Was ist Kanaltechnik?
Kanaltechnik ist der Sammelbegriff für alle technischen Leistungen an Abwasserleitungen, Schächten und Sonderbauwerken der Entwässerung. Im Mittelpunkt steht eine einfache Aufgabe: Schmutzwasser und Regenwasser sollen zuverlässig, dicht und ohne Rückstau abfliessen – von der Liegenschaft bis zur Abwasserreinigungsanlage. Damit das über Jahrzehnte gelingt, müssen Leitungen gereinigt, kontrolliert, geprüft und bei Bedarf repariert oder erneuert werden.
Der Begriff wird in zwei Bedeutungen verwendet. Im engeren Sinn meint er das Handwerk und die Dienstleistung: Firmen für Kanaltechnik rücken mit Spülfahrzeug, Kamera und Sanierungsgeräten aus und arbeiten an bestehenden Leitungen. Im weiteren Sinn umfasst Kanaltechnik auch Planung und Bau von Kanalisationen, also Rohrwerkstoffe, Gefälle, Schachtbau und die Bemessung von Leitungen. Diese Seite erklärt vor allem die erste Bedeutung – das, was ein Eigentümer, eine Verwaltung oder ein Gewerbebetrieb tatsächlich bestellt, wenn er einen Kanaltechniker ruft.
Die sechs Aufgabenfelder der Kanaltechnik
Reinigung: Die Kanalreinigung entfernt Fett, Sand, Schlamm, Urinstein und Wurzeln aus Grund- und Anschlussleitungen. Standard ist die hydrodynamische Reinigung mit einer Spüldüse, die sich durch rückwärts gerichtete Wasserstrahlen selbst in die Leitung zieht. Karo Kanaltechnik spült chemiefrei mit bis zu 200 bar und passt den Druck an Material und Zustand des Rohrs an. Mechanische Werkzeuge wie Spirale oder Fräse ergänzen die Spülung, wenn harte Ablagerungen oder Wurzeln im Weg sind.
Inspektion: Bei der Kanal-TV-Inspektion fährt eine Kamera durch die gereinigte Leitung und zeichnet jeden Meter auf. Risse, Versätze, Wurzeleinwuchs, Ablagerungen oder Deformationen werden nach SN EN 13508-2 einheitlich kodiert. Das Protokoll ist die Grundlage für jede weitere Entscheidung – ob eine Leitung in Ordnung ist, nur gereinigt werden muss oder saniert werden sollte.
Ortung: Viele Leitungen liegen anders als im Plan oder sind gar nicht verzeichnet. Mit einer Sonde am Kamerakopf lässt sich der Leitungsverlauf an der Oberfläche verfolgen und markieren. Bei Undichtigkeiten kommen weitere Methoden der Leckortung zum Einsatz.
Prüfung: Die Dichtheitsprüfung weist nach, dass eine Leitung kein Abwasser ins Erdreich verliert und kein Grundwasser aufnimmt. Durchführung, Prüfdruck und Prüfzeit mit Wasser oder Luft regelt die SN EN 1610.
Sanierung: Schadhafte Leitungen werden repariert, renoviert oder erneuert. Grabenlos geschieht das mit Inlinern, Kurzlinern oder Innenbeschichtungen, die über bestehende Schächte eingebracht werden. In offener Bauweise wird aufgegraben und das Rohr ersetzt – nötig etwa bei eingestürzten Abschnitten oder starkem Gefällefehler.
Unterhalt: Der planmässige Kanalunterhalt verbindet alle Bausteine. Wiederkehrende Reinigung, Schachtkontrollen und eine Kamerabefahrung in sinnvollen Abständen verhindern, dass aus einer Ablagerung ein Notfall wird.
Fahrzeuge und Geräte der Kanaltechnik
Das wichtigste Arbeitsgerät ist das Kanalspülfahrzeug. Es führt Wassertank, Hochdruckpumpe und eine Schlauchhaspel mit Spüldüse mit. Als Spül-Saug-Kombination saugt es den gelösten Schmutz im selben Arbeitsgang aus dem Schacht ab, sodass nichts im Kanal zurückbleibt. Für Hausleitungen, Tiefgaragen und enge Innenhöfe reichen kompakte Servicefahrzeuge mit kleineren Spülgeräten und elektromechanischen Rohrreinigungsmaschinen.
Für die Inspektion braucht es Kamerasysteme in verschiedenen Grössen: Schiebekameras für kleine Hausleitungen und Fallstränge, fahrbare Kamerawagen für grössere Grundleitungen und Kanäle. Dazu kommen Ortungsempfänger, Prüfblasen und Messgeräte für die Dichtheitsprüfung, Fräsroboter zum Entfernen von Wurzeln und Inkrustationen sowie Sanierungsgeräte für Liner und Beschichtungen. Sicherheitsausrüstung wie Gaswarngeräte, Absperrungen und Signalisation gehört bei Arbeiten an Schächten und im Strassenraum fest dazu.
Normen, Richtlinien und Verbände
Kanaltechnik in der Schweiz folgt einem dichten Regelwerk. Für Planung und Ausführung der Liegenschaftsentwässerung, also der Entwässerung eines Grundstücks bis zum Anschluss an die öffentliche Kanalisation, ist die SN 592 000 massgebend. Die SN EN 752 ordnet Betrieb, Unterhalt und Sanierung von Entwässerungssystemen ausserhalb von Gebäuden in ein übergeordnetes Kanalmanagement ein. Für die Schwerkraftentwässerung innerhalb von Gebäuden gilt ergänzend die SN EN 12056, für Einbau und Dichtheitsprüfung die SN EN 1610 und für die bauliche Ausführung von Kanalisationen die SIA 190.
Bei Inspektion und Sanierung kommen zwei weitere Grundlagen hinzu: Die SN EN 13508-2 legt fest, wie Schäden bei der optischen Inspektion kodiert werden, und die EN ISO 11296-4 regelt die Renovierung mit vor Ort härtenden Schlauchlinern. Fachlich prägt der VSA, der Verband Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute, die Branche – etwa mit der Richtlinie «Erhaltung von Kanalisationen», die beschreibt, wie Befunde zu Zustandsklassen und Sanierungsprioritäten führen. Für Gemeinden schreibt die Gewässerschutzverordnung (GSchV) die Generelle Entwässerungsplanung (GEP) vor, für die der Zustand der Kanalisation erhoben werden muss.
Kanaltechnik und Sanitär: wo die Grenze liegt
Sanitärinstallateure und Kanaltechniker arbeiten am selben Abwasser, aber an verschiedenen Abschnitten. Der Sanitär plant und montiert Leitungen und Apparate im Gebäude: Lavabo, Dusche, WC, Küchenablauf, Anschlussleitungen und Fallstränge. Die Kanaltechnik setzt dort an, wo die Leitungen gross, lang oder schwer zugänglich werden – bei der Grundleitung unter der Bodenplatte, bei Schächten, beim Hausanschluss an die öffentliche Kanalisation und bei Regenwasser- und Drainageleitungen ums Haus.
In der Praxis überschneiden sich die Bereiche. Eine hartnäckige Verstopfung im Fallstrang löst oft der Kanaltechniker, weil er Spülgerät und Kamera mitbringt; einen neuen Siphon oder ein undichtes Anschlussstück ersetzt dagegen der Sanitär. Faustregel: Geht es um Apparate, Armaturen und Installationen im Gebäude, ist der Sanitär zuständig. Geht es um Reinigung, Inspektion, Prüfung oder Sanierung von Abwasserleitungen und Schächten, ist die Kanaltechnik gefragt. Viele Aufträge laufen deshalb Hand in Hand – etwa wenn nach einem Badumbau die anschliessende Grundleitung mit der Kamera kontrolliert wird.
Berufe und Ausbildung in der Kanaltechnik
Wer in der Kanaltechnik arbeitet, braucht technisches Verständnis, körperliche Belastbarkeit und keine Angst vor engen Räumen. Die Arbeit findet draussen bei jedem Wetter, in Kellern, Tiefgaragen und auf Baustellen statt. Neben dem Bedienen der Fahrzeuge und Geräte gehören das Dokumentieren der Arbeiten, die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften und der direkte Kontakt mit Eigentümern und Verwaltungen dazu.
In der Schweiz gibt es dafür eine eigene berufliche Grundbildung: die dreijährige Lehre als Entwässerungstechnologin oder Entwässerungstechnologe EFZ, dazu die zweijährige Ausbildung als Entwässerungspraktikerin oder Entwässerungspraktiker EBA; die Berufsfachschule liegt am GIBZ in Zug (Quelle: berufsberatung.ch). Daneben steigen Quereinsteiger ohne Lehre in der Branche ein und werden im Betrieb eingearbeitet. Bei Karo Kanaltechnik geschieht das als Hilfsmitarbeiter oder Hilfsmitarbeiterin in der Kanalreinigung oder der Rohrsanierung – die offenen Stellen stehen auf der Karriereseite.
Wann Eigentümer Kanaltechnik brauchen
Typische Auslöser sind langsam abfliessende Abläufe, gurgelnde Geräusche, Kanalgeruch, Rückstau im Keller oder Wasser, das aus einem Schacht drückt. Ebenso häufig sind geplante Anlässe: der Kauf einer Liegenschaft, ein Umbau, eine Auflage der Gemeinde, eine Abnahme nach Neubau oder ein Unterhaltsplan für ein Mehrfamilienhaus. Für den eigenen Teil der Entwässerung – Grundleitungen, Schächte und Hausanschluss – ist in der Regel der Eigentümer verantwortlich; die Einzelheiten regelt das Reglement der Gemeinde.
Am Anfang steht fast immer eine Reinigung mit anschliessender Kamerabefahrung. Sie zeigt, ob die Leitung nur verschmutzt war oder ob ein Schaden dahintersteckt. Bei Karo Kanaltechnik kostet ein Einsatz CHF 160 pro Stunde plus CHF 60 Anfahrt (exkl. MwSt.); die Kamerainspektion kommt ab CHF 50 dazu. Bei einem Einfamilienhaus liegt ein Einsatz meist zwischen CHF 150 und CHF 400. Zeigt das Protokoll einen Schaden, folgt ein Sanierungsvorschlag – auf Sanierungen gibt Karo bis zu 10 Jahre Garantie.
Ein Mehrfamilienhaus im Raum Frauenfeld meldet Kanalgeruch im Treppenhaus und einen Bodenablauf in der Waschküche, der immer wieder überläuft. Der Sanitär hat Siphon und Ablauf bereits geprüft – ohne Befund. Karo Kanaltechnik spült die Grundleitung über den Kontrollschacht mit Hochdruck und fährt sie danach mit der Kamera ab. Die Aufnahme zeigt einen Muffenversatz mit eingewachsenen Wurzeln kurz vor dem Hausanschluss. Die Wurzeln werden mit dem Fräsroboter entfernt, der Schadensbereich wird nach SN EN 13508-2 dokumentiert und der Verwaltung mit einem Vorschlag für eine grabenlose Sanierung mit Kurzliner übergeben. Ein typischer Fall, in dem Sanitär und Kanaltechnik nacheinander arbeiten.
