Was ist eine Entwässerungsrinne?
Eine Entwässerungsrinne ist ein im Boden eingebauter, oben offener Kanal, der mit einem Gitter-, Steg- oder Schlitzrost abgedeckt ist. Anders als ein Bodenablauf oder ein Einlaufschacht, die das Wasser an einem einzigen Punkt aufnehmen, sammelt die Rinne Wasser auf ihrer ganzen Länge. Fachleute sprechen deshalb von einer Linienentwässerung im Gegensatz zur Punktentwässerung.
Das ist überall dort nötig, wo eine Fläche nicht so geneigt werden kann, dass alles Wasser zu einem Punkt fliesst – oder wo Wasser auf keinen Fall eine Grenze überqueren darf. Klassische Beispiele sind die abfallende Garageneinfahrt vor dem Tor, der Übergang von einer Terrasse zur Hausfassade oder die bodenebene Dusche ohne Duschtasse. Die Rinne bildet hier eine Art Sperrlinie, an der das Wasser abgefangen wird.
Im Alltag werden mehrere Begriffe für dasselbe Bauteil verwendet: Entwässerungsrinne, Ablaufrinne, Abwasserrinne oder einfach Rinne. Ist der Rost sehr schmal und unauffällig, spricht man von einer Schlitzrinne, in der Dusche von einer Duschrinne. Nicht gemeint ist die Dachrinne: Sie sammelt Regenwasser am Dach und leitet es über die Dachwasserleitung ab.
Arten und Einsatzorte: Einfahrt, Hof, Terrasse, Dusche
Garageneinfahrt und Tiefgaragenrampe: Hier liegt die Rinne quer zur Fahrrichtung, meist direkt vor dem Tor oder am Fuss der Rampe. Sie verhindert, dass Regenwasser von der Strasse oder der Einfahrt in die Garage läuft. Weil Autos darüberfahren, muss sie befahrbar sein. Liegt die Rinne am Fuss einer Tiefgaragenrampe tiefer als die Kanalisation, kann das Wasser nicht im freien Gefälle abfliessen – dann führt die Rinne in einen Pumpenschacht mit Hebeanlage.
Hof, Parkplatz und Zufahrt: Grössere befestigte Flächen werden oft mit mehreren Rinnensträngen entwässert, die in Schlammsammler oder Einlaufkästen münden. In Gewerbebetrieben, auf Lieferzonen und Waschplätzen kommen schwerere Ausführungen zum Einsatz, teilweise mit einem nachgeschalteten Abscheider, wenn das Wasser mit Öl oder Treibstoff belastet sein kann.
Terrasse, Balkon und Hauseingang: Vor bodenebenen Türen und Fenstertüren fängt eine Rinne Spritz- und Stauwasser ab, bevor es an die Schwelle gelangt. Diese Rinnen sind meist schmal, aus Kunststoff oder Metall und werden nur begangen. Häufig sind sie mit dem Kies- oder Plattenbelag bündig verlegt und darum leicht zu übersehen – bis sich Wasser vor der Tür staut.
Dusche und Nassraum: Duschrinnen gehören nicht zur Aussenentwässerung, funktionieren aber nach demselben Prinzip. Sie liegen bodeneben im Gefälle und führen das Duschwasser über einen eingebauten Geruchsverschluss in die Schmutzwasserleitung. Für sie gilt nicht die Rinnennorm EN 1433, sondern die Norm für Abläufe in Gebäuden, EN 1253.
Belastungsklassen nach EN 1433: welche Rinne ist befahrbar?
Entwässerungsrinnen für Verkehrsflächen werden in Europa nach der Norm EN 1433 hergestellt und geprüft; in der Schweiz gilt sie als SN EN 1433. Die Norm teilt Rinnen samt Rost in Belastungsklassen ein. Der Buchstabe bezeichnet die Klasse, die Zahl die Prüflast in Kilonewton, die Rinne und Abdeckung im Versuch tragen müssen.
A 15 ist für Flächen gedacht, die nur von Fussgängern und Velofahrern benutzt werden, etwa Gartenwege und Terrassen. B 125 gilt für Gehwege, Fussgängerzonen und private Parkflächen sowie Garageneinfahrten, auf denen Personenwagen fahren. C 250 ist für Bordsteinbereiche und Randstreifen von Strassen vorgesehen. D 400 deckt Fahrbahnen von Strassen und Parkflächen ab, die von allen Fahrzeugen befahren werden. E 600 und F 900 sind Flächen mit sehr hohen Radlasten vorbehalten, zum Beispiel Industrie- und Hafenanlagen oder Flugbetriebsflächen.
Wer eine «befahrbare Entwässerungsrinne» sucht, braucht für die private Einfahrt eines Einfamilienhauses meist mindestens B 125. Fahren Lieferwagen, Kehrichtfahrzeuge oder Lastwagen über die Rinne, ist eine höhere Klasse nötig. Entscheidend ist dabei das ganze System: Rinnenkörper, Rost, Rostbefestigung und das Betonfundament, in das die Rinne gebettet wird. Ein schwerer Rost auf einer zu schwach eingebauten Rinne hält nicht.
Eine zu schwach gewählte oder schlecht gebettete Rinne zeigt sich mit der Zeit an klappernden oder herausspringenden Rosten, gebrochenen Rinnenkanten und abgesackten Abschnitten. In solchen Rinnen bleibt Wasser stehen, Sand setzt sich ab, und der Abfluss wird von Jahr zu Jahr schlechter.
Aufbau und Anschluss an Schlammsammler und Meteorwasserleitung
Eine Rinnenanlage besteht aus den Rinnenelementen, den Abdeckungen, einer Stirnwand am Anfang und einem Auslauf am Ende oder in der Mitte. Der Rinnenkörper ist aus Polymerbeton, Beton, Kunststoff, Edelstahl oder verzinktem Stahl. Manche Rinnen haben ein eingebautes Sohlgefälle, andere werden ohne Eigengefälle verlegt; dort fliesst das Wasser nur über den Aufstau in der Rinne zum Auslauf und lässt Sand eher liegen.
Am Auslauf sitzt idealerweise ein Einlaufkasten mit Schlammeimer oder die Rinne führt in einen Schlammsammler. Dort setzen sich Sand, Kies und Laub ab, bevor das Wasser in die Leitung fliesst. Fehlt dieser Absetzraum, gelangt der ganze Schmutz der Fläche direkt in die Grundleitung, und es bilden sich dort Ablagerungen, die später gespült werden müssen.
Von hier führt das Wasser in die Meteorwasserleitung, im Mischsystem in die gemeinsame Abwasserleitung oder in eine Versickerungsanlage. Wohin das Wasser einer Fläche gehört, legen die Gemeinde bzw. der Kanton und der Entwässerungsplan der Liegenschaft fest. Rinnen auf Flächen, auf denen mit verschmutztem Wasser zu rechnen ist, etwa Waschplätze, brauchen eine gesonderte Behandlung und dürfen nicht einfach an die Versickerung angeschlossen werden.
Typische Probleme: Laub, Sand, Rückstau
Das häufigste Problem ist eine schleichende Verstopfung. Laub, Blütenstaub, Rindenmulch, Streusand und Splitt aus dem Winterdienst werden mit jedem Regen in die Rinne gespült. Im Rinnenkörper und vor allem im Schlammeimer oder Schlammsammler bleibt dieser Schmutz liegen. Ist der Absetzraum voll, wandert er weiter in die Leitung oder der Rinnenquerschnitt füllt sich so weit, dass bei Starkregen das Wasser über die Rinne hinweg in die Garage oder an die Hausfassade läuft.
Ein zweites Problem ist Rückstau. Kann die Leitung hinter der Rinne das Wasser nicht schnell genug aufnehmen – weil sie verstopft ist, weil sie eingewachsene Wurzeln hat oder weil die öffentliche Kanalisation bei einem Gewitter voll ist –, steigt das Wasser in der Rinne an. Bei Rinnen vor Tiefgaragen, die unter der Rückstauebene liegen, ist das besonders heikel: Ohne Hebeanlage oder Rückstausicherung kann Wasser aus dem Kanal zurück in die Garage gedrückt werden.
Weitere Befunde sind fehlende oder lose Roste, gebrochene Rinnenelemente, abgesackte Abschnitte mit stehendem Wasser, Geruch aus Duschrinnen mit ausgetrocknetem oder verschmutztem Geruchsverschluss und Eisbildung im Winter, wenn Wasser in der Rinne stehen bleibt.
Entwässerungsrinne reinigen: von Hand, mit Hochdruck, mit Saugen
Kurze, gut zugängliche Rinnen lassen sich von Hand reinigen: Roste abheben, groben Schmutz mit Schaufel oder Kelle herausnehmen, den Schlammeimer am Auslauf leeren und mit dem Gartenschlauch nachspülen. Das genügt, solange nur die Rinne selbst verschmutzt ist und das Wasser nach dem Nachspülen zügig abläuft.
Läuft das Wasser trotz sauberer Rinne schlecht ab, sitzt die Verstopfung im Auslauf, im Schlammsammler oder in der anschliessenden Leitung. Dann hilft der Gartenschlauch nicht mehr weiter. Karo spült die Leitung chemiefrei mit Hochdruck bis 200 bar: Die Spüldüse wird vom Auslauf oder vom nächsten Schacht aus eingeführt, löst Ablagerungen und zieht sie zurück, wo sie mit dem Saugschlauch aufgenommen werden. Gleichzeitig saugt das Team den Schlammsammler leer.
Wiederholt sich das Problem oder bleibt unklar, warum das Wasser steht, zeigt eine Kamerabefahrung, was in der Leitung los ist: Wurzeln, ein Versatz, ein Bruch oder eine falsche Gefällstrecke. Der Zustand wird nach SN EN 13508-2 dokumentiert, sodass Eigentümer oder Verwaltung eine belastbare Grundlage für die nächsten Schritte haben.
Bei Duschrinnen liegt die Ursache meist im Haar- und Seifenschmutz im Geruchsverschluss. Einsatz herausnehmen, Haare entfernen, reinigen und wieder einsetzen löst das Problem in vielen Fällen. Hält die Verstopfung danach an, sitzt sie weiter hinten in der Leitung und gehört zur Rohrreinigung.
Wartung: wie oft kontrollieren und reinigen?
Eine feste Frist für alle Rinnen gibt es nicht; das Intervall hängt davon ab, wie viel Schmutz auf die Fläche fällt. Bewährt hat sich, Rinnen und Schlammeimer im Herbst nach dem Laubfall und im Frühling nach dem Winterdienst zu kontrollieren. Rinnen unter Bäumen, an Bauzonen oder auf Kiesflächen brauchen häufigere Kontrollen als Rinnen auf einem gepflasterten Platz ohne Bepflanzung.
Bei Mehrfamilienhäusern, Tiefgaragen und Gewerbeliegenschaften lohnt es sich, Rinnen, Schlammsammler und Meteorwasserleitungen gemeinsam in einen regelmässigen Kanalunterhalt aufzunehmen. So werden Schlammsammler geleert, bevor Schmutz in die Leitung gelangt, und Schäden fallen früh auf. Ein Rost, der klappert, ein Abschnitt mit stehendem Wasser oder ein Schlammeimer, der bei jeder Kontrolle voll ist, sind Hinweise, dass eine genauere Prüfung angebracht ist.
Wer Karo für die Reinigung beizieht, zahlt nach Aufwand: CHF 160 pro Stunde plus CHF 60 Anfahrt, exklusive MwSt. Eine Stunde mit Anfahrt kostet damit CHF 220 exklusive bzw. CHF 237.82 inklusive 8,1 % MwSt. Eine Kanal-TV-Inspektion wird mit einem Zuschlag ab CHF 50 verrechnet.
Bei einem Einfamilienhaus in Kloten stand nach jedem Gewitter Wasser vor der bodenebenen Terrassentür und lief an die Türschwelle. Die schmale Rinne vor der Tür war mit Kies, Laub und Erde aus den Pflanztrögen gefüllt. Die Eigentümer leerten sie von Hand, doch das Wasser blieb trotzdem stehen. Karo fand die eigentliche Ursache im Auslauf: Die kurze Anschlussleitung zum Schlammsammler war mit Sand zugesetzt. Das Team spülte die Leitung mit Hochdruck frei, saugte den Schlammsammler leer und kontrollierte die Leitung danach mit der Kamera. Sie war intakt. Seither kontrollieren die Eigentümer Rinne und Schlammsammler jeden Herbst nach dem Laubfall.
