Was bedeutet die Nennweite DN?
DN steht für «Diameter Nominal», auf Deutsch Nennweite oder Nenndurchmesser. Die Zahl hinter den Buchstaben ist keine exakte Messgrösse, sondern eine gerundete Kennzahl, die Rohre, Formstücke, Schächte und Armaturen einander zuordnet. Sie entspricht ungefähr dem Innendurchmesser in Millimetern: Ein Rohr DN 100 hat eine lichte Weite von rund 100 mm, ein Rohr DN 150 von rund 150 mm. Die Abkürzung wird ohne Einheit geschrieben, also «DN 100» und nicht «DN 100 mm».
Der Vorteil dieser Kennzahl liegt in der Vergleichbarkeit. Ein Steinzeugrohr, ein Betonrohr und ein Kunststoffrohr mit derselben Nennweite haben zwar unterschiedlich dicke Wände und darum leicht unterschiedliche Masse, sie gehören aber in dieselbe Grössenklasse und lassen sich mit passenden Übergangsstücken verbinden. Für Planer, Sanitärinstallateure und Kanaltechniker ist DN deshalb die gemeinsame Sprache, wenn es um Abwasserleitungen geht – auf Plänen, in Offerten und in Inspektionsprotokollen.
Nennweite, Aussendurchmesser und Innendurchmesser
Wer selbst nachmisst, stösst schnell auf einen scheinbaren Widerspruch: Auf vielen Kunststoffrohren steht nicht die Nennweite, sondern der Aussendurchmesser. Abwasserrohre aus PE (Polyethylen) und PVC werden in der Schweiz üblicherweise nach Aussendurchmesser und Wandstärke bezeichnet, zum Beispiel «110 × 4,3». Ein solches Rohr hat einen Innendurchmesser von gut 100 mm und entspricht damit DN 100. Entsprechend gehört ein PE-Rohr mit 56 mm Aussendurchmesser etwa zu DN 50 und ein PVC-Rohr mit 160 mm Aussendurchmesser etwa zu DN 150.
Daraus erklären sich auch typische Suchanfragen wie «PVC-Rohr Durchmesser 90» oder «PE-Rohr Durchmesser 90»: Gemeint ist in aller Regel der Aussendurchmesser von 90 mm. Je nach Wandstärke liegt der Innendurchmesser dann bei gut 80 mm; im Handel werden solche Rohre der Grössenklasse DN 80 bis DN 90 zugeordnet. Für die Praxis gilt: Wer ein Rohr ersetzen, verlängern oder anschliessen will, braucht den Aussendurchmesser. Wer wissen will, wie viel Abwasser durchpasst oder welches Werkzeug hineingeht, braucht den Innendurchmesser – und die Nennweite verbindet beide Welten.
Bei älteren Leitungen aus Steinzeug, Beton, Guss oder Asbestzement ist die Nennweite oft im Entwässerungsplan vermerkt, manchmal auch auf dem Rohr selbst. Fehlt der Plan, hilft die Kanal-TV-Inspektion: Im Inspektionsprotokoll wird die Dimension jedes Abschnitts festgehalten, denn sie gehört zu den Grunddaten einer Kanal-TV-Aufnahme.
Typische Nennweiten im Haus: Lavabo, WC, Fallleitung, Grundleitung
Die Leitungen einer Liegenschaft werden vom Ablauf in Richtung Kanalisation immer grösser, weil sie immer mehr Abwasser sammeln. Die folgenden Werte sind typische Grössenordnungen in Wohnbauten; die verbindlichen Dimensionen ergeben sich im Einzelfall aus der Planung nach SN 592 000 und dem Reglement der Gemeinde.
Lavabo und Bidet sind meist mit kleinen Anschlussleitungen von DN 40 bis DN 50 angeschlossen. Dusche, Badewanne, Küchenspüle und Waschmaschine liegen typischerweise bei DN 50; in der Küche wird oft eine etwas grössere Leitung gewählt, weil Fett und Speisereste den Querschnitt mit der Zeit verengen. Das WC braucht wegen der Feststoffe eine deutlich grössere Anschlussleitung, üblich sind Rohre mit 90 oder 110 mm Aussendurchmesser, also rund DN 80 bis DN 100.
Die Fallleitung, auch Fallstrang genannt, führt das Abwasser aller Stockwerke senkrecht nach unten und hat in Wohnbauten meist DN 100. Im Untergeschoss oder unter der Bodenplatte nimmt die Grundleitung das Abwasser mehrerer Fallstränge auf und führt es aus dem Gebäude; sie liegt in der Regel zwischen DN 100 und DN 150. Die Anschlussleitung zur öffentlichen Kanalisation und die öffentlichen Sammelkanäle sind dann nochmals grösser – Strassenkanäle erreichen Nennweiten von mehreren hundert Millimetern.
Warum die Nennweite für die Reinigung entscheidend ist
Jedes Reinigungswerkzeug hat einen Bereich, in dem es wirkt. Eine Rohrreinigungsspirale muss dünn genug sein, um durch Siphon und Bögen zu kommen, und gleichzeitig kräftig genug, um eine Verstopfung zu lösen. Für die kleinen Anschlussleitungen von Lavabo und Dusche nimmt man deshalb dünne Spiralen, für WC-Leitungen und Fallstränge dickere mit grösseren Werkzeugköpfen. Ist die Spirale zu dünn, rollt sie sich in der Leitung auf; ist sie zu dick, kommt sie nicht um den ersten Bogen.
Bei der Hochdruckspülung gilt dasselbe für die Spüldüse. Ihre Grösse und die Anordnung der Strahlen müssen zur Nennweite passen: In einer kleinen Leitung braucht es eine kompakte Düse, die Bögen passiert, in einer Grundleitung DN 150 eine Düse, deren rückwärtige Strahlen den ganzen Rohrumfang erfassen und das gelöste Material zum Schacht zurückspülen. Karo Kanaltechnik reinigt chemiefrei mit Hochdruck bis 200 bar und setzt dafür Düsen und Werkzeuge ein, die auf den jeweiligen Querschnitt abgestimmt sind.
Die Spanne ist gross: In der Rohrreinigung innerhalb von Gebäuden arbeitet Karo in Leitungen von DN 50 bis DN 200, in der Kanalreinigung von DN 50 bis DN 800. Auch die Kamera richtet sich nach der Nennweite. Schiebekameras kommen ab DN 50 in die Leitung, für grössere Dimensionen werden Fahrwagenkameras mit Schwenkkopf eingesetzt. Wer bei einer Anfrage die Nennweite kennt, hilft dem Team deshalb, gleich mit der passenden Ausrüstung anzufahren.
Nennweite und Sanierung: welches Verfahren in welches Rohr passt
Bei der grabenlosen Sanierung entscheidet die Nennweite oft schon vor der Besichtigung, welche Verfahren überhaupt in Frage kommen. Ein Schlauchliner muss in die Leitung eingezogen oder eingestülpt werden, ein Kurzliner wird von einem Packer an die Schadstelle gebracht, und für den Sprayliner muss ein Sprühkopf durch die Leitung fahren. Jedes dieser Geräte braucht einen Mindestquerschnitt und hat eine obere Grenze.
Karo Kanaltechnik saniert Leitungen von DN 50 bis DN 800. Den Pointliner, einen glasfaserverstärkten Kurzliner für punktuelle Schäden wie Risse oder Muffenversätze, setzt Karo in Dimensionen von DN 100 bis DN 600 ein. Das Schlauchlining für ganze Haltungen kommt in Hauptleitungen ab DN 150 zum Zug. Für kleine Hausleitungen, Fallstränge und Anschlussleitungen ab DN 50, in denen sich ein Schlauchliner wegen enger Bögen und vieler Abzweige oft schwer einbauen lässt, eignet sich die Sprayliner-Beschichtung, die eine Epoxidharz-Schicht direkt auf die Rohrinnenwand aufträgt.
Wichtig ist auch, wie sich die Nennweite entlang einer Leitung verändert. Wechselt die Dimension zwischen zwei Schächten, etwa von DN 100 auf DN 150, muss der Liner diesen Übergang mitmachen oder in zwei Abschnitten eingebaut werden. Das Inspektionsprotokoll nach SN EN 13508-2 zeigt solche Wechsel ebenso wie Bögen und Abzweige und ist darum die Grundlage jeder Sanierungsofferte.
Querschnittsverlust durch Liner und Beschichtung
Jede Sanierung von innen bringt neues Material in das alte Rohr – und dieses Material braucht Platz. Ein Schlauchliner oder Kurzliner hat eine eigene Wandstärke, eine Beschichtung eine bestimmte Schichtdicke. Der Innendurchmesser wird dadurch kleiner, und weil die Querschnittsfläche mit dem Quadrat des Durchmessers wächst, wirkt sich schon ein kleiner Unterschied spürbar aus.
Ein Rechenbeispiel zeigt die Grössenordnung: Wird eine Leitung DN 150 mit einem Liner von 4 mm Wandstärke ausgekleidet, bleiben innen rund 142 mm. Die Fläche beträgt dann etwa 90 Prozent der ursprünglichen, der Querschnittsverlust also rund 10 Prozent. Bei einer kleinen Leitung DN 50 würden dieselben 4 mm bereits knapp 30 Prozent der Fläche kosten. Genau darum kommen in kleinen Dimensionen dünne Beschichtungen statt dicker Liner zum Einsatz.
Weniger Querschnitt bedeutet nicht automatisch weniger Abflussleistung. Eine neue, glatte und fugenlose Innenfläche bremst das Wasser weniger als ein raues, verkrustetes Altrohr mit Versätzen, und das kann einen Teil des Verlusts ausgleichen. Ob die sanierte Leitung für die angeschlossenen Abläufe noch genügt, ist trotzdem eine Frage, die vor der Sanierung geklärt werden muss – besonders bei Leitungen, die schon heute an der Grenze laufen oder an die künftig zusätzliche Wohnungen angeschlossen werden sollen.
Woran Sie die Nennweite Ihrer Leitung erkennen
Der einfachste Weg führt über die Unterlagen: Im Entwässerungsplan der Liegenschaft sind bei den Leitungen in der Regel Material, Nennweite und Gefälle eingetragen. Liegt kein Plan vor, hilft ein Blick auf sichtbare Rohre im Keller oder in der Tiefgarage, denn Kunststoffrohre tragen den Aussendurchmesser meist aufgedruckt. Bei erdverlegten Leitungen und Grundleitungen unter der Bodenplatte bleibt in der Regel nur die Kamerabefahrung, die die Dimension jedes Abschnitts dokumentiert.
Für eine Anfrage bei Karo müssen Sie die Nennweite nicht kennen. Es genügt zu beschreiben, welcher Ablauf betroffen ist – Lavabo, WC, Kellerablauf oder Hofschacht. Daraus ergibt sich bereits eine gute Vorstellung der Dimension, und die Ausrüstung im Fahrzeug deckt die üblichen Grössen im Haus ab. Wird anschliessend eine Kamerakontrolle gewünscht, kommt ein Zuschlag ab CHF 50 zum Einsatz hinzu, und Sie erhalten die gemessenen Dimensionen zusammen mit dem Zustandsbefund.
Ein typischer Fall aus einem Mehrfamilienhaus im Raum Winterthur: Im Erdgeschoss stauen sich WC und Dusche immer wieder zurück. Die Kamerabefahrung vom Kontrollschacht aus zeigt, dass die Grundleitung DN 150 an einer Stelle in ein altes Rohrstück DN 100 übergeht – ein Überbleibsel eines früheren Umbaus – und dass genau dort eine Muffe versetzt ist. Die Verengung erklärt die wiederkehrenden Verstopfungen. Zuerst wird die Leitung mit einer auf beide Dimensionen passenden Düse gespült. Für die Sanierung prüft das Team anhand des Protokolls, welches Verfahren den Dimensionswechsel bewältigt: Der Muffenversatz im DN-100-Stück kann mit einem Pointliner abgedichtet werden, der Rest der Grundleitung bleibt unberührt. Die Eigentümerschaft erhält Bilder und Masse und kann die Kosten einer Erneuerung des kurzen Abschnitts dagegen abwägen.
