Was ist ein Abflusssieb?
Ein Abflusssieb ist ein gelochter oder geschlitzter Einsatz, der in oder auf die Ablauföffnung eines Sanitärobjekts gelegt wird. Wasser fliesst durch die Öffnungen ungehindert ab, grössere Bestandteile bleiben dagegen im Sieb liegen. So landet das, was später eine Verstopfung verursachen würde, nicht in der Leitung, sondern in einem kleinen Behälter, den man mit einem Handgriff leeren kann.
Abflusssiebe gibt es für alle typischen Abläufe im Haushalt: für den Duschablauf und die Duschrinne, für die Badewanne, für das Lavabo und für die Küchenspüle. Sie bestehen meist aus rostfreiem Stahl, aus Kunststoff oder aus Silikon. Manche werden einfach aufgelegt, andere sitzen in der Ablaufgarnitur oder unter dem Ablaufdeckel und sind von oben kaum sichtbar.
Wichtig ist die Abgrenzung zum Geruchsverschluss: Das Sieb hält Feststoffe zurück, der Geruchsverschluss – im Volksmund Siphon – hält mit einer Wasservorlage Kanalgase aus dem Raum fern. Beide sitzen nahe beieinander, erfüllen aber völlig verschiedene Aufgaben. Ein Sieb ersetzt keinen Geruchsverschluss, schützt ihn aber davor, sich mit Haaren und Schmutz zuzusetzen.
Warum ein Abflusssieb die einfachste Vorbeugung ist
Die meisten Verstopfungen in Bad und Küche entstehen nicht plötzlich, sondern über Wochen und Monate. In der Dusche verfangen sich Haare im Geruchsverschluss und im ersten Rohrstück. Daran bleiben Seifenreste, Hautschuppen und Kalk haften, und es bildet sich ein zäher Zopf, der den Querschnitt immer weiter verengt. In der Küche spielen Speisereste, Fett und Stärke die gleiche Rolle. Irgendwann läuft das Wasser nur noch langsam ab, dann steht es, und häufig kommt ein unangenehmer Geruch dazu.
Ein Abflusssieb unterbricht diesen Prozess ganz am Anfang. Was im Sieb hängen bleibt, kann sich nicht in der Leitung festsetzen. Das Sieb kostet wenig, braucht keine Montage und kein Werkzeug, und es wirkt ohne Chemie. Im Vergleich zu einer Rohrreinigung, bei der eine Fachperson mit Spirale oder Hochdruck anrücken muss, ist der Aufwand verschwindend klein.
Ein Sieb ist allerdings kein Wundermittel. Es hält nur zurück, was grösser ist als seine Öffnungen. Gelöstes Fett, feiner Kaffeesatz und Seifenschlamm passieren auch das feinste Sieb. Darum gehört zur Vorbeugung neben dem Sieb immer auch das richtige Verhalten am Ablauf – davon handelt ein eigener Abschnitt weiter unten.
Arten von Abflusssieben
Für Dusche und Badewanne werden meist flache Haarsiebe verwendet. Sie liegen auf der Ablauföffnung oder sitzen darin und haben feine Löcher oder einen kleinen Korb, in dem sich die Haare sammeln. Weit verbreitet sind auch Einsätze, die unter dem Ablaufdeckel im Ablauftopf stecken. Bei bodenebenen Duschen mit Duschrinne ist das Sieb oft bereits Teil der Rinne und liegt unter der Abdeckung; man erreicht es, indem man die Abdeckung abnimmt.
Am Lavabo sitzt häufig eine Ablaufgarnitur mit Stopfen. Bei vielen Modellen ist der Stopfen selbst als Sieb ausgebildet oder lässt sich durch ein separates Sieb ersetzen. Für Lavabos ohne Stopfen gibt es kleine Aufsatzsiebe, die einfach in die Öffnung gelegt werden.
In der Küche ist der Siebkorb üblich: ein tiefer, gelochter Korb, der in den Ablauf der Spüle gesteckt wird und gleichzeitig als Stopfen dienen kann. Er fasst mehr Material als ein flaches Sieb und eignet sich deshalb für Speisereste, Reiskörner, Teigwaren oder Gemüseabschnitte, die beim Abwaschen in die Spüle gelangen.
Beim Material gilt: Rostfreier Stahl ist langlebig und hält heisses Wasser aus, Kunststoff ist günstig und leicht, Silikon passt sich unterschiedlichen Öffnungen an und lässt sich gut ausspülen. Entscheidend ist weniger das Material als die Passform: Ein Sieb, das nicht satt in der Öffnung sitzt, lässt Haare und Reste seitlich vorbei – dann schützt es kaum.
Abflusssieb in Dusche und Badewanne: Haare zurückhalten
In Dusche und Badewanne sind Haare die häufigste Ursache für Verstopfungen. Besonders in Haushalten mit langen Haaren, mit Kindern oder mit Haustieren, die in der Wanne gebadet werden, gelangen täglich erhebliche Mengen in den Ablauf. Ohne Sieb wickeln sie sich um die Kanten im Ablauftopf und bilden zusammen mit Duschgel und Shampoo einen zähen Belag.
Ein Haarsieb in der Dusche sollte fein genug sein, um auch einzelne Haare zurückzuhalten, und gleichzeitig genug Durchfluss bieten, damit das Wasser bei voll aufgedrehter Brause nicht in der Duschtasse steigt. Steht das Wasser mit Sieb deutlich länger als ohne, ist das Sieb entweder zu fein, bereits voll oder der Ablauf darunter ist schon teilweise zugesetzt.
Bei bodenebenen Duschen und Duschrinnen lohnt sich ein Blick unter die Abdeckung, auch wenn oben nichts zu sehen ist. Gerade hier sammeln sich Haare und Seifenreste unbemerkt, bis das Wasser über den Rand der Rinne auf den Boden läuft. Ein regelmässig geleertes Sieb in der Rinne verhindert genau das.
Abflusssieb in der Küche: Speisereste abfangen
In der Küche kommt es auf eine andere Mischung an. Im Siebkorb bleiben Reis, Teigwaren, Gemüseschalen, Brotkrumen und Knochenreste hängen, die sonst im Geruchsverschluss unter der Spüle oder im ersten Rohrbogen liegen bleiben würden. Diese Reste quellen im Wasser auf und verbinden sich mit Fett zu einem festen Pfropfen.
Ein Sieb in der Spüle hilft aber nur gegen Feststoffe. Fett und Öl laufen flüssig und warm durch das Sieb, kühlen in der Leitung ab und setzen sich an der Rohrwand fest. Viele Verstopfungen in Küchenabläufen entstehen deshalb tiefer in der Leitung, dort wo das Abwasser abkühlt, und lassen sich mit einem Sieb allein nicht verhindern. Pfannen und Teller sollten darum vor dem Abwaschen mit Haushaltpapier ausgewischt werden; das Papier gehört in den Abfall, nicht in den Abfluss.
Auch bei Geschirrspülern lohnt sich die Pflege der eingebauten Siebe. Ist das Gerätesieb beschädigt, nicht richtig eingesetzt oder fehlt es, gelangen Speisereste ungehindert in den Ablaufschlauch und in die Küchenleitung. Das Gerätesieb sollte nach Anleitung des Herstellers regelmässig herausgenommen und ausgespült werden.
Abflusssieb richtig reinigen
Ein Sieb wirkt nur, solange es nicht voll ist. In der Dusche genügt es meist, das Sieb nach jedem oder jedem zweiten Duschen kurz anzuheben und die Haare mit einem Papier herauszunehmen. In der Küche wird der Siebkorb idealerweise nach jedem Abwasch über dem Abfalleimer geleert. Haare und Speisereste gehören in den Kehricht, nicht in die Toilette – auch dort können sie zu Ablagerungen beitragen.
Einmal pro Woche sollte das Sieb gründlich gereinigt werden: herausnehmen, mit warmem Wasser und etwas Spülmittel ausspülen und Beläge mit einer alten Zahnbürste lösen. Kalkablagerungen auf Metallsieben lassen sich mit verdünntem Essig oder Zitronensäure entfernen. Danach gut ausspülen, damit keine Reste in den Ablauf gelangen.
Bei dieser Gelegenheit lohnt sich ein Blick auf den Ablauf selbst. Viele Duschabläufe haben einen herausnehmbaren Einsatz für den Geruchsverschluss, der sich ebenfalls ausspülen lässt. Wer ihn herausnimmt, muss ihn wieder korrekt einsetzen, damit die Wasservorlage funktioniert und keine Kanalgerüche in den Raum gelangen. Aggressive chemische Abflussreiniger sind für die Pflege eines Siebs nicht nötig und belasten Leitungen, Dichtungen und Abwasser unnötig.
Was trotzdem nicht in den Abfluss gehört
Das Sieb hält grobe Teile zurück, alles andere entscheidet sich am Verhalten. Fett und Öl aus Pfanne und Fritteuse gehören nie in den Ablauf, auch nicht mit heissem Wasser nachgespült. Kleine Mengen werden mit Papier aufgenommen und mit dem Kehricht entsorgt; für grössere Mengen Speiseöl gibt es in vielen Gemeinden eine Sammelstelle. Die Regeln dafür sind kommunal unterschiedlich und stehen im Abfallkalender oder auf der Website der Gemeinde.
Feuchttücher, Wattestäbchen, Wattepads, Hygieneartikel, Zahnseide und Katzenstreu gehören in den Abfall, auch wenn die Verpackung «spülbar» verspricht. Sie zerfallen im Wasser nicht wie Toilettenpapier, verhaken sich in der Leitung und bilden zusammen mit Fett feste Zöpfe, die bis in die Grundleitung und in die Pumpwerke der Kanalisation gelangen.
Kaffeesatz und Teeblätter wirken harmlos, setzen sich aber zusammen mit Fett in Rohrbögen und waagrechten Leitungsabschnitten ab. Dasselbe gilt für Mehl, Teigreste, Zement- oder Gipsreste aus Renovationsarbeiten und Farbreste. Medikamente gehören zurück in die Apotheke, Chemikalien an die Sammelstelle. Was nicht ins Abwasser gehört, ist auf den ersten Blick nicht immer klar – im Zweifel gilt: lieber in den Kehricht als in den Ablauf.
Wann die Verstopfung tiefer liegt
Ein Abflusssieb schützt nur den ersten Meter. Liegt das Problem weiter hinten, hilft auch das sauberste Sieb nicht mehr. Hinweise darauf sind: Das Wasser läuft auch ohne Sieb und nach gereinigtem Geruchsverschluss langsam ab; mehrere Abläufe sind gleichzeitig betroffen, etwa Dusche und Lavabo im selben Bad; es gluckert in einem anderen Ablauf, wenn irgendwo Wasser abläuft; oder im Keller steigt Wasser aus dem Bodenablauf.
In solchen Fällen sitzt die Verstopfung meist im Fallstrang, in einer Sammelleitung oder in der Grundleitung unter dem Haus. Ursachen sind Fettablagerungen, Kalk, Wurzeleinwuchs, verschobene Rohrverbindungen oder Fremdkörper. Mit Pömpel oder Hausmitteln kommt man hier in der Regel nicht weiter, und chemische Mittel können die Lage sogar verschlechtern, wenn sie im stehenden Wasser liegen bleiben.
Dann ist eine fachgerechte Rohrreinigung der richtige Schritt. Karo Kanaltechnik löst Verstopfungen mechanisch mit der Spirale oder chemiefrei mit Hochdruckspülung bis 200 bar. Wiederholt sich das Problem, zeigt eine Kamerabefahrung, ob in der Leitung ein Schaden die Ursache ist; der Befund wird nach SN EN 13508-2 dokumentiert. Die Rohrreinigung kostet bei Karo CHF 160 pro Stunde plus CHF 60 Anfahrt, eine Stunde mit Anfahrt also CHF 220 exklusive bzw. CHF 237.82 inklusive 8,1 % MwSt.
Abflusssieb und Geruchsverschluss: zwei Bauteile, zwei Aufgaben
Weil beide direkt unter der Ablauföffnung sitzen, werden Abflusssieb und Geruchsverschluss oft verwechselt. Das Sieb ist ein loses oder eingestecktes Teil, das Feststoffe zurückhält und von Hand geleert wird. Der Geruchsverschluss ist ein fest eingebauter Rohrbogen oder Ablauftopf, in dem immer etwas Wasser steht und der verhindert, dass Gase aus der Kanalisation in den Raum steigen.
Ein fehlendes Sieb ist kein Mangel an der Installation, aber es macht den Geruchsverschluss anfälliger: Er setzt sich mit Haaren und Resten zu, das Wasser läuft langsamer ab, und in den Ablagerungen entstehen Gerüche. Umgekehrt nützt das beste Sieb nichts gegen Kanalgeruch, wenn der Geruchsverschluss ausgetrocknet oder falsch eingesetzt ist. Wer beides regelmässig kontrolliert, hat die häufigsten Ursachen für Probleme am Ablauf im Griff.
In einer Altbauwohnung in Winterthur läuft das Duschwasser über Monate immer langsamer ab, bis es nach jedem Duschen in der Duschtasse steht. Ein chemischer Abflussreiniger bringt jeweils nur kurz Besserung. Im Ablauftopf und im ersten Rohrstück sitzt ein dichter Zopf aus Haaren und Seifenresten. Er wird mechanisch entfernt und der Geruchsverschluss gereinigt; eine weitergehende Spülung der Leitung ist nicht nötig, weil Dusche und Lavabo im selben Bad normal ablaufen und der Fallstrang damit frei ist. Als Vorbeugung kommt ein passendes Haarsieb in den Ablauf, das nach dem Duschen geleert wird. Der Fall ist typisch: Liegt die Verstopfung im ersten Meter, genügt ein Sieb, um sie künftig zu vermeiden.
