GlossarFachbegriff Kanaltechnik

Trennsystem

Auch: Trennkanalisation, Trennverfahren

Im Trennsystem bekommt jede Wasserart ihre eigene Leitung: Schmutzwasser fliesst zur Kläranlage, Meteorwasser in ein Gewässer oder in den Boden. Das entlastet Kläranlagen und Gewässer – funktioniert aber nur, wenn jede Leitung am richtigen Kanal hängt.

Nachteinsatz von Karo am offenen Schacht mit Signalisation «Kanalarbeiten»

Kurz erklärt

Beim Trennsystem werden Schmutzwasser und Meteorwasser in zwei separaten Kanälen abgeleitet. Das Schmutzwasser gelangt zur Abwasserreinigungsanlage, das nicht verschmutzte Regenwasser direkt in ein Gewässer oder eine Versickerungsanlage. Kläranlagen werden so entlastet und Überläufe bei Starkregen vermieden. Wichtig ist, dass keine Fehlanschlüsse zwischen den beiden Leitungen bestehen.

Was ist das Trennsystem?

Das Trennsystem ist neben dem Mischsystem das zweite Grundprinzip der Siedlungsentwässerung. Statt eines gemeinsamen Kanals gibt es zwei: den Schmutzwasserkanal für das Abwasser aus Haushalt und Gewerbe und den Meteorwasserkanal für Regenwasser von Dächern, Plätzen und Strassen.

Auf der Liegenschaft setzt sich diese Trennung fort. Die Grundleitungen für Schmutzwasser und Meteorwasser verlaufen getrennt, haben eigene Kontrollschächte und eigene Anschlüsse an den jeweiligen öffentlichen Kanal. In neueren Quartieren der Schweiz ist das Trennsystem heute die Regel; in älteren Gebieten wird es oft schrittweise eingeführt, wie es der Generelle Entwässerungsplan (GEP) vorsieht.

Vorteile des Trennsystems

Der grösste Vorteil ist die Entlastung der Abwasserreinigungsanlage. Weil kein Regenwasser in den Schmutzwasserkanal gelangt, bleibt die Menge relativ konstant, und die Kläranlage kann effizient arbeiten. Gleichzeitig entfallen die Entlastungen, über die im Mischsystem bei Starkregen verdünntes Abwasser in Gewässer gelangt.

Auch für Liegenschaften bringt das System Vorteile: Der Schmutzwasserkanal läuft bei Gewittern weniger schnell voll, was das Rückstaurisiko verringert. Das saubere Meteorwasser kann zudem ortsnah versickert oder zurückgehalten werden, wie es das Gewässerschutzgesetz anstrebt.

Nachteile und Herausforderungen

Ein Trennsystem braucht zwei Leitungsnetze, was Bau und Unterhalt aufwendiger macht. Auf jeder Liegenschaft müssen zwei Leitungsstränge geplant, gebaut und gepflegt werden. In engen Strassen und bestehenden Quartieren ist ein nachträglicher Umbau entsprechend aufwendig.

Die grösste Schwachstelle sind Fehlanschlüsse. Ist ein Schmutzwasserablauf an die Meteorwasserleitung angeschlossen, fliesst ungereinigtes Abwasser direkt in einen Bach oder See. Ist umgekehrt ein Dach an den Schmutzwasserkanal angeschlossen, verliert das System einen Teil seines Nutzens. Zudem kann verschmutztes Strassenwasser je nach Belastung eine Behandlung brauchen, bevor es ins Gewässer gelangt.

Fehlanschlüsse finden und beheben

Fehlanschlüsse entstehen meist bei Umbauten: eine neue Waschküche, ein zusätzliches WC im Keller oder ein Garagenablauf werden an die nächstgelegene Leitung angeschlossen, ohne zu prüfen, welche es ist. Von aussen ist das nicht zu erkennen, und oft bleibt der Fehler jahrelang unentdeckt.

Zur Kontrolle werden die Leitungen mit der Kamera befahren und ihr Verlauf mit einer Ortungssonde nachgewiesen. Farbversuche zeigen, in welchem Schacht das Wasser eines bestimmten Ablaufs ankommt, und eine Nebelprüfung macht verborgene Verbindungen sichtbar. Viele Gemeinden führen im Rahmen des GEP systematische Kontrollen durch und verlangen die Korrektur von Fehlanschlüssen.

Unterhalt im Trennsystem

Beide Leitungen brauchen Pflege, aber aus unterschiedlichen Gründen. In der Schmutzwasserleitung lagern sich Fett, Papier und Feststoffe ab. In der Meteorwasserleitung sind es Sand, Laub und Wurzeln, die oft unterschätzt werden, weil man sie für eine «saubere» Leitung hält.

Eine Kanalreinigung mit Hochdruck und eine anschliessende Kamera-Inspektion beider Stränge gehören deshalb zum regelmässigen Unterhalt. Dabei lässt sich gleich mitprüfen, ob Leitungen dicht sind. Undichte Schmutzwasserleitungen gefährden Boden und Grundwasser, undichte Meteorwasserleitungen nehmen Fremdwasser auf.

Beispiel aus der Praxis

Beim Verkauf eines Einfamilienhauses in Rapperswil-Jona verlangte die Käuferschaft einen Nachweis über den Zustand der Entwässerung. Die Gemeinde ist im Trennsystem erschlossen. Karo befuhr Schmutz- und Meteorwasserleitung mit der Kamera und führte Farbversuche an allen Abläufen durch. Dabei zeigte sich, dass der Ablauf eines nachträglich eingebauten Waschtrogs in der Garage an der Meteorwasserleitung hing und die Dachwasserleitung der Garage umgekehrt in den Schmutzwasserkanal mündete – zwei Fehlanschlüsse. Ein Sanitär korrigierte die Anschlüsse, und Karo dokumentierte den Endzustand mit Bildern und Plan.

Häufige Fragen zu Trennsystem

Was ist der Unterschied zwischen Trennsystem und Mischsystem?+

Im Trennsystem fliessen Schmutzwasser und Meteorwasser in zwei getrennten Kanälen; das Schmutzwasser geht zur Kläranlage, das Regenwasser in ein Gewässer oder die Versickerung. Im Mischsystem fliessen beide gemeinsam in einem Kanal zur Kläranlage.

Wie finde ich heraus, ob meine Leitungen richtig angeschlossen sind?+

Mit einer Kamerabefahrung, einer Leitungsortung und Farbversuchen lässt sich nachweisen, welcher Ablauf in welche Leitung führt. Der Entwässerungsplan der Liegenschaft ist ein guter Ausgangspunkt, stimmt aber nach Umbauten nicht immer mit der Wirklichkeit überein.

Was passiert bei einem Fehlanschluss?+

Ist Schmutzwasser an die Meteorwasserleitung angeschlossen, gelangt ungereinigtes Abwasser direkt in ein Gewässer. Das ist ein Verstoss gegen den Gewässerschutz, und die Gemeinde kann die Behebung verlangen. Umgekehrt belastet Regenwasser im Schmutzwasserkanal die Kläranlage.

Braucht es im Trennsystem zwei Kontrollschächte?+

In der Regel ja. Weil Schmutz- und Meteorwasser getrennt geführt werden, hat jede Leitung ihre eigenen Schächte und Anschlüsse. So lassen sich beide Stränge unabhängig reinigen, inspizieren und prüfen.

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