Was ist ein Saugbagger?
Ein Saugbagger ist ein Lastwagen mit einem leistungsstarken Gebläse, einem grossen Schmutzbehälter und einem beweglichen Saugarm, an dessen Ende ein dicker Saugschlauch hängt. Das Gebläse erzeugt einen sehr starken Luftstrom. Alles, was vor die Schlauchöffnung gerät – lockere Erde, Kies, Sand, Bauschutt, Laub oder Schlamm –, wird mitgerissen und landet im Behälter auf dem Fahrzeug.
Der Name ist etwas irreführend: Ein Saugbagger hat keine Schaufel und keinen Löffel. Er «baggert» im übertragenen Sinn, indem er Material absaugt. Darum spricht man auch von Saugaushub oder Vakuumaushub. Bedient wird er oft von einer Person direkt an der Grube, die den Schlauch führt und Saugarm und Gebläse per Fernbedienung steuert. Dadurch sieht der Bediener jederzeit, was gerade freigelegt wird.
So funktioniert der Saugaushub
Festes Erdreich lässt sich nicht einfach ansaugen. Es wird zuerst gelockert – je nach Boden mit einer Druckluftlanze, mit einem Wasserstrahl oder von Hand mit dem Spaten. Danach führt der Bediener den Saugschlauch über die gelockerte Stelle. Der Luftstrom nimmt das Material mit, im Behälter verlangsamt sich die Luft, das Material fällt aus, und die gereinigte Luft verlässt das Fahrzeug über Filter.
So entsteht Schicht für Schicht eine saubere, eng begrenzte Grube. Weil der Schlauch flexibel ist und der Saugarm weit ausschwenken kann, muss das Fahrzeug nicht direkt neben der Grube stehen. Ein Saugbagger kann darum auch dort arbeiten, wo kein Bagger hinkommt: zwischen Hauswand und Gartenmauer, unter einem Vordach, neben Wurzeln eines Baumes oder in einem Lichtschacht. Ist der Behälter voll, kippt das Fahrzeug den Aushub an einem Zwischenlager oder einer Entsorgungsstelle ab.
Leitungen grabenarm und schonend freilegen
Die wichtigste Stärke des Saugbaggers ist die Schonung dessen, was im Boden liegt. Im Untergrund einer Liegenschaft verlaufen neben den Abwasserleitungen oft Wasser-, Gas- und Stromleitungen, Telekommunikationskabel und Fernwärmerohre. Eine Baggerschaufel kann eine solche Leitung in einem Augenblick beschädigen – mit teuren und im Fall einer Gasleitung gefährlichen Folgen. Der Luftstrom des Saugbaggers dagegen nimmt nur loses Material mit; Rohre und Kabel bleiben unversehrt liegen.
Dazu kommt der kleine Eingriff. Statt einen langen Graben auszuheben, genügt oft ein Suchschlitz oder ein einzelnes Loch über der Stelle, an der gearbeitet werden muss. Der Platz rund um die Grube bleibt sauber, weil kein Aushub daneben aufgeschüttet wird. Pflästerung, Rasen und Bepflanzung müssen nur auf einer kleinen Fläche geöffnet und wiederhergestellt werden. Fachleute sprechen deshalb von grabenarmem Arbeiten: Ganz ohne Aufgrabung geht es nicht, aber der Graben ist so klein wie möglich.
Einsatz bei Baumeisterarbeiten und Leitungsortung
In der Kanaltechnik kommt der Saugbagger vor allem dann ins Spiel, wenn eine Leitung an einer bestimmten Stelle offen zugänglich sein muss: bei einem Rohrbruch am Hausanschluss, bei einem eingestürzten Rohrstück, das kein Inliner mehr überbrücken kann, beim Anschluss einer neuen Leitung an eine bestehende oder beim Freilegen eines überdeckten Kontrollschachts. Solche Arbeiten gehören zu den Baumeisterarbeiten der Kanalsanierung.
Die Reihenfolge ist dabei entscheidend. Zuerst wird die Leitung von innen untersucht: Bei der Kanal-TV-Inspektion zeigt die Kamera, wo genau der Schaden liegt, und eine Ortungssonde am Kamerakopf verrät an der Oberfläche Lage und Tiefe der Leitung. Diese Stelle wird markiert. Erst dann wird aufgegraben – und zwar nur dort. Leitungsortung und Saugaushub ergänzen sich so: Die Ortung sagt, wo gegraben werden muss, der Saugbagger sorgt dafür, dass dabei nichts kaputtgeht.
Vor jeder Aufgrabung gehört ausserdem ein Blick in die Werkleitungspläne von Gemeinde und Versorgungswerken dazu. Sie zeigen, welche fremden Leitungen in der Nähe liegen können. Je mehr Leitungen auf engem Raum zusammenkommen, desto eher lohnt sich das saugende Freilegen statt der Baggerschaufel.
Saugbagger, Saugwagen und Kanalspülfahrzeug: der Unterschied
Die Begriffe werden oft verwechselt, weil alle drei Fahrzeuge etwas absaugen. Ein Kanalspülfahrzeug, auch Saugwagen oder Spül-Saug-Fahrzeug genannt, ist für die Kanalreinigung gebaut: Es spült Leitungen mit Hochdruckwasser, saugt Schlamm, Abwasser und gelöste Ablagerungen aus Schächten, Sammlern und Gruben ab und arbeitet dafür mit einer Vakuumpumpe, die im Tank Unterdruck erzeugt. Sein Element ist das Flüssige und Schlammige.
Der Saugbagger ist dagegen für trockenes und festes Material ausgelegt. Statt einer Vakuumpumpe, die vor allem Flüssiges ansaugt, arbeitet er mit einem Hochleistungsgebläse, das ein sehr grosses Luftvolumen bewegt und so auch Steine, Kies und Erdklumpen mitreisst. Einen Kanal spülen kann er nicht, und für die Reinigung einer Grundleitung ist er das falsche Gerät. Umgekehrt ist ein Spülwagen nicht dafür gemacht, Erdreich auszuheben. Auf einer Baustelle können beide nebeneinander arbeiten: Der Saugbagger legt die Leitung frei, das Kanalspülfahrzeug reinigt sie, bevor die Kamera hineinfährt.
Was die Kosten eines Saugbaggers bestimmt
Saugbagger werden in der Regel nicht als nacktes Gerät, sondern mit Fahrer und Bedienung im Stundenansatz angeboten, weil das Fahrzeug Erfahrung im Umgang mit Schlauch, Gebläse und Fernsteuerung verlangt. Wer nach «Saugbagger mieten» sucht, landet darum meist bei einem Einsatz mit Personal. Die Kosten setzen sich typischerweise aus mehreren Teilen zusammen: der Einsatzzeit vor Ort, der An- und Rückfahrt, allfälligen Mindesteinsatzzeiten und der Entsorgung des abgesaugten Materials.
Wie lange ein Einsatz dauert, hängt vor allem vom Boden ab. Lockerer Kies und Sand lassen sich schnell absaugen, schwerer, lehmiger oder steiniger Boden muss zuerst mühsam gelockert werden. Auch die Zufahrt spielt eine Rolle: Kann das Fahrzeug nah an die Grube heranfahren, geht es zügiger als mit langen Schlauchwegen. Pro Stunde ist ein Saugbagger in der Regel teurer als ein Kleinbagger. Er kann sich trotzdem lohnen, weil weniger Fläche aufgerissen, weniger von Hand gegraben und weniger wiederhergestellt werden muss und das Risiko eines Leitungsschadens sinkt. Seriöse Preise gibt es deshalb nur nach einer Besichtigung und als Offerte, in der der Saugaushub als eigene Position ausgewiesen ist.
Grenzen des Saugbaggers
Nicht jede Aufgrabung ist ein Fall für den Saugbagger. Bei langen Leitungsabschnitten, die komplett ersetzt werden müssen, ist die klassische offene Bauweise mit Bagger meist wirtschaftlicher. Grosse Steine und Betonbrocken passen nicht durch den Schlauch und müssen von Hand oder mit anderem Gerät entfernt werden. Gefrorener Boden, stark verdichtete Tragschichten und Belag aus Asphalt oder Beton werden zuerst aufgebrochen.
Hinzu kommen Gewicht und Grösse des Fahrzeugs. Ein Saugbagger ist ein schwerer Lastwagen; Gartenwege, schmale Hofzufahrten oder Tiefgaragendecken sind nicht immer dafür ausgelegt. Und während des Betriebs ist das Gebläse laut. In Wohnquartieren muss der Einsatz darum zeitlich gut geplant werden. Für kleine Freilegungen an gut zugänglicher Stelle bleibt der Spaten manchmal die einfachste Lösung.
Worauf Eigentümer achten sollten
Wer an seiner Liegenschaft eine Leitung freilegen lassen muss, sollte zuerst wissen, wo genau gegraben werden soll. Eine Kamerabefahrung mit Ortung ist dafür die Grundlage: Sie verhindert, dass auf Verdacht gesucht und unnötig viel Fläche geöffnet wird. Der Entwässerungsplan der Liegenschaft und die Werkleitungspläne helfen, Überraschungen im Boden zu vermeiden.
Danach lohnt sich die Frage, welches Verfahren passt: Lässt sich der Schaden grabenlos von innen beheben, etwa mit einem Kurzliner oder einem Inliner, braucht es gar keine Grube. Ist eine Aufgrabung nötig, entscheiden Lage, Leitungsdichte, Boden und Zufahrt, ob Saugbagger, Kleinbagger oder Handaushub am sinnvollsten sind. Nach der Reparatur gehört eine Dichtheitsprüfung dazu, bei neu verlegten Leitungen nach SN EN 1610, bevor die Grube verfüllt und die Oberfläche fachgerecht wiederhergestellt wird.
Ein typischer Fall aus dem Raum Winterthur: In einem Mehrfamilienhaus staut sich das Abwasser im Untergeschoss zurück. Die Kanal-TV-Inspektion zeigt einen Rohrbruch in der Grundleitung kurz vor dem Hausanschluss – direkt unter dem gepflästerten Vorplatz, über den laut Werkleitungsplan auch Gas- und Stromleitungen führen. Mit der Ortungssonde wird die Schadensstelle an der Oberfläche markiert. Statt den Vorplatz breit aufzureissen, legt ein Saugbagger nur ein kleines Loch genau über dem Bruch frei; die fremden Leitungen bleiben unberührt. Das defekte Rohrstück wird ersetzt, die Leitung auf Dichtheit geprüft, die Grube verfüllt und die Pflästerung auf kleiner Fläche wieder verlegt.
