Was ist ein Geruchsverschluss?
Ein Geruchsverschluss ist ein Bauteil, das zwischen Ablauf und Abwasserleitung eine Wassersperre bildet. Das Wasser, das nach jeder Benutzung im Bogen zurückbleibt, wirkt wie ein Pfropfen: Luft und Gase aus der Kanalisation können nicht hindurch, Abwasser aber fliesst bei jeder Benutzung ungehindert ab und erneuert die Sperre gleich mit.
In der Schweiz spricht man meist vom Siphon. Fachlich unterscheidet man verschiedene Bauformen, die alle auf demselben Prinzip beruhen. Entscheidend ist die Sperrwasserhöhe – also wie hoch das Wasser im Bogen steht. Ist sie zu gering, kann der Verschluss schon bei kleinen Druckschwankungen in der Leitung versagen.
Bauformen: Röhren-, Flaschen- und Bodensiphon
Unter Lavabos und Spülbecken sitzen meist Flaschensiphons mit einem abschraubbaren Becher oder Röhrensiphons in U- oder S-Form. Flaschensiphons sind platzsparend und einfach zu reinigen, sammeln aber Schmutz im Becher. Röhrensiphons spülen sich besser selbst, brauchen jedoch mehr Platz.
WCs haben den Geruchsverschluss bereits in der Keramik eingebaut. Duschen, Badewannen und Bodenabläufe besitzen eigene Siphons, oft mit herausnehmbarem Einsatz. Für selten genutzte Abläufe gibt es Varianten mit zusätzlicher mechanischer Klappe oder Membran, die das Austrocknen ausgleichen sollen.
Warum der Siphon leer wird
Die häufigste Ursache ist das Austrocknen. In Gästebädern, Kellerabläufen oder Ferienwohnungen, die wochenlang nicht benutzt werden, verdunstet das Sperrwasser langsam. Abhilfe ist einfach: regelmässig etwas Wasser nachgiessen oder einen Bodenablauf mit Trockensperre einbauen.
Ein zweiter Grund ist das Leersaugen. Fliesst in einem Fallstrang viel Wasser ab, etwa bei einer WC-Spülung im oberen Stockwerk, entsteht Unterdruck, der das Wasser aus den Siphons darunter zieht. Das passiert vor allem, wenn die Lüftungsleitung fehlt, verstopft ist oder zu klein bemessen wurde. Typisch ist ein gurgelndes Geräusch im Lavabo, wenn oben gespült wird.
Verstopfter Siphon: die häufigste Engstelle
Weil im Bogen das Wasser langsamer fliesst, setzen sich dort Haare, Seifenreste, Zahnpasta, Fett und Kalk ab. Läuft das Wasser schlecht ab oder steht es im Becken, ist oft der Siphon verstopft. Bei Flaschensiphons kann man den Becher abschrauben und reinigen; ein Kübel darunter verhindert eine Überschwemmung.
Läuft das Wasser nach der Reinigung des Siphons immer noch schlecht ab, liegt die Verstopfung tiefer in der Anschluss- oder Sammelleitung. Dann helfen eine Rohrreinigungsspirale oder eine Hochdruckspülung durch die Fachperson. Chemische Abflussreiniger sind keine gute Idee: Sie greifen Dichtungen und Rohre an und lösen tiefer liegende Ablagerungen selten.
Normen und richtige Installation
Die Anforderungen an Geruchsverschlüsse und deren Lüftung regelt für Gebäude die Normenreihe SN EN 12056, ergänzt in der Schweiz durch die SN 592 000. Dazu gehören eine ausreichende Sperrwasserhöhe und ein Leitungssystem, das so belüftet ist, dass die Verschlüsse weder leer gesaugt noch herausgedrückt werden.
Bei Umbauten sind Fehler häufig: Doppelte Siphons hintereinander bremsen den Abfluss, zu lange Anschlussleitungen ohne Lüftung saugen den Verschluss leer, nachträglich eingebaute Geräte werden ohne eigenen Siphon angeschlossen. Wer an der Sanitärinstallation etwas ändert, sollte den Geruchsverschluss immer mitdenken.
In einem Altbau in Luzern roch es im Badezimmer immer abends nach Kanal, tagsüber kaum. Der Siphon unter dem Lavabo war voll, sauber und dicht. Erst die genaue Beobachtung brachte die Lösung: Wenn die Nachbarn oben abends duschten und das WC spülten, gurgelte das Lavabo. Die Kamerabefahrung zeigte, dass die Lüftungsleitung des Strangs über Dach mit einem Vogelnest und Laub verstopft war. Nach der Reinigung der Lüftung blieb das Sperrwasser stehen, und der Geruch war verschwunden.

