Was bedeutet Retention in der Entwässerung?
Fällt Regen auf Dächer, Strassen und Parkplätze, fliesst er viel schneller ab als auf Wiese oder Wald. Ohne Gegenmassnahme erreichen grosse Wassermengen in kurzer Zeit die Kanalisation, die dafür nicht überall ausgelegt ist. Die Folgen sind Rückstau, überflutete Keller und bei Mischsystemen Entlastungen von ungereinigtem Abwasser in die Gewässer.
Retention bricht diese Abflussspitze. Das Wasser wird in einem Speicher gesammelt und über eine Drossel nur in der Menge weitergegeben, die das nachfolgende Netz verkraftet. Nach dem Regen leert sich der Speicher allmählich, bis er für das nächste Ereignis wieder bereit ist.
Bauformen von Retentionsanlagen
Auf Liegenschaften verbreitet sind unterirdische Retentionsbecken aus Beton oder Kunststoff, vergrösserte Schächte mit Drosselorgan und Stauraumleitungen mit grossem Durchmesser, die gleichzeitig als Speicher dienen. Oberirdisch kommen Mulden, flache Senken auf Grünflächen oder Parkplätzen sowie begrünte Retentionsdächer zum Einsatz.
Oft wird Retention mit Versickerung kombiniert: Ein Teil des Wassers versickert, der Rest fliesst gedrosselt ab. In grösserem Massstab betreiben Gemeinden Regenbecken und Stauraumkanäle im öffentlichen Netz. Für die Liegenschaft massgebend ist jedoch die eigene Anlage, die der Eigentümer unterhalten muss.
Wann verlangt die Gemeinde eine Retention?
Ob und in welchem Umfang Retention nötig ist, ergibt sich aus dem Generellen Entwässerungsplan und dem Abwasserreglement. Häufig legt die Gemeinde eine maximal zulässige Einleitmenge fest, die eine Parzelle bei Regen an Kanalisation oder Gewässer abgeben darf. Was darüber hinausgeht, muss auf dem Grundstück zurückgehalten werden.
Bemessung und Ausführung richten sich nach der VSA-Richtlinie «Abwasserbewirtschaftung bei Regenwetter» und der SN 592 000. Die konkreten Werte sind lokal verschieden; der Planer erhält sie vom Bauamt. Mit dem Klimawandel und häufigeren Starkregen legen viele Gemeinden mehr Gewicht auf Rückhalt und Schwammstadt-Massnahmen.
Die Drossel: kleines Bauteil, grosse Wirkung
Herzstück jeder Retentionsanlage ist das Drosselorgan – eine Blende, ein Wirbeldrossel oder ein Schieber, der den Abfluss begrenzt. Ist die Drossel verstopft, läuft der Speicher voll und schliesslich über, obwohl die Anlage gross genug wäre. Ist sie entfernt oder manipuliert, verliert die Anlage ihre Wirkung, und das Netz erhält wieder die volle Spitze.
Weil Drosseln kleine Öffnungen haben, setzen sich Laub, Sand und Abfall gern davor fest. Ein vorgeschalteter Schlammsammler und regelmässige Kontrollen sind darum entscheidend. Nach jedem grossen Unwetter lohnt sich ein Blick in den Drosselschacht.
Reinigung und Unterhalt
Retentionsbecken und Speicherschächte sammeln mit jedem Regen Sedimente. Mit der Zeit verringert sich so das nutzbare Volumen, und es entstehen Gerüche. Ein Spül- und Saugfahrzeug entfernt den Schlamm, die Zu- und Ableitungen werden mit Hochdruck gespült und bei Bedarf per Kamera geprüft.
Sinnvoll ist ein fester Unterhaltsplan mit Kontrollen von Drossel, Notüberlauf, Einlauf und Schlammsammler. Gerade bei Stockwerkeigentum oder Gewerbeliegenschaften geht die Anlage sonst schnell vergessen, bis der erste Starkregen die Tiefgarage flutet.
Eine Wohnüberbauung in Dübendorf verfügte über ein unterirdisches Retentionsbecken unter dem Spielplatz. Bei einem Sommergewitter stand plötzlich Wasser in der Tiefgaragenzufahrt. Die Kontrolle ergab, dass sich vor der Drosselblende ein Pfropfen aus Laub und Kies gebildet hatte; das Becken war voll und der Notüberlauf staute zurück. Das Team saugte Becken und Schlammsammler ab, spülte die Drossel frei und prüfte die Ableitung per Kamera. Die Verwaltung hat die Kontrolle seither in den jährlichen Unterhaltsplan aufgenommen.

