Was ist offene Bauweise?
In der offenen Bauweise wird über der Leitung ein Graben ausgehoben, bis das Rohr freiliegt. Danach wird das schadhafte Stück herausgenommen und durch ein neues Rohr ersetzt, oder die Leitung wird auf ganzer Länge neu verlegt. Zum Schluss wird der Graben lagenweise verfüllt, verdichtet und die Oberfläche wiederhergestellt.
Lange Zeit war das die einzige Möglichkeit, Kanäle zu reparieren. Heute werden viele Schäden grabenlos von innen saniert. Die offene Bauweise hat trotzdem ihren festen Platz: Sie ist das Verfahren, mit dem sich der Verlauf, die Höhe und der Durchmesser einer Leitung tatsächlich verändern lassen – etwas, das kein Inliner kann.
Wann die offene Bauweise nötig ist
Ist ein Rohr eingestürzt oder so stark verformt, dass weder Kamera noch Liner durchkommen, bleibt meist nur der Ersatz. Dasselbe gilt für Senken und Gegengefälle: Ein Inliner folgt dem bestehenden Rohr und übernimmt dessen Fehler. Um das Gefälle zu korrigieren, muss die Leitung neu gebettet werden.
Weitere Gründe sind ein zu kleiner Querschnitt, etwa wenn mehr Wohnungen angeschlossen werden, eine Umlegung der Leitung bei einem Anbau oder das Umschliessen von Fehlanschlüssen im Trennsystem. Auch neue Schächte, Abscheider oder Versickerungsanlagen entstehen in offener Bauweise. Bei Neubauten ist sie ohnehin der Normalfall.
Ablauf einer Sanierung in offener Bauweise
Am Anfang steht eine Kamerabefahrung mit Leitungsortung, damit genau bekannt ist, wo und wie tief gegraben werden muss. Vor dem Aushub werden die Werkleitungspläne eingeholt und bei Bedarf Bewilligungen beantragt, etwa wenn öffentlicher Grund betroffen ist. Dann wird der Graben ausgehoben und je nach Tiefe gesichert.
Das neue Rohr wird auf eine sorgfältig vorbereitete Bettung gelegt, mit korrektem Gefälle verlegt und seitlich eingebettet. Die Anforderungen an Bettung, Verlegung und Prüfung beschreibt die Norm SN EN 1610; für Liegenschaftsentwässerungen gelten zusätzlich die Vorgaben der SN 592 000. Vor dem Eindecken wird die Leitung in der Regel einer Dichtheitsprüfung unterzogen.
Offen oder grabenlos: der Vergleich
Grabenlose Verfahren wie Schlauchliner, Kurzliner oder Sprayliner sanieren die Leitung von innen. Sie sind meist schneller, verursachen weniger Lärm und Schmutz und lassen Gärten, Beläge und Böden unberührt. Für Risse, undichte Muffen, eingewachsene Wurzeln oder Korrosion sind sie deshalb häufig die erste Wahl.
Die offene Bauweise ist aufwendiger, weil Aushub, Abtransport, Verfüllung und Wiederherstellung der Oberfläche dazukommen. Dafür ist sie unabhängig vom Zustand des alten Rohrs und erlaubt jede Änderung von Lage, Höhe und Durchmesser. Welches Verfahren passt, entscheidet der Befund – oft ist auch eine Kombination sinnvoll: grabenlos auf langen Strecken, offen an einer einzelnen Problemstelle.
Worauf Eigentümer achten sollten
Bei Arbeiten in offener Bauweise ist eine gute Planung entscheidend. Dazu gehören die Klärung, ob Bäume, Mauern oder andere Leitungen im Weg sind, die Absprache mit Nachbarn bei gemeinsamen Leitungen und die Frage, ob die Gemeinde eine Bewilligung oder eine Abnahme verlangt. Bei älteren Gebäuden ist zu prüfen, ob die alten Rohre asbesthaltig sind.
Karo Kanaltechnik führt Baumeisterarbeiten für Abwasserleitungen selbst aus – von der Ortung über den Aushub und die Rohrverlegung bis zur Dichtheitsprüfung und Wiederherstellung der Oberfläche. So bleibt die Verantwortung in einer Hand, und grabenlose und offene Abschnitte lassen sich sauber aufeinander abstimmen.
Bei einem Einfamilienhaus in Frauenfeld war die Grundleitung unter dem Vorplatz auf etwa einem Meter eingestürzt; Abwasser staute sich regelmässig in den Keller zurück. Die Kamera kam nicht über die Bruchstelle hinaus, ein Inliner war deshalb nicht möglich. Nach der Leitungsortung öffnete das Team von Karo Kanaltechnik nur einen kurzen Graben über der Schadstelle, ersetzte das gebrochene Stück durch ein neues Rohr auf frischer Bettung und prüfte die Leitung auf Dichtheit. Der restliche Abschnitt war intakt und blieb unberührt.

