Was ist ein Schlammsammler?
Ein Schlammsammler ist ein Einlaufschacht, dessen Boden deutlich tiefer liegt als der Ablauf. Das zufliessende Wasser verliert im Schacht an Geschwindigkeit, sodass schwere Bestandteile wie Sand, Splitt und Erde zu Boden sinken. Leichteres Material wie Laub wird je nach Bauart von einem Eimer, Gitter oder Tauchbogen zurückgehalten.
Der Begriff ist in der Schweiz weit verbreitet und steht für ein wichtiges Bauteil der Liegenschaftsentwässerung. Schlammsammler findet man bei Platz- und Hofabläufen, bei Garageneinfahrten, am Fuss von Dachwasserleitungen und vor Versickerungsanlagen. Sie sind sozusagen der Vorfilter der Entwässerung.
So funktioniert ein Schlammsammler
Das Wasser tritt oben durch einen Rost oder über eine Zulaufleitung in den Schacht ein. Im beruhigten Wasserkörper setzen sich die Feststoffe im Schlammraum ab. Der Ablauf liegt seitlich weiter oben, oft mit einem nach unten gebogenen Tauchrohr. Dieses Tauchrohr hält Schwimmstoffe zurück und bildet einen Wasserverschluss, der Gerüche aus dem Kanal zurückhält.
Weil der Schlammraum ständig Wasser enthält, funktioniert der Schlammsammler nur, solange genügend Platz für neue Ablagerungen vorhanden ist. Ist er voll, reisst die Strömung den Schlamm mit in die Leitung. Dann verliert der Schacht seine Schutzwirkung, und die Ablagerungen landen genau dort, wo sie am meisten Schaden anrichten.
Warum Schlammsammler regelmässig geleert werden müssen
Ein voller Schlammsammler führt zu Folgeschäden: Sand und Kies lagern sich in der Grundleitung ab und verengen den Querschnitt, Laub verfault und verursacht Geruch, und bei Regen staut das Wasser auf dem Platz oder in der Garageneinfahrt. Bei Versickerungsanlagen verstopfen die Feinanteile den Untergrund, sodass die Anlage kaum noch Wasser aufnimmt.
Wie oft geleert werden muss, hängt vom Standort ab. Unter Bäumen, an Strassen mit Streusplitt oder bei unbefestigten Flächen füllt sich der Schlammraum schneller als bei einem Dachablauf. Fachleute empfehlen meist eine jährliche Kontrolle, idealerweise nach dem Laubfall im Herbst, und eine Leerung nach Bedarf.
Wie wird ein Schlammsammler gereinigt?
Die Reinigung erfolgt mit einem Saugwagen oder einer Spül-Saug-Kombination. Zuerst wird der Rost oder Deckel entfernt und ein allfälliger Laubeimer geleert. Dann saugt das Team Wasser und Schlamm aus dem Sammelraum ab, löst festsitzende Ablagerungen mit dem Hochdruckstrahl und spült die Ablaufleitung bis zum nächsten Schacht.
Bei dieser Gelegenheit wird auch der bauliche Zustand geprüft: Sind Tauchbogen und Rost vorhanden und intakt, ist der Schacht dicht, sind Wurzeln eingewachsen? Das abgesaugte Material wird fachgerecht entsorgt. Der ganze Vorgang dauert pro Schacht meist nur kurz, besonders wenn mehrere Schächte einer Liegenschaft in einem Einsatz gereinigt werden.
Schlammsammler, Kontrollschacht und Abscheider – die Unterschiede
Ein Kontrollschacht dient dem Zugang zur Leitung und hat ein durchgehendes Gerinne, in dem nichts liegen bleiben soll. Der Schlammsammler dagegen ist absichtlich so gebaut, dass sich Material ansammelt. Abscheider wie Öl- oder Fettabscheider gehen noch weiter: Sie trennen bestimmte Stoffe gezielt ab und unterliegen eigenen Normen und Wartungspflichten.
In der Praxis sind die Bauteile oft kombiniert, etwa ein Schlammfang vor einem Mineralölabscheider. Für Eigentümer ist wichtig zu wissen, welche Schächte auf dem Grundstück welche Aufgabe haben. Der Entwässerungsplan gibt darüber Auskunft und hilft, einen passenden Reinigungsplan festzulegen.
Bei einer Wohnüberbauung in Uster stand nach jedem stärkeren Regen eine grosse Pfütze vor der Tiefgarageneinfahrt. Die Kontrolle zeigte, dass die drei Schlammsammler der Zufahrt bis knapp unter den Rost mit Sand, Splitt und Laub gefüllt waren und das Material bereits in die Leitung gelangte. Karo saugte die Schächte leer, spülte die Ableitung bis zum Kontrollschacht und vereinbarte mit der Verwaltung eine jährliche Leerung im November. Seither fliesst das Wasser wieder sofort ab.

