Was ist eine Versickerungsanlage?
Eine Versickerungsanlage ist ein Bauwerk, das Meteorwasser – also Regen- und Schmelzwasser – sammelt und langsam in den Boden versickern lässt. Statt über Leitungen und Kläranlage in ein Gewässer zu gelangen, ergänzt das Wasser direkt das Grundwasser. Gleichzeitig wird die Kanalisation bei Starkregen weniger belastet.
Versickert werden darf nur Wasser, das nicht oder nur gering verschmutzt ist. Schmutzwasser aus Küche, Bad oder WC gehört nie in eine Versickerungsanlage. Auch Platzwasser von stark befahrenen Flächen oder Werkplätzen braucht oft eine Vorbehandlung oder muss in die Kanalisation geleitet werden.
Welche Arten von Versickerungsanlagen gibt es?
Die bevorzugte Form ist die Versickerung über eine belebte, bewachsene Bodenschicht, etwa in einer flachen Mulde im Garten. Der Oberboden hält Schadstoffe zurück, bevor das Wasser tiefer gelangt. Wo der Platz fehlt, kommen unterirdische Rigolen aus Kies oder Kunststoffelementen zum Einsatz, die das Wasser zwischenspeichern und verteilt abgeben.
Eine weitere Bauform ist der Sickerschacht, ein Schacht mit durchlässigem Boden oder perforierter Wand, der Wasser punktuell in tiefere Schichten leitet. Weil dabei die reinigende Bodenschicht umgangen wird, sind Sickerschächte vielerorts nur noch eingeschränkt zulässig. Nicht zu verwechseln ist die moderne Versickerungsanlage mit der alten Sickergrube für Abwasser.
Vorgaben und Bewilligung in der Schweiz
Grundlage ist das Gewässerschutzgesetz, das unverschmutztes Abwasser wenn möglich versickern lassen will. Die Kantone konkretisieren das mit Gewässerschutzkarten und Merkblättern, die Gemeinden im Generellen Entwässerungsplan mit einer Versickerungskarte. Daraus geht hervor, ob eine Parzelle versickerungsfähig ist und welche Anlagentypen erlaubt sind.
Für die Planung stützen sich Fachleute auf die VSA-Richtlinie «Abwasserbewirtschaftung bei Regenwetter» und die SN 592 000. In Grundwasserschutzzonen oder bei belasteten Standorten gelten strengere Regeln oder Verbote. Eine Versickerungsanlage braucht in der Regel eine Bewilligung, oft im Rahmen der Baubewilligung.
Typische Probleme: Verschlammung und Rückstau
Der häufigste Mangel ist die Kolmation, also die allmähliche Verstopfung der Poren durch Feinmaterial, Laub, Moos und Dachabrieb. Die Anlage nimmt dann immer weniger Wasser auf, bei Starkregen staut es zurück, der Garten steht unter Wasser oder Dachrinnen laufen über. Eine verschlammte Anlage lässt sich oft durch Absaugen und Spülen wieder in Gang bringen.
Vorbeugend wirkt ein vorgeschalteter Schlammsammler oder Filterschacht, der Sand und Schwebstoffe zurückhält. Diese Vorreinigung muss regelmässig geleert werden. Auch die Zuleitungen sollten frei sein: Wurzeln und Ablagerungen in der Meteorleitung führen dazu, dass das Wasser gar nicht erst bei der Anlage ankommt.
Unterhalt einer Versickerungsanlage
Zum Unterhalt gehören die Kontrolle nach starken Niederschlägen, das Leeren von Schlammsammlern und Vorfiltern, das Spülen der Zuleitungen und bei Sickerschächten das Absaugen des Bodenschlamms. Bei Mulden ist die Pflege der Vegetation wichtig; Laub und Schnittgut sollten nicht liegen bleiben.
Bei Unsicherheit über Lage und Zustand hilft eine Kamerabefahrung der Zuleitungen. Sie zeigt, ob Leitungen eingewachsen, verschoben oder verschlammt sind, und ob Fehlanschlüsse vorliegen, etwa ein Waschplatz oder Garagenablauf, der fälschlicherweise in die Versickerung entwässert.
Bei einem Einfamilienhaus in Lyss lief bei jedem Gewitter die Dachrinne über, obwohl das Fallrohr frei war. Die Kamerabefahrung zeigte, dass die Meteorleitung zum Sickerschacht im Garten intakt war, der Schacht selbst aber fast bis zum Einlauf mit Feinschlamm und Laubresten gefüllt war. Ein Vorfilter fehlte. Das Team saugte den Schacht ab, spülte die Zuleitung und empfahl einen Schlammsammler vor dem Schacht. Seither versickert das Wasser wieder zuverlässig.

