Was ist ein Schachtring?
Ein Schachtring ist ein ringförmiges Fertigteil aus Beton oder Stahlbeton, das im Werk gegossen und auf der Baustelle zu einem Schacht gestapelt wird. Mehrere Ringe übereinander bilden den senkrechten Schaft, den sogenannten Schachtaufbau. Die Ringe gibt es in verschiedenen Durchmessern und Bauhöhen, damit sich jede Schachttiefe zusammensetzen lässt.
Der Begriff Betonschacht beschreibt das Ergebnis: einen Abwasserschacht, dessen Wände aus solchen Betonfertigteilen bestehen. In der Schweiz ist das eine weit verbreitete Bauweise für Schächte der Liegenschaftsentwässerung und der öffentlichen Kanalisation. Daneben gibt es Schächte aus Kunststoff und, bei älteren Liegenschaften, gemauerte Schächte aus Backstein oder Natursteinen.
Für Einsteig- und Kontrollschächte aus Beton gilt in Europa die Produktnorm SN EN 1917. Sie legt fest, welche Anforderungen die Fertigteile an Festigkeit, Masshaltigkeit und Dichtheit erfüllen müssen. Wo und wie viele Schächte eine Liegenschaft braucht, regelt dagegen die Planung der Entwässerung nach SN 592 000 und das Entwässerungsreglement der Gemeinde.
Aufbau eines Betonschachts: vom Boden bis zum Deckel
Ganz unten liegt der Schachtboden, auch Schachtunterteil genannt. Er enthält die Anschlüsse für die zu- und abführenden Leitungen und das Gerinne, eine offene Rinne, in der das Abwasser durch den Schacht fliesst. Seitlich davon steigt die Berme leicht an, damit sich Feststoffe nicht absetzen und das Personal bei Arbeiten einen Tritt hat. Der Schachtboden wird heute häufig als ein Stück vorgefertigt, bei älteren Schächten wurde er vor Ort betoniert und das Gerinne von Hand ausgeformt.
Auf den Schachtboden folgen die Schachtringe. Wie viele es braucht, hängt von der Tiefe der Leitung ab: bei einer flach liegenden Grundleitung im Garten genügen wenige, bei einem tiefen Anschluss an die öffentliche Kanalisation sind es entsprechend mehr. In begehbare Schächte sind Steigeisen oder Steigbügel eingebaut, über die man in den Schacht hinabsteigt.
Den oberen Abschluss des Schafts bildet der Konus, ein Übergangsring, der den grossen Schachtdurchmesser auf die kleinere Einstiegsöffnung verjüngt. Häufig ist er exzentrisch geformt, damit die Steigeisen auf einer Seite senkrecht durchlaufen. Wo kein Konus Platz hat, etwa bei sehr flachen Schächten, wird stattdessen eine Abdeckplatte mit Öffnung aufgelegt.
Zuoberst sitzen Auflagering und Abdeckung. Mit Auflage- oder Ausgleichsringen wird die Höhe des Deckels genau auf das Niveau von Rasen, Pflästerung oder Strasse eingestellt. Darauf liegt der Rahmen mit dem Schachtdeckel aus Guss oder Beton, dessen Belastungsklasse zum Standort passen muss – ein Deckel in der Zufahrt muss Fahrzeuge tragen, einer im Garten nicht.
Fugen und Dichtungen: die Schwachstelle jedes Schachts
Ein Betonschacht ist nur so dicht wie die Fugen zwischen seinen Teilen. Die Ringe greifen mit einem Falz oder einer Muffe ineinander, und in dieser Verbindung sitzt die Dichtung. Bei modernen Schächten ist das ein elastischer Dichtring aus Elastomer, der beim Aufsetzen des nächsten Rings zusammengedrückt wird und kleine Bewegungen aufnehmen kann.
Ältere Schächte wurden dagegen mit Zementmörtel zusammengesetzt. Mörtelfugen sind starr: Setzt sich der Boden, fährt regelmässig schwerer Verkehr über den Deckel oder wechseln Frost und Feuchtigkeit, reisst der Mörtel mit der Zeit und wäscht aus. Dann ist der Schacht an genau den Stellen offen, an denen er dicht sein sollte.
Ebenso wichtig sind die Rohranschlüsse im Schachtboden. Ist die Verbindung zwischen Rohr und Schachtwand starr eingemörtelt, kann sie bei Setzungen abreissen. Fachgerechte Anschlüsse verwenden darum flexible Anschlussdichtungen, die zwischen Schacht und Leitung vermitteln.
Typische Schäden an Schachtringen und Betonschächten
Der häufigste Befund sind undichte Ringfugen. Durch sie dringt Grundwasser oder Sickerwasser als Fremdwasser in den Schacht ein und belastet die Kläranlage, oder Abwasser tritt aus und verschmutzt den Untergrund. Oft zeigen sich solche Fugen bei der Inspektion als feuchte Ränder, Kalkausblühungen oder Rostspuren unter den Steigeisen.
Durch offene Fugen wachsen auch Wurzeln in den Schacht. Feine Wurzelhaare finden die Feuchtigkeit, verdicken sich im Schachtinneren zu Zöpfen und können den Abfluss im Gerinne behindern oder in die angeschlossenen Leitungen weiterwachsen.
Ein zweites Schadensbild betrifft den Beton selbst. Faulende Abwässer setzen Schwefelwasserstoff frei, der sich an der feuchten Schachtwand niederschlägt und von Bakterien zu Schwefelsäure umgewandelt wird. Diese biogene Schwefelsäurekorrosion zersetzt den Zementstein: die Oberfläche wird sandig, weich und bröckelt ab. Betroffen sind vor allem der obere Schachtbereich und der Konus, wo sich die Gase sammeln, sowie Schächte nach Druckleitungen oder Pumpwerken.
Weitere typische Befunde sind gegeneinander verschobene Ringe nach Setzungen, ein ausgebrochenes oder ausgewaschenes Gerinne, korrodierte Steigeisen und ein lockerer Auflagering. Letzteres merkt man oft zuerst an einem klappernden Deckel, wenn ein Auto darüberfährt.
Sanieren statt ersetzen: was bei einem alten Betonschacht möglich ist
Ein beschädigter Betonschacht muss nur selten ausgegraben und neu gesetzt werden. Solange die Ringe statisch tragfähig sind, lässt er sich von innen instand setzen. Das spart den Aushub, schont Garten, Pflästerung oder Zufahrt und ist in vielen Fällen günstiger als ein neuer Schacht.
Am Anfang steht immer die Reinigung: Der Schacht wird mit Hochdruck gespült, Ablagerungen werden abgesaugt und lose Betonteile entfernt. Erst auf einer sauberen, tragfähigen Oberfläche haften Dichtstoffe und Beschichtungen. Danach werden undichte Ringfugen und Rohranschlüsse abgedichtet, zum Beispiel durch Verpressen oder mit einem neuen Fugenmörtel. Wurzeln werden vorher entfernt.
Bei flächiger Korrosion folgt eine Beschichtung der ganzen Schachtwand, entweder mit einem mineralischen Mörtelsystem oder mit einem kunstharzbasierten Überzug, der den Beton vor weiterem Säureangriff schützt. Das ausgebrochene Gerinne wird neu ausgeformt, korrodierte Steigeisen werden ersetzt und ein lockerer Auflagering samt Deckel neu versetzt.
Ist ein Schacht so stark geschädigt, dass er nicht mehr dicht zu bekommen ist, kann ein vorgefertigter Inneneinsatz eingebaut werden. Ein Ersatz einzelner Ringe oder des ganzen Schachts mit Aushub bleibt den Fällen vorbehalten, in denen die Tragfähigkeit nicht mehr gegeben ist oder der Schacht ohnehin verlegt werden muss.
Schachtring, Betonschacht oder Kontrollschacht – was ist der Unterschied?
Die drei Begriffe werden oft durcheinander verwendet, beschreiben aber verschiedene Dinge. Der Schachtring ist ein einzelnes Bauteil. Der Betonschacht ist die Bauweise: ein Schacht, der aus Betonfertigteilen wie Schachtboden, Schachtringen und Konus zusammengesetzt ist.
Der Kontrollschacht beschreibt dagegen die Funktion: einen Zugang zur Abwasserleitung, über den gereinigt, mit der Kamera inspiziert und auf Dichtheit geprüft wird. Ein Kontrollschacht kann aus Betonringen bestehen, aber genauso gut aus Kunststoff oder Mauerwerk. Umgekehrt sind auch Schlammsammler, Sickerschächte oder Pumpenschächte häufig aus Schachtringen gebaut, obwohl sie eine ganz andere Aufgabe haben.
Für Eigentümer heisst das: Wer einen Schachtring ersetzen oder abdichten lassen will, spricht eigentlich über die Bausubstanz eines Schachts. Was dieser Schacht leisten muss und wie oft er gewartet wird, ergibt sich aus seiner Funktion im Entwässerungssystem der Liegenschaft.
Inspektion: wie man den Zustand eines Betonschachts erkennt
Viele Schäden an Betonschächten sieht man erst, wenn der Schacht leer und sauber ist. Bei einer Schachtreinigung oder einer Kanalspülung lohnt sich darum ein genauer Blick auf Fugen, Wände, Gerinne und Anschlüsse. Für eine belastbare Beurteilung werden Schacht und angrenzende Leitungen mit der Kamera aufgenommen und der Zustand nach SN EN 13508-2 kodiert und dokumentiert.
Besteht der Verdacht auf Undichtigkeit, schafft eine Dichtheitsprüfung Klarheit. Sie zeigt, ob der Schacht nur oberflächlich feucht ist oder tatsächlich Wasser verliert oder aufnimmt. Auf dieser Grundlage lässt sich entscheiden, ob eine Fugenabdichtung genügt, eine Beschichtung nötig ist oder eine umfassendere Schachtsanierung sinnvoll wird.
Ein typischer Fall aus unserem Einzugsgebiet in den Kantonen Zürich und Aargau: Bei einem älteren Mehrfamilienhaus fällt bei der Spülung der Grundleitung auf, dass im Kontrollschacht vor dem Strassenanschluss ständig klares Wasser zuläuft, obwohl im Haus niemand Wasser braucht. Nach der Reinigung zeigt sich der Grund: Die Mörtelfugen zwischen den Schachtringen sind ausgewaschen, durch eine davon wachsen Wurzeln einer Hecke, und am Konus ist der Beton sandig angegriffen. Statt den Schacht auszugraben, werden die Wurzeln entfernt, die Ringfugen abgedichtet, die Schachtwand beschichtet und das Gerinne neu ausgeformt. Eine abschliessende Kontrolle bestätigt, dass der Schacht wieder dicht ist.
