Was ist Thermografie bei der Leckortung?
Thermografie ist die berührungslose Messung von Oberflächentemperaturen mit einer Infrarot- oder Wärmebildkamera. Jeder Körper strahlt abhängig von seiner Temperatur Wärmestrahlung ab, die für das menschliche Auge unsichtbar ist. Die Kamera fängt diese Strahlung ein und rechnet sie in ein Falschfarbenbild um: warme Bereiche erscheinen typischerweise gelb, orange oder weiss, kühle Bereiche blau oder violett.
Bei der Leckortung nutzt man diesen Effekt gezielt. Fliesst warmes Wasser durch eine Leitung, erwärmt es das umliegende Material – den Unterlagsboden, den Verputz oder die Fliesen. Tritt das Wasser an einer undichten Stelle aus, breitet sich die Wärme dort flächig aus. Auf dem Wärmebild erscheint dann ein typischer warmer Fleck, der sich von der schmalen, linienförmigen Wärmespur der intakten Leitung deutlich unterscheidet.
Thermografie ist damit eines von mehreren Verfahren der Leckortung. Karo Kanaltechnik setzt sie neben der akustischen Ortung mit Bodenmikrofon und Korrelator, dem Tracergas-Verfahren und der Kanal-TV-Inspektion ein. Sie wird selten allein verwendet, sondern meist als schneller erster Überblick, der den Suchbereich eingrenzt.
So funktioniert das Wärmebild
Eine Wärmebildkamera misst nur die Oberfläche, nicht das Innere einer Wand oder eines Bodens. Was sie zeigt, ist die Wärme, die von der Leitung durch das Material bis an die Oberfläche gewandert ist. Entscheidend ist darum der Temperaturunterschied: Je deutlicher sich die Leitung oder das ausgetretene Wasser von der Umgebung abhebt, desto klarer wird das Bild.
Damit dieser Kontrast entsteht, wird das betroffene System vor der Messung bewusst aufgeheizt – etwa indem die Heizung hochgeregelt, eine Fussbodenheizung länger in Betrieb genommen oder Warmwasser über eine gewisse Zeit gezapft wird. Die Wärme braucht je nach Aufbau einige Zeit, bis sie durch Unterlagsboden und Belag an die Oberfläche dringt. Eine dünne Fliese leitet die Wärme schneller weiter als ein dicker Parkett- oder Teppichaufbau.
Wichtig ist auch der Emissionsgrad der Oberfläche. Matte Materialien wie Verputz, Beton oder Fliesen lassen sich gut messen. Glänzende Oberflächen wie Chromstahl, blankes Kupfer oder Glas spiegeln dagegen die Wärme der Umgebung und können ein falsches Bild liefern. Eine erfahrene Fachperson berücksichtigt diese Einflüsse bei der Auswertung und deutet nicht jeden Farbfleck als Leck.
Wann Thermografie bei Leitungen gut funktioniert
Am stärksten ist die Thermografie bei Leitungen, die warmes Wasser führen. Dazu gehören Warmwasserleitungen und Zirkulationsleitungen in Bad und Küche, Heizungsleitungen zu den Radiatoren und vor allem Fussbodenheizungen. Weil diese Leitungen deutlich wärmer sind als der Raum, zeichnen sie sich im Wärmebild klar ab.
Bei einer Fussbodenheizung macht das Wärmebild die Heizschlangen im Unterlagsboden sichtbar. Ein Leck zeigt sich als warme Zone, die nicht dem regelmässigen Muster der Heizrohre folgt. Ein typisches Anzeichen für ein solches Leck ist ein Heizungssystem, das immer wieder Wasser nachgefüllt braucht, weil der Druck sinkt.
Thermografie eignet sich ausserdem für die Leitungsortung: Wer vor einer Renovation wissen will, wo Heizungs- oder Warmwasserleitungen im Boden oder in der Wand verlaufen, kann deren Verlauf mit der Wärmebildkamera nachzeichnen. So lassen sich Bohrungen und Schlitze setzen, ohne eine Leitung zu treffen. Auch die Ausbreitung von Feuchtigkeit nach einem Wasserschaden lässt sich mit dem Wärmebild grob kartieren, weil nasse Flächen durch Verdunstung meist kühler sind als trockene.
Wann Thermografie nicht weiterhilft
Ohne Temperaturunterschied gibt es kein aussagekräftiges Wärmebild. Kaltwasserleitungen haben oft nahezu die gleiche Temperatur wie die Wand, in der sie liegen. Ein Leck in einer Kaltwasserleitung ist darum thermografisch nur indirekt erkennbar, etwa über die Verdunstungskälte einer durchfeuchteten Fläche – und auch das nur, wenn die Nässe bis an die Oberfläche reicht.
Bei Abwasserleitungen stösst das Verfahren meist an seine Grenzen. Abwasser fliesst nur zeitweise und kühlt in der Leitung rasch ab; Grundleitungen liegen zudem unter der Bodenplatte oder im Erdreich, wo die Wärme die Oberfläche kaum erreicht. Für undichte Abwasserleitungen sind die Kanal-TV-Inspektion, die Dichtheitsprüfung mit Luft oder Wasser (Prüfverfahren nach SN EN 1610) oder eine Nebelprüfung die zuverlässigeren Wege.
Auch tief liegende Leitungen, dicke Bodenaufbauten, Dämmschichten, Teppiche oder Möbel, die über längere Zeit auf dem Boden standen, verfälschen oder verschleiern das Bild. Gleiches gilt für äussere Einflüsse wie direkte Sonneneinstrahlung, Luftzug, eine Bodenheizung, die gleichzeitig andere Zonen erwärmt, oder frisch gewischte Böden. In solchen Fällen ist ein zweites Verfahren unverzichtbar.
Kombination mit Akustik, Tracergas und Kamera
In der Praxis ist Thermografie selten das einzige Werkzeug. Häufig grenzt das Wärmebild den Bereich auf wenige Quadratmeter ein, und ein zweites Verfahren bestätigt die genaue Stelle. Erst diese Kombination erlaubt es, nur dort zu öffnen, wo das Leck tatsächlich liegt.
Bei Druckleitungen ergänzt die akustische Ortung das Wärmebild: Austretendes Wasser erzeugt ein Geräusch, das mit Bodenmikrofonen oder einem Korrelator erfasst wird. Bei kleinen oder schwer hörbaren Lecks wird Tracergas eingesetzt – meist Formiergas, ein Gemisch aus Stickstoff und einem geringen Anteil Wasserstoff. Das Gas tritt an der undichten Stelle aus und wird an der Oberfläche mit einem empfindlichen Detektor nachgewiesen.
Bei Abwasserleitungen übernimmt die Kamera die Hauptrolle. Die Kanal-TV-Inspektion zeigt Risse, Muffenversätze oder Wurzeleinwuchs direkt von innen und dokumentiert den Zustand nach SN EN 13508-2. Die Dichtheitsprüfung beantwortet anschliessend die Frage, ob ein Leitungsabschnitt dicht ist. Welche Verfahren in welcher Reihenfolge sinnvoll sind, hängt von Leitungsart, Zugänglichkeit und Schadensbild ab.
Ablauf einer thermografischen Lecksuche
Am Anfang steht die Vorabklärung: Welche Leitung ist betroffen – Warmwasser, Kaltwasser, Heizung oder Abwasser? Läuft der Wasserzähler, obwohl alle Hähne geschlossen sind? Sinkt der Druck der Heizung? Wo zeigen sich Feuchtigkeit, Flecken oder Schimmel? Vorhandene Pläne helfen, den Verlauf der Leitungen abzuschätzen.
Danach wird das System vorbereitet. Die Heizung oder das Warmwasser wird so betrieben, dass ein deutlicher Temperaturunterschied zur Umgebung entsteht, und Störquellen wie offene Fenster oder direkte Sonne werden ausgeschaltet. Möbel und Teppiche über dem Verdachtsbereich werden, wo nötig, entfernt.
Anschliessend nimmt die Fachperson zuerst Übersichtsbilder des Raums auf und geht dann in die Detailaufnahmen. Auffällige Wärmezonen werden mit einem zweiten Verfahren überprüft, die Leckstelle am Boden oder an der Wand markiert und mit Fotos und Wärmebildern dokumentiert. Bei Karo erhalten Auftraggeber nach der Ortung einen Bericht mit der Position der Leckstelle und einer Empfehlung für die Reparatur.
Erst danach wird geöffnet – und zwar nur an der markierten Stelle. Nach der Reparatur bestätigt eine erneute Druck- oder Dichtheitsprüfung, dass die Leitung wieder dicht ist.
Grenzen und typische Fehlerquellen
Ein Wärmebild ist keine Röntgenaufnahme. Es zeigt nur, was an der Oberfläche ankommt, und die Wärme verteilt sich auf dem Weg dorthin. Darum ist die warme Zone auf dem Bild oft grösser als das eigentliche Leck, und das Zentrum der Zone muss nicht exakt über der undichten Stelle liegen. Wasser kann zudem entlang von Leitungen, Dämmungen oder Schichten wandern und sich weit vom Leck entfernt zeigen.
Fehlerquellen sind Spiegelungen auf glänzenden Flächen, falsch eingestellter Emissionsgrad, unterschiedliche Bodenbeläge im selben Raum, Wärmebrücken in der Gebäudehülle und Geräte, die selbst Wärme abgeben – etwa Kühlschränke, Boiler oder Elektroverteiler. Eine verlässliche Aussage entsteht darum erst aus der Auswertung mehrerer Bilder unter kontrollierten Bedingungen und aus dem Abgleich mit einem zweiten Messverfahren.
Thermografie am Haus: Lecksuche oder Gebäudethermografie?
Wer nach «Thermografie Haus» sucht, meint häufig die Gebäudethermografie. Sie zeigt Wärmeverluste der Gebäudehülle, undichte Fenster und Wärmebrücken und wird für energetische Beurteilungen eingesetzt, meist in der kalten Jahreszeit bei grossem Unterschied zwischen Innen- und Aussentemperatur. Dafür sind Energieberaterinnen und Energieberater die richtigen Ansprechpersonen.
Die Thermografie bei der Leckortung verfolgt ein anderes Ziel: Sie sucht keine Wärmeverluste, sondern Leitungen und Wasseraustritte im Gebäudeinneren. Die Technik ist dieselbe, Vorbereitung und Auswertung unterscheiden sich aber deutlich. Geht es um eine undichte Leitung, einen sinkenden Heizungsdruck oder einen unerklärlichen Wasserschaden, ist eine Leckortung mit kombinierten Verfahren der passende Weg.
So sieht ein typischer Einsatz aus: In einem Einfamilienhaus im Zürcher Oberland muss die Heizung alle paar Wochen nachgefüllt werden, und im Wohnzimmer fühlt sich eine Stelle im Parkett ungewöhnlich warm an. Für die Lecksuche wird die Fussbodenheizung einige Stunden auf hoher Vorlauftemperatur betrieben. Das Wärmebild zeigt die regelmässigen Heizschlangen und daneben eine unförmige warme Zone, die nicht ins Muster passt. Mit Tracergas wird die Stelle bestätigt und am Boden markiert. Statt den ganzen Raum aufzuspitzen, wird nur ein kleines Stück Parkett und Unterlagsboden geöffnet, das Heizrohr repariert und die Anlage danach mit einer Druckprüfung kontrolliert.
