GlossarFachbegriff Kanaltechnik

Berstlining

Auch: Berstverfahren, Pipe Bursting, Berstlining-Verfahren

Berstlining ist eine Methode, eine bestehende Leitung im Boden durch eine neue zu ersetzen, ohne sie auf ganzer Länge freizulegen. Ein Berstkopf bricht das alte Rohr auf, verdrängt die Scherben ins Erdreich und zieht das neue Rohr direkt hinter sich her. So entsteht eine vollständig neue Leitung, oft sogar mit grösserem Durchmesser.

Grabenlose Erneuerung einer Abwasserleitung ohne Bagger, wie beim Berstlining

Kurz erklärt

Berstlining ist ein grabenloses Erneuerungsverfahren: Ein Berstkopf wird von einer Grube zur anderen durch das alte Rohr gezogen, zerbricht es und drückt die Bruchstücke ins Erdreich. Dahinter wird gleichzeitig ein neues Rohr eingezogen, meist aus Polyethylen. Es eignet sich für stark beschädigte Leitungen und wenn der Querschnitt vergrössert werden soll.

Was ist Berstlining?

Beim Berstlining wird eine alte Leitung nicht repariert, sondern in derselben Trasse durch ein neues Rohr ersetzt. Im Unterschied zum Inliner, der eine neue Innenhaut im alten Rohr bildet, wird das alte Rohr dabei zerstört. Das Verfahren zählt deshalb zu den grabenlosen Erneuerungsverfahren und nicht zu den Renovierungsverfahren.

Der Name kommt vom Bersten des Altrohrs. Im englischen Sprachraum spricht man von «Pipe Bursting». Eingesetzt wird es bei Abwasserleitungen ebenso wie bei Wasser- und Gasleitungen.

So funktioniert das Verfahren

Zuerst werden eine Start- und eine Zielgrube ausgehoben, oft lassen sich bestehende Schächte nutzen. Von der Zielgrube aus wird ein Zugstrang, etwa ein Gestänge oder Seil, durch die alte Leitung bis zur Startgrube geschoben. Dort wird der Berstkopf angehängt, an dem das neue Rohr befestigt ist.

Eine Zugmaschine zieht den Berstkopf durch das Altrohr. Messer oder Rollen am Kopf brechen das Rohr auf, ein Aufweitkonus drückt die Scherben nach aussen ins Erdreich und schafft Platz für das neue Rohr, das unmittelbar nachgezogen wird. Bei sprödem Material wie Steinzeug, Beton oder Faserzement arbeitet man mit statischem Zug, bei manchen Systemen unterstützen Schläge den Vortrieb. Am Schluss werden die Hausanschlüsse wieder angebunden und die Leitung auf Dichtheit geprüft.

Wann eignet sich Berstlining?

Berstlining spielt seine Stärken aus, wenn eine Leitung für eine Renovierung zu stark beschädigt ist: bei Scherbenbildung, starken Verformungen oder vielen Brüchen. Auch wenn der Querschnitt zu klein geworden ist, etwa weil mehr Abwasser anfällt oder das Rohr nicht mehr den heutigen Anforderungen entspricht, ist es eine gute Wahl, denn das neue Rohr darf grösser sein als das alte.

Weitere Vorteile sind die geringe Oberflächenbeeinträchtigung und das neue, fugenarme Rohr mit voller Tragfähigkeit. Gegenüber einem offenen Graben sind Gärten, Zufahrten, Bäume und Strassen weitgehend geschützt, und die Bauzeit ist meist kürzer.

Grenzen des Verfahrens

Beim Bersten wird Erdreich verdrängt. Liegen andere Werkleitungen, Fundamente oder empfindliche Bauteile sehr nahe, können sie beschädigt werden. Vor dem Einsatz müssen darum alle Leitungen im Umfeld bekannt sein, etwa über den Leitungskataster und eine Leitungsortung.

Schwierig wird es bei vielen Bögen, bei stark wechselndem Gefälle und bei felsigem Untergrund. Da das neue Rohr dem Verlauf des alten folgt, lassen sich Gefällefehler damit nicht korrigieren. Ausserdem braucht jede seitliche Anschlussleitung eine kleine Grube, um sie an das neue Rohr anzuschliessen. Bei Leitungen mit sehr vielen Anschlüssen kann ein Inliner deshalb wirtschaftlicher sein.

Berstlining, Inliner oder offene Bauweise?

Welches Verfahren richtig ist, hängt vom Zustand der Leitung, vom Durchmesser, von der Umgebung und von den Anschlüssen ab. Ist das Rohr noch tragfähig genug und der Querschnitt ausreichend, ist ein Schlauchliner meist die schonendste Lösung. Ist es zu stark beschädigt oder zu klein, kommt Berstlining in Frage. Nur wenn auch das ausscheidet, etwa bei falschem Gefälle, bleibt die offene Bauweise.

Grundlage für den Entscheid ist eine Kanal-TV-Inspektion mit Zustandsbewertung. Erfahrene Fachleute vergleichen die Verfahren und zeigen Vor- und Nachteile für die konkrete Situation auf.

Beispiel aus der Praxis

Bei einem Bauernhaus im Emmental war die alte Zementleitung zwischen Haus und Kontrollschacht auf ganzer Länge gebrochen und zudem zu klein für den geplanten Ausbau mit zwei zusätzlichen Wohnungen. Ein Inliner hätte den Querschnitt weiter verkleinert. Stattdessen wurde die Leitung per Berstlining erneuert: Von einer kleinen Grube beim Haus aus zog die Maschine ein grösseres Polyethylenrohr in die alte Trasse ein. Der Obstgarten über der Leitung blieb unberührt.

Häufige Fragen zu Berstlining

Was ist der Unterschied zwischen Berstlining und Inliner?+

Beim Inliner bleibt das alte Rohr erhalten und erhält eine neue Innenhaut. Beim Berstlining wird das alte Rohr zerbrochen und durch ein neues ersetzt. Berstlining eignet sich für stark beschädigte oder zu kleine Leitungen.

Kann beim Berstlining der Durchmesser vergrössert werden?+

Ja, das ist einer der grossen Vorteile. Das neue Rohr kann gleich gross oder grösser sein als das alte, weil der Berstkopf das Erdreich aufweitet.

Braucht es beim Berstlining trotzdem Gruben?+

Ja, eine Start- und eine Zielgrube, oft können bestehende Schächte genutzt werden. Zudem braucht jede seitliche Anschlussleitung eine kleine Grube für die Wiederanbindung.

Ist Berstlining überall möglich?+

Nein. Andere Leitungen oder Fundamente in unmittelbarer Nähe, viele Bögen, felsiger Untergrund oder falsches Gefälle schliessen das Verfahren aus. Eine Inspektion und eine Leitungsortung klären die Machbarkeit.

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