit Daten zwischen Gemeinden, Ingenieurbüros und Fachfirmen ausgetauscht werden können.
Welche Informationen enthält der Kataster?
Zu jeder Leitung gehören in der Regel Verlauf, Durchmesser, Material, Baujahr, Sohlenhöhen an Anfang und Ende und damit das Gefälle, ausserdem die Art des Abwassers – Schmutzwasser, Meteorwasser oder Mischabwasser. Bei Schächten werden Deckel- und Sohlenhöhe, Bauart und Abmessungen erfasst.
Zunehmend wichtig sind Zustandsdaten. Die Ergebnisse von Kanal-TV-Inspektionen, kodiert nach SN EN 13508-2 und bewertet nach der VSA-Richtlinie «Erhaltung von Kanalisationen», werden mit den Haltungen verknüpft. So entsteht ein Bild darüber, welche Leitungen in welcher Zustandsklasse sind und wo Sanierungen anstehen.
Wozu dient der Kanalkataster?
Für die Gemeinde ist der Kataster das zentrale Werkzeug der Werterhaltung. Er bildet die Grundlage für den Generellen Entwässerungsplan, für Unterhalts- und Spülprogramme und für die langfristige Finanzplanung der Erneuerungen. Bei Störungen zeigt er, wo Schächte liegen und wie Leitungen verbunden sind.
Für Bauvorhaben ist er unverzichtbar: Wer im Boden gräbt, muss wissen, welche Leitungen dort liegen. Auch Planer neuer Gebäude brauchen die Angaben, um den Anschluss an die Kanalisation korrekt zu planen. Fehlerhafte oder veraltete Daten führen zu beschädigten Leitungen, Bauverzögerungen und Mehrkosten.
Und bei privaten Liegenschaften?
Private Leitungen auf dem Grundstück sind im öffentlichen Kanalkataster oft nur teilweise oder gar nicht erfasst. Ihre Funktion übernehmen die Pläne der Liegenschaftsentwässerung, die mit dem Baugesuch eingereicht wurden. Viele Gemeinden bewahren diese Pläne im Archiv des Bauamts auf, wo Eigentümer Einsicht nehmen können.
Bei älteren Häusern fehlen solche Pläne jedoch häufig, oder sie stimmen nach mehreren Umbauten nicht mehr. Eine Kanal-TV-Inspektion mit Ortung kann den tatsächlichen Verlauf ermitteln. Daraus lässt sich ein aktueller Bestandsplan erstellen, der bei künftigen Arbeiten viel Zeit spart.
Wer eine Liegenschaft kauft oder verkauft, sollte ebenfalls nach diesen Unterlagen fragen. Ein vollständiger Entwässerungsplan mit aktuellem Inspektionsbericht schafft Klarheit über Zustand und anstehende Investitionen und vermeidet spätere Überraschungen.
Den Kataster aktuell halten
Ein Kataster ist nur so gut wie seine Aktualität. Jede neue Leitung, jede Sanierung und jede Inspektion sollte nachgeführt werden. Darum verlangen Gemeinden nach Bauarbeiten oft Ausführungspläne und bei Inspektionen Daten in einem auswertbaren Format.
Fachfirmen unterstützen das, indem sie Inspektionen normgerecht kodieren, Schächte und Leitungen eindeutig bezeichnen und Ergebnisse so liefern, dass sie direkt in den Kataster übernommen werden können. Für Eigentümer lohnt es sich, die eigenen Unterlagen ebenso sorgfältig aufzubewahren und nach jeder Arbeit zu ergänzen.
Ein Ehepaar in Frauenfeld wollte beim Umbau seines Hauses aus den 1950er-Jahren einen Anbau erstellen. Im Archiv des Bauamts fand sich nur ein unvollständiger Plan der Hausentwässerung. Vor dem Aushub liess der Architekt die Leitungen per Kanal-TV-Inspektion befahren und mit einer Sonde orten. Dabei zeigte sich, dass die Grundleitung anders verlief als eingezeichnet – mitten durch die geplante Baugrube. Der neue Bestandsplan floss in die Planung ein und ging nach dem Umbau an die Gemeinde.

