Wie funktioniert eine Kamerabefahrung
Eine hochauflösende Kamera wird über einen Schacht oder eine Revisionsöffnung in die Leitung eingeführt. Bei grösseren Kanälen fährt ein ferngesteuerter Kamerawagen durch das Rohr, bei kleineren Leitungen wird eine Schiebekamera verwendet.
Die Kamera liefert Live-Bilder an einen Monitor, während ein Zähler die genaue Position im Rohr misst. So lässt sich jeder Befund metergenau lokalisieren und dokumentieren.
Was lässt sich damit erkennen
Die Kamerabefahrung deckt Risse, Muffenversätze, Wurzeleinwuchs, Korrosion, Ablagerungen, Undichtigkeiten und falsche Anschlüsse auf. Auch die Ursache wiederkehrender Verstopfungen wird sichtbar.
Die Aufnahmen werden gespeichert und bilden die Grundlage für eine Zustandsanalyse, einen Sanierungsentscheid oder den Nachweis gegenüber Versicherung und Behörde.
Wann ist eine Kamerabefahrung sinnvoll
Sinnvoll ist die Befahrung bei wiederkehrenden Verstopfungen, unklarem Geruch, vor einem Liegenschaftskauf, vor Umbauten sowie nach einer Sanierung zur Abnahme. Auch zur Lokalisierung eines Lecks oder eines verlorenen Gegenstands wird sie eingesetzt.
Der grosse Vorteil: Der Zustand wird zerstörungsfrei erfasst, ohne unnötiges Aufgraben oder Öffnen von Bauteilen.
Kosten
Eine Kamerabefahrung beginnt bei rund CHF 50 pro Abschnitt, dazu kommt die Anfahrtspauschale von CHF 60. Ist eine Vorreinigung nötig, wird diese mit rund CHF 160 pro Stunde zusätzlich verrechnet.
Kanalinspektion nach Norm: Kodierung und Bericht
Kanalinspektion, Kanal-TV-Inspektion und Kamerabefahrung bezeichnen dasselbe Verfahren: die kameragestützte Überprüfung von Abwasserleitungen. «Kanal-TV» betont dabei die Videoaufzeichnung, «Kanalinspektion» die systematische Zustandserfassung. Die Befunde werden nicht frei beschrieben, sondern nach einem normierten Kürzelsystem erfasst – in der Schweiz nach der VSA-Richtlinie und der Norm SN EN 13508-2. So sind die Ergebnisse objektiv und über Jahre vergleichbar.
Der Ablauf folgt drei Schritten: Zuerst wird die Leitung gereinigt, damit die Kamera freie Sicht auf die Rohrwand hat, dann befahren und schliesslich ausgewertet. Das Ergebnis ist ein Inspektionsbericht mit Bildern, Positionsangaben, Schadensklassen und Empfehlungen. Er zeigt, ob eine Reinigung genügt oder ob eine Sanierung mit Inliner, Pointliner oder in offener Bauweise nötig ist, und erlaubt es, Massnahmen zu priorisieren und Kosten realistisch zu planen.
Wann Gemeinden und Käufer eine Kanal-TV-Inspektion verlangen
Viele Gemeinden verlangen im Rahmen der Generellen Entwässerungsplanung (GEP) periodische Zustandskontrollen privater Abwasseranlagen. Auch vor dem Kauf oder Verkauf einer Liegenschaft, vor Umbauten und als Abnahme nach einer Sanierung dient die dokumentierte Befahrung als Nachweis. Neben Rissen, Brüchen, Wurzeln und Versätzen werden dabei auch Fehlanschlüsse sichtbar, bei denen Regen- und Schmutzwasser falsch zusammenlaufen.
Je nach Durchmesser kommt ein selbstfahrender Kamerawagen oder eine Schiebekamera zum Einsatz; Karo Kanaltechnik befährt Leitungen mit Schiebekameras ab DN 50. Moderne Systeme messen Position und Tiefe der Kamera, sodass ein Schaden nicht nur erkannt, sondern auch exakt geortet wird – eine punktuelle Schadstelle lässt sich danach gezielt sanieren, ohne den Garten aufzugraben.
Vor dem Kauf eines älteren Einfamilienhauses in Kloten lässt ein Käufer die Abwasserleitungen per Kamerabefahrung prüfen. Karo Kanaltechnik dokumentiert einen Wurzeleinwuchs in der Grundleitung. Dank dieser Information kann der Käufer die Sanierungskosten in die Preisverhandlung einbeziehen.

