GlossarFachbegriff Kanaltechnik

SN EN 13508-2

Auch: EN 13508-2, Kodiersystem für die optische Inspektion, Schadenskodierung Kanal-TV, Schadenscodes Kanalinspektion

SN EN 13508-2 ist die in der Schweiz übernommene europäische Norm, die das Kodiersystem für die optische Inspektion von Abwasserleitungen und Schächten festlegt. Sie bestimmt, mit welchen Kürzeln Risse, Versätze, Wurzeln oder Ablagerungen bei einer Kanal-TV-Inspektion erfasst werden, damit jeder Befund eindeutig, vergleichbar und maschinenlesbar dokumentiert ist.

Techniker kodiert bei der Kanal-TV-Inspektion Befunde nach SN EN 13508-2 am Kameramonitor

Kurz erklärt

SN EN 13508-2 ist die Norm, die festlegt, wie Beobachtungen bei der Kanal-TV-Inspektion einheitlich kodiert werden. Jeder Befund erhält einen Hauptcode aus drei Buchstaben, etwa BAB für Riss oder BBA für Wurzeln, dazu Ausprägung, Lage am Rohrumfang und Position in Metern. Die Bewertung in Zustandsklassen erfolgt in der Schweiz anschliessend nach VSA.

Was regelt die Norm SN EN 13508-2?

Die Normreihe EN 13508 trägt den Titel «Untersuchung und Beurteilung von Entwässerungssystemen ausserhalb von Gebäuden». Teil 1 beschreibt allgemeine Anforderungen an die Zustandserfassung, Teil 2 das «Kodiersystem für die optische Inspektion». Die Schweiz hat die europäische Norm übernommen, daher das Präfix SN für Schweizer Norm. Der Normtext entspricht der europäischen Fassung, die auch in Deutschland und Österreich gilt; wie die Codes im Einzelnen angewendet und ausgewertet werden, ergänzen die Länder mit eigenen Richtlinien, in der Schweiz mit jenen des VSA.

Die Norm legt nicht fest, wie gut oder schlecht eine Leitung ist. Sie regelt ausschliesslich, wie das beschrieben wird, was die Kamera zeigt: mit welchem Kürzel ein Schaden benannt wird, wie seine Grösse angegeben wird, wo er am Rohrumfang liegt und an welcher Stelle der Leitung er beginnt und endet. Erst diese einheitliche Sprache macht es möglich, dass eine Inspektion, die heute von einem Fachbetrieb erstellt wird, in zehn Jahren von einem anderen Fachbetrieb oder einem Ingenieurbüro gelesen, ausgewertet und mit einer neuen Befahrung verglichen werden kann.

Ohne Kodierung stünde in einem Bericht vielleicht «Riss im Rohr, ziemlich gross» oder «etwas Wurzeln». Mit Kodierung steht dort ein genau definierter Code mit Messwert und Position. Das ist weniger anschaulich, aber eindeutig, und genau darauf kommt es an, wenn Gemeinden, Versicherungen oder Käufer Entscheidungen über Sanierungen und Kosten treffen.

So ist ein Code aufgebaut

Jede Beobachtung beginnt mit einem Hauptcode aus drei Buchstaben. Der erste Buchstabe sagt, wo die Beobachtung gemacht wurde: B steht für die Leitung (Rohr), D für den Schacht beziehungsweise die Inspektionsöffnung. Der zweite Buchstabe ordnet die Beobachtung einer Gruppe zu: A für bauliche Merkmale, also Schäden am Rohr selbst, B für betriebliche Merkmale wie Ablagerungen oder Wurzeln, C für Bestandsdaten wie Anschlüsse oder Bögen und D für sonstige Angaben, zum Beispiel einen Abbruch der Inspektion. Der dritte Buchstabe bezeichnet die konkrete Beobachtung.

Zum Hauptcode kommen je nach Beobachtung bis zu zwei Charakterisierungen, die den Befund genauer beschreiben, etwa ob ein Riss in Längs- oder Umfangsrichtung verläuft oder ob sich eine Verbindung in Längsrichtung, radial oder winklig verschoben hat. Dazu kommt eine Quantifizierung, zum Beispiel eine Rissbreite in Millimetern, ein Versatz in Millimetern oder eine Querschnittsverminderung in Prozent.

Die Lage am Rohrumfang wird nach dem Zifferblatt einer Uhr angegeben: 12 Uhr ist der Scheitel, also die Oberseite des Rohrs, 6 Uhr die Sohle, auf der das Abwasser fliesst. Ein Wurzeleinwuchs «von 11 bis 1 Uhr» sitzt somit oben im Rohr, eine Ablagerung «von 5 bis 7 Uhr» auf der Sohle. Die Position in Längsrichtung wird in Metern ab dem Startpunkt der Befahrung angegeben. Erstreckt sich ein Schaden über eine längere Strecke, werden Anfang und Ende als zusammengehöriger Streckenschaden markiert, statt den gleichen Befund Meter für Meter zu wiederholen.

Beispiele für Hauptcodes in der Leitung

Bei den baulichen Merkmalen (BA) gehören zu den häufigsten Codes: BAA für Verformung, also ein Rohr, das nicht mehr rund ist; BAB für Rissbildung; BAC für Bruch oder Einsturz; BAF für Oberflächenschäden, etwa durch Korrosion oder Abrieb; BAG für einen einragenden Anschluss, der in die Hauptleitung hineinsteht; BAH für einen schadhaften Anschluss; BAI für einragendes Dichtungsmaterial, zum Beispiel einen herausgedrückten Dichtring; und BAJ für eine verschobene Verbindung, im Alltag als Muffenversatz bekannt.

Bei den betrieblichen Merkmalen (BB) sind es vor allem BBA für Wurzeln, BBB für anhaftende Stoffe wie Inkrustationen oder Fett an der Rohrwand, BBC für Ablagerungen auf der Sohle, BBE für andere Hindernisse und BBF für Infiltration, also eindringendes Grundwasser. Bestandsdaten (BC) halten fest, was zur Leitung gehört und kein Schaden ist, zum Beispiel BCA für einen seitlichen Anschluss. Sonstige Angaben (BD) dokumentieren unter anderem allgemeine Anmerkungen oder dass eine Inspektion abgebrochen werden musste, etwa weil die Kamera an einem Hindernis nicht weiterkam.

Für Schächte gibt es eine parallele Codereihe, die mit D beginnt. So lassen sich Risse in der Schachtwand, schadhafte Steighilfen oder einragende Rohre in einem Schacht nach der gleichen Logik erfassen wie die Befunde in der Leitung.

Kodierung und VSA-Zustandsklassen: zwei getrennte Schritte

Ein häufiges Missverständnis: SN EN 13508-2 vergibt keine Noten. Die Norm beschreibt den Befund, sie bewertet ihn nicht. Die Bewertung ist bewusst national geregelt, weil Klima, Böden, Rohrmaterialien und Rechtsrahmen von Land zu Land verschieden sind. In der Schweiz geschieht sie nach den Vorgaben des Verbands Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute (VSA), die sich auf die Richtlinie «Erhaltung von Kanalisationen» stützen.

Aus den kodierten Einzelbefunden einer Haltung, also eines Leitungsabschnitts zwischen zwei Schächten, wird nach festen Regeln die Zustandsklasse abgeleitet. Die VSA-Skala reicht von 0 bis 4: Klasse 0 bedeutet eingestürzt oder akut gefährdet mit sofortigem Handlungsbedarf, Klasse 4 eine Leitung ohne relevante Schäden. In der Regel bestimmt der schwerwiegendste Befund die Einstufung der ganzen Haltung.

Für Eigentümer heisst das: Die Qualität der Zustandsklasse hängt direkt an der Qualität der Kodierung. Wird ein Längsriss als harmloser Oberflächenschaden erfasst oder ein Versatz zu klein gemessen, fällt die Klasse zu gut aus, und eine nötige Sanierung wird verschoben. Wird umgekehrt zu streng kodiert, entstehen unnötige Kosten. Eine saubere, normgerechte Kodierung ist deshalb die Grundlage jeder fairen Zustandsanalyse.

Was im Inspektionsbericht steht

Ein Inspektionsbericht nach SN EN 13508-2 besteht im Kern aus zwei Teilen. Der Kopf enthält die Stammdaten der Haltung: Ort, Start- und Endpunkt, Inspektionsrichtung in oder gegen die Fliessrichtung, Rohrmaterial, Profil, Nennweite, Datum und die Person, die die Befahrung durchgeführt hat. Darauf folgt das Beobachtungsprotokoll, in dem jeder Befund mit Position in Metern, Code, Charakterisierung, Quantifizierung und Lage am Umfang aufgeführt ist, meist ergänzt durch ein Standbild der Stelle.

Dazu kommen in der Regel eine grafische Darstellung der Haltung mit allen Befunden entlang der Leitung und die Videoaufzeichnung der ganzen Befahrung. Wird anschliessend eine Zustandsanalyse erstellt, ergänzt sie den Bericht um die Zustandsklasse jeder Haltung und um Empfehlungen, welche Massnahmen in welcher Reihenfolge sinnvoll sind.

Weil die Codes international einheitlich sind, können die Daten in Kanalkataster und Planungsprogramme übernommen werden. In der Schweiz stellt der VSA dafür ein eigenes Datenmodell für den Austausch von Inspektionsdaten bereit. Gemeinden und Ingenieurbüros können Befunde so direkt in ihre Werkleitungsdaten und in den Generellen Entwässerungsplan einlesen, statt Berichte abzutippen.

Warum Gemeinden, Verwaltungen und Käufer auf die Norm achten

Gemeinden können von Eigentümern einen Zustandsnachweis für private Abwasserleitungen verlangen, etwa bei Umbauten, Neuanschlüssen oder wenn im Zuge des Generellen Entwässerungsplans (GEP) das öffentliche Netz saniert wird. Die Anforderungen legt die jeweilige Gemeinde fest. Gefragt ist eine Dokumentation, die den Befund nachvollziehbar und vergleichbar festhält; ein frei formulierter Bericht oder ein Video ohne Protokoll kann Rückfragen auslösen.

Für Liegenschaftsverwaltungen ist die normgerechte Kodierung ein Planungsinstrument: Wiederholte Befahrungen derselben Leitung im Abstand einiger Jahre lassen sich Code für Code vergleichen. So wird sichtbar, ob sich ein Riss vergrössert, ob Wurzeln nachwachsen oder ob ein Befund stabil ist, und Sanierungen lassen sich über mehrere Liegenschaften hinweg priorisieren und budgetieren.

Für Käufer einer Liegenschaft ist ein kodierter Bericht vor allem eine Verhandlungsgrundlage. Er zeigt objektiv, in welchem Zustand Grundleitung und Hausanschluss sind, und lässt sich von einem unabhängigen Fachbetrieb oder einem Ingenieurbüro überprüfen. Wer vor dem Kauf eine Kanal-TV-Inspektion mit Kodierung machen lässt, kann allfällige Sanierungskosten realistisch einschätzen, statt sie nach der Schlüsselübergabe zu entdecken.

Wie Karo Kanaltechnik nach SN EN 13508-2 dokumentiert

Bei Karo Kanaltechnik wird jede Kanal-TV-Inspektion nach SN EN 13508-2 dokumentiert. Wo Ablagerungen die Sicht versperren, wird die Leitung vor der Befahrung gereinigt, chemiefrei mit Hochdruckspülung bis 200 bar, damit nichts einen Schaden verdeckt. Danach wird die Leitung mit der Kamera befahren, möglich ab DN 50, und jeder Befund wird mit Code, Messwert und Position erfasst.

Für die Kamerabefahrung kommt bei Karo ein Zuschlag ab CHF 50 zum Stundenansatz von CHF 160 und der Anfahrt von CHF 60 dazu (alle Preise exkl. MwSt). Wer zusätzlich eine Bewertung braucht, etwa für die Gemeinde oder vor einem Kauf, erhält mit der Zustandsanalyse die Einstufung nach VSA-Zustandsklassen und eine Empfehlung für das weitere Vorgehen, von der Kontrollbefahrung in einigen Jahren bis zur grabenlosen Sanierung.

Beispiel aus der Praxis

Ein typischer Fall aus dem Zürcher Oberland: Eine Eigentümerschaft plant den Anbau an ein älteres Einfamilienhaus. Die Gemeinde verlangt dafür einen Zustandsnachweis der bestehenden Grundleitung bis zum Hausanschluss. Karo Kanaltechnik spült die Leitung zuerst mit Hochdruck frei und befährt sie anschliessend mit der Kamera. Im Protokoll nach SN EN 13508-2 stehen danach unter anderem eine verschobene Verbindung (Code BAJ) mit Positionsangabe in Metern und Wurzeleinwuchs (Code BBA) an einer Muffe, jeweils mit Lage am Rohrumfang und Standbild. Die Gemeinde kann den Bericht nachvollziehen, und die Eigentümerschaft weiss, an welcher Stelle eine punktuelle Sanierung nötig ist, statt die ganze Leitung auf Verdacht zu ersetzen.

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Häufige Fragen zu SN EN 13508-2

Was ist SN EN 13508-2?+

SN EN 13508-2 ist die in der Schweiz übernommene europäische Norm, die das Kodiersystem für die optische Inspektion von Abwasserleitungen und Schächten festlegt. Sie bestimmt, mit welchen Codes Schäden bei einer Kanal-TV-Inspektion erfasst werden.

Was ist der Unterschied zwischen SN EN 13508-2 und den VSA-Zustandsklassen?+

SN EN 13508-2 beschreibt die einzelnen Befunde mit Codes, Messwerten und Positionen. Die VSA-Zustandsklassen 0 bis 4 bewerten diese Befunde anschliessend und zeigen, wie dringend eine Haltung saniert werden muss. Zuerst wird kodiert, dann klassiert.

Was bedeutet der Code BAJ?+

BAJ steht für eine verschobene Verbindung, im Alltag Muffenversatz genannt. B bezeichnet die Leitung, A die baulichen Merkmale und J die konkrete Beobachtung. Eine Charakterisierung gibt an, ob die Verschiebung in Längsrichtung, radial oder winklig ist.

Wofür stehen die Uhrzeiten im Inspektionsbericht?+

Sie geben die Lage eines Befunds am Rohrumfang an. 12 Uhr ist der Scheitel oben im Rohr, 6 Uhr die Sohle unten. Ein Befund «von 3 bis 9 Uhr über 12 Uhr» betrifft also die ganze obere Hälfte des Rohrs.

Gilt die Norm auch für private Hausleitungen?+

Die Normreihe EN 13508 bezieht sich auf Entwässerungssysteme ausserhalb von Gebäuden. In der Praxis wird das Kodiersystem auch für Grundleitungen und Hausanschlüsse auf privatem Grund verwendet. Welche Dokumentation für einen Zustandsnachweis verlangt wird, legt die Gemeinde fest.

Reicht ein Video ohne Kodierung als Nachweis?+

Für die eigene Orientierung kann ein Video genügen. Für Gemeinden, Versicherungen oder Käufer ist ein Video ohne Protokoll aber schwer prüfbar und nicht vergleichbar. Ein kodierter Bericht nach SN EN 13508-2 hält jeden Befund so fest, dass Dritte ihn nachvollziehen können.

Dokumentiert Karo Kanaltechnik nach SN EN 13508-2?+

Ja. Karo Kanaltechnik dokumentiert Kanal-TV-Inspektionen nach SN EN 13508-2. Für die Kamerabefahrung kommt ein Zuschlag ab CHF 50 zum Stundenansatz von CHF 160 und der Anfahrt von CHF 60 dazu, alle Preise exklusive MwSt.

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