Was ist eine Rohrkamera?
Eine Rohrkamera ist ein Kamerasystem für das Innere von Leitungen. Ein kleiner, druckwasserdichter Kamerakopf mit eigener LED-Beleuchtung wird in das Rohr eingeführt und überträgt das Bild über ein Kabel in Echtzeit auf einen Monitor ausserhalb der Leitung. Ein Meterzähler misst dabei laufend, wie weit die Kamera schon im Rohr steckt. So weiss man bei jedem Befund, wo er liegt, und kann die Stelle später gezielt reinigen, orten oder sanieren.
Im Sprachgebrauch werden mehrere Begriffe nebeneinander verwendet. «Rohrkamera» und «Inspektionskamera» bezeichnen das Gerät, «Kanalkamera» meist die grösseren Systeme für Grundleitungen und Kanäle. Das Verfahren, bei dem eine Leitung systematisch mit einer solchen Kamera befahren und dokumentiert wird, heisst Kamerabefahrung oder Kanal-TV-Inspektion. Die Rohrkamera ist also das Werkzeug, die Kamerabefahrung die Arbeit, die damit gemacht wird.
Mit einer Endoskopkamera aus dem Elektronikmarkt hat ein Profigerät nur das Grundprinzip gemeinsam. Der Unterschied liegt in der Bildqualität, der Lichtleistung, der Länge und Steifigkeit des Schiebekabels, der Dichtheit des Kopfes, der Ortungsfunktion und vor allem in der Aufzeichnung, die eine normgerechte Auswertung erst möglich macht.
Bauarten: Schiebekamera, Fahrwagen und Satellitenkamera
Welche Rohrkamera zum Einsatz kommt, entscheidet in erster Linie der Rohrdurchmesser, die sogenannte Nennweite. Daneben zählen die Länge der Strecke, die Zahl der Bögen und die Frage, über welche Öffnung man in die Leitung kommt: über einen Ablauf im Gebäude, eine Reinigungsöffnung oder einen Kontrollschacht.
Die Schiebekamera ist das Gerät für kleine und mittlere Hausleitungen. Der Kamerakopf sitzt an einem biegsamen, aber druckfesten Schiebekabel, das auf einer Trommel aufgerollt ist. Der Techniker schiebt die Kamera von Hand durch die Leitung, auch durch Bögen und Abzweige. Karo Kanaltechnik setzt Schiebekameras für Leitungen ab DN 50 ein, also ab 50 Millimetern Innendurchmesser. Damit lassen sich Küchen- und Badleitungen, Fallstränge und Grundleitungen im Haus befahren.
Der Fahrwagen, oft auch Kamerawagen oder Kanalroboter genannt, ist für grössere Durchmesser gebaut. Die Kamera sitzt auf einem ferngesteuerten Fahrgestell mit Rädern, das selbständig durch den Kanal fährt und dabei ein Kabel von einer Kabeltrommel nachzieht. Fahrwagen kommen in Grundleitungen, Sammelleitungen und öffentlichen Kanälen zum Einsatz, wo eine Schiebekamera wegen der Länge oder der Reibung an ihre Grenzen kommt.
Die Satellitenkamera ist eine Kombination aus beiden: Ein Fahrwagen fährt im Hauptkanal bis zum Abzweig eines Hausanschlusses und schiebt von dort eine kleinere Kamera in die seitliche Leitung. So lässt sich ein Anschluss vom öffentlichen Kanal aus prüfen, ohne dass man in die Liegenschaft muss. Für Hausbesitzer ist das vor allem dann interessant, wenn die Gemeinde ihre Kanäle befährt und dabei auch private Anschlüsse untersucht.
Kamerakopf: Fixkopf, Schwenkkopf und Beleuchtung
Einfache Rohrkameras haben einen Fixkopf: Die Kamera blickt immer geradeaus in Fahrtrichtung. Das genügt, um eine Verstopfung zu finden oder zu sehen, ob eine Leitung frei ist. Für eine genaue Beurteilung reicht es oft nicht, weil ein Riss in der Rohrwand oder ein schlecht eingebundener Anschluss von vorne nur schräg und verzerrt sichtbar ist.
Ein Schwenkkopf lässt sich vom Bediener drehen und neigen. Damit schaut die Kamera an einer verdächtigen Stelle direkt auf die Rohrwand, in einen Abzweig hinein oder rundum über den ganzen Umfang. Karo Kanaltechnik arbeitet mit hochauflösenden Schwenkkopfkameras mit 360°-Sicht, damit Schäden wie Risse, Muffenversätze oder Wurzeleinwuchs nicht nur entdeckt, sondern auch sauber beurteilt werden können.
Ebenso wichtig wie die Optik ist das Licht. Im Rohr ist es vollständig dunkel, nasse Wände spiegeln, und Dampf oder Spritzwasser trüben das Bild. Gute Kameras haben eine regelbare LED-Beleuchtung und eine Bildaufrichtung, die das Bild auch dann waagrecht hält, wenn sich das Kabel in der Leitung verdreht. Das macht die Aufnahmen lesbar und vergleichbar.
Ortung: Sonde im Kamerakopf und 3D-GPS
Ein Bild aus dem Rohr ist nur halb so viel wert, wenn man nicht weiss, wo die Stelle im Gelände liegt. Viele Rohrkameras haben darum einen Sender, eine sogenannte Sonde, im Kamerakopf. An der Oberfläche fängt ein Empfänger das Signal auf und zeigt an, wo sich der Kopf gerade befindet und wie tief er liegt. Die Stelle wird auf dem Boden markiert. Dieses Vorgehen heisst Leitungsortung und ist die Voraussetzung für jede gezielte Reparatur.
Karo Kanaltechnik arbeitet bei der Kanal-TV-Inspektion zusätzlich mit 3D-GPS-Ortung. Dabei werden Lage und Tiefe der Leitung erfasst. Schäden wie Risse, Muffenversätze, Wurzeleinwüchse oder Korrosion lassen sich so exakt verorten, auch unter Gebäuden und befestigten Flächen. Das ist besonders dann wertvoll, wenn keine aktuellen Pläne der Liegenschaftsentwässerung vorhanden sind oder die Leitung anders verläuft als eingezeichnet.
Der praktische Nutzen: Statt einen ganzen Vorplatz aufzubrechen, weiss man auf den Meter genau, wo ein Schaden sitzt. Je nach Schaden lässt er sich danach grabenlos beheben, etwa mit einem Kurzliner. Wo doch gegraben werden muss, bleibt die Baugrube klein.
Aufzeichnung und Auswertung nach SN EN 13508-2
Eine Rohrkamera zeigt zunächst nur ein Livebild. Damit daraus ein belastbarer Befund wird, muss die Befahrung aufgezeichnet und ausgewertet werden. Professionelle Systeme speichern das Video zusammen mit der Meterangabe und erlauben es, an jeder Auffälligkeit ein Standbild mit Beschreibung festzuhalten.
In der Schweiz werden die Befunde nicht frei formuliert, sondern nach dem genormten Kodiersystem der SN EN 13508-2 erfasst. Jeder Riss, jeder Versatz und jeder Anschluss erhält einen Code mit Lage im Rohr und Ausprägung. Auf dieser Grundlage werden die Schäden in Zustandsklassen eingeteilt, die zeigen, wie dringend eine Massnahme ist. Erst diese Kodierung macht Aufnahmen über Jahre und zwischen verschiedenen Firmen vergleichbar.
Karo Kanaltechnik dokumentiert Kanal-TV-Inspektionen normgerecht nach SN EN 13508-2. Der Auftraggeber erhält die Videodaten digital auf einem USB-Datenträger oder als Download sowie einen Bericht mit Einzelbildern der relevanten Schadstellen, Schadensklassierung und Handlungsempfehlung. Diese Unterlagen dienen als Grundlage für Sanierungsentscheide, für die Gemeinde oder für die Verhandlung bei einem Liegenschaftskauf.
Rohrkamera mieten oder kaufen: was ein Mietgerät kann
Einfache Rohr- und Inspektionskameras kann man in Baumärkten und Mietparks tageweise mieten oder für den Eigengebrauch kaufen. Für Heimwerker sind sie ein brauchbares Hilfsmittel: Man sieht, ob ein Abfluss hinter dem Siphon verstopft ist, ob ein Gegenstand in der Leitung liegt oder ob Wurzeln in eine Gartenleitung eingewachsen sind. Für diese Fragen reicht ein Livebild oft aus.
Die Grenzen zeigen sich schnell. Mietgeräte haben meist einen Fixkopf und ein kurzes, eher dünnes Kabel, mit dem man in Bögen und längeren Grundleitungen stecken bleibt. Eine Ortungssonde fehlt oft, damit weiss man zwar, dass es einen Schaden gibt, aber nicht, wo er im Boden liegt. Steht die Leitung voller Wasser oder ist die Wand mit Fett und Ablagerungen belegt, sieht man ohne vorherige Reinigung wenig.
Vor allem aber liefert ein Mietgerät keine normgerechte Dokumentation. Es gibt keine Kodierung nach SN EN 13508-2 und keine Zustandsklassen, und als Nachweis gegenüber Gemeinde, Versicherung oder Käuferschaft genügen solche Aufnahmen in der Regel nicht. Wer nur wissen will, warum das Lavabo nicht abläuft, kommt mit einer gemieteten Kamera weiter. Wer einen Sanierungsentscheid treffen, einen Schaden einer Versicherung melden oder eine Auflage der Gemeinde erfüllen muss, braucht eine professionelle Inspektion.
Wann sich die Profi-Inspektion lohnt
Eine professionelle Befahrung mit Schwenkkopf, Ortung und Bericht lohnt sich bei wiederkehrenden Verstopfungen, bei Geruch oder Feuchtigkeit ohne erkennbare Ursache, vor dem Kauf oder Verkauf einer Liegenschaft, vor Umbauten und als Abnahme nach einer Sanierung. Auch wenn die Gemeinde im Rahmen der Entwässerungsplanung eine Zustandskontrolle verlangt, ist eine normgerechte Aufnahme gefragt.
Bei Karo Kanaltechnik wird die Kamera häufig direkt im Anschluss an eine Reinigung eingesetzt: Zuerst wird die Leitung mit Spirale oder chemiefreier Hochdruckspülung bis 200 bar frei gemacht, danach zeigt die Kamera, ob ein baulicher Schaden hinter der Verstopfung steckt. Der Kanal-TV-Zuschlag beginnt bei CHF 50, die Arbeit wird mit CHF 160 pro Stunde verrechnet, dazu kommt eine Anfahrt von CHF 60 (alle Preise exkl. MwSt.).
Wie die Befahrung Schritt für Schritt abläuft, welche Technik zum Einsatz kommt und was das Ergebnis nützt, erklärt unser Ratgeber «Kamerabefahrung im Kanal: Ablauf, Technik und Nutzen». Die Leistung selbst beschreibt die Seite «Kanal-TV-Inspektion» unter den Dienstleistungen.
In der Tiefgarage eines Mehrfamilienhauses in Winterthur läuft ein Bodenablauf immer wieder langsam ab. Die Verwaltung hatte die Leitung bereits mit einer gemieteten Inspektionskamera ansehen lassen. Zu sehen war Wasser im Rohr, mehr nicht, denn nach dem ersten Bogen blieb das dünne Kabel stecken. Karo Kanaltechnik spült die Sammelleitung zuerst mit Hochdruck frei und führt danach eine Schiebekamera mit Schwenkkopf über die Reinigungsöffnung ein. Nach einigen Metern zeigt das Bild einen Muffenversatz, an dem sich Schlamm sammelt. Die Sonde im Kamerakopf markiert die Stelle an der Decke des darunterliegenden Geschosses. Die Verwaltung erhält Video, Bericht und Empfehlung und kann die Reparatur gezielt planen, ohne die ganze Leitung freizulegen.
