Was ist eine Sickerleitung?
Eine Sickerleitung ist ein Rohr mit Löchern oder Schlitzen, das im Erdreich liegt und dort überschüssiges Wasser sammelt. Das Wasser dringt durch die Öffnungen in das Rohr ein und fliesst mit Gefälle zu einem Schacht, einer Versickerung oder einer Ableitung. In der Schweiz ist «Sickerleitung» der gebräuchliche Begriff für die Leitung, die bei Wohnhäusern entlang der Fundamente verlegt wird und die Kellerwände vor drückendem Wasser schützt.
Damit das funktioniert, liegt das Rohr nicht einfach im Lehm, sondern in einer Sickerpackung aus grobem Kies. Der Kies lässt das Wasser rasch zum Rohr durchsickern. Ein Filtervlies (Geotextil) um die Packung oder um das Rohr hält feine Bodenteilchen zurück, damit sie das Rohr nicht zusetzen. Heute bestehen Sickerrohre meist aus Kunststoff, bei älteren Liegenschaften findet man noch Ton- oder poröse Betonfilterrohre.
An den Gebäudeecken und bei Richtungswechseln sitzen in der Regel Spül- oder Kontrollschächte. Über sie lässt sich die Leitung später spülen, mit der Kamera befahren und beobachten, ob Wasser und Schlamm ankommen. Eine Sickerleitung ohne erreichbare Schächte lässt sich kaum unterhalten – fehlen sie, werden sie bei einer Sanierung meist ergänzt.
Sickerleitung, Drainage, Sickergrube: der Unterschied
Die Begriffe werden im Alltag oft durcheinander verwendet. «Drainage» bezeichnet das ganze System zur Entwässerung des Bodens rund um ein Gebäude oder unter einer Fläche: Sickerleitungen, Kiespackung, Vlies, Spülschächte und die Ableitung. Die Sickerleitung ist das zentrale Bauteil dieses Systems, also das gelochte Rohr selbst. In der Praxis meinen «Sickerleitung spülen» und «Drainage spülen» deshalb meist dieselbe Arbeit.
Eine Sickergrube dagegen ist kein Rohr, sondern ein durchlässiger Schacht, der Wasser sammelt und über Sohle und Wände in den Untergrund abgibt. Viele Sickerleitungen münden in eine solche Sickergrube oder in eine andere Versickerungsanlage. Sickerleitung und Sickergrube arbeiten also oft zusammen, sind aber verschiedene Bauteile.
Wichtig ist auch die Abgrenzung zur Schmutzwasserleitung. Eine Sickerleitung führt sauberes Boden- und Hangwasser, kein Abwasser aus Küche, Bad oder WC. Gelangt Sickerwasser in die Schmutzwasserkanalisation, gilt es als Fremdwasser, das die Abwasserreinigungsanlage unnötig belastet. Wohin eine Sickerleitung entwässern darf, legen Gemeinde und Entwässerungsplan fest.
Warum Sickerleitungen verschlammen
Die häufigste Ursache ist Feinmaterial: Sand, Silt und Lehm werden mit dem Sickerwasser eingeschwemmt und setzen sich auf der Rohrsohle ab. Fehlt das Filtervlies, ist es beschädigt oder wurde die Sickerpackung mit ungeeignetem Material verfüllt, geht das deutlich schneller. Mit jeder Schicht wird der freie Querschnitt kleiner, bis das Wasser im Rohr steht, statt abzufliessen.
Besonders hartnäckig ist Eisenocker. Er entsteht, wenn eisenhaltiges Grundwasser mit Sauerstoff in Berührung kommt – genau das passiert in einer Sickerleitung. Es bildet sich ein rostbrauner, schleimiger Belag, der die Schlitze verklebt. Dazu kommen Kalkausfällungen, vor allem bei Wasser, das an frischem Beton oder kalkhaltiger Hinterfüllung vorbeisickert, und Wurzeln von Hecken und Bäumen, die gezielt in die feuchten Rohre einwachsen.
Eine weitere, oft übersehene Ursache sind Fehlanschlüsse. Wird Dachwasser direkt in die Sickerleitung geführt, gelangen Laub, Moos, Ziegelgranulat und Schmutz hinein, und bei Starkregen wird die Leitung überlastet. Auch eingedrückte Rohre nach Bauarbeiten oder Gegengefälle durch Setzungen bremsen den Abfluss. Die Folgen zeigen sich schleichend: feuchte Kellerwände, Salzausblühungen, muffiger Geruch, Wasser in Lichtschächten oder dauerhaft nasse Stellen im Garten.
Sickerleitung spülen: Ablauf
Am Anfang steht die Bestandesaufnahme. Das Team sucht die Spülschächte, öffnet sie und prüft, ob dort Wasser steht oder Schlamm liegt. Ist der Leitungsverlauf unklar, wird er mit Kamera und Ortungssonde bestimmt. Oft lohnt sich bereits vor der Reinigung eine kurze Kamerafahrt, um zu sehen, ob die Leitung nur verschmutzt oder baulich beschädigt ist.
Gespült wird von Schacht zu Schacht. Die Spüldüse arbeitet mit rückwärts gerichteten Strahlen: Sie zieht sich selbst in die Leitung hinein und schwemmt das gelöste Material zum Schacht zurück. Unsere chemiefreie Hochdruckspülung leistet bis 200 bar, bei Sickerleitungen wird der Druck aber bewusst deutlich reduziert und Düse sowie Durchfluss auf das Rohrmaterial abgestimmt. Dünnwandige Kunststoff- und alte Tonrohre würden mit vollem Kanaldruck beschädigt, und das Vlies könnte ausgespült werden.
Das Spülgut aus Sand, Schlamm und Ocker wird im Schacht mit dem Saugschlauch aufgenommen und fachgerecht entsorgt. Bei starkem Ockerbefall braucht es mehrere Durchgänge, weil sich die Schicht nur nach und nach löst. Eingewachsene Wurzeln lassen sich mit Spezialdüsen oder mechanisch entfernen, sofern das Rohr das zulässt.
Zum Schluss fährt die Kamera die gereinigten Abschnitte ab. Die Aufnahmen zeigen, ob das Rohr wieder frei ist, und machen Schäden wie Brüche, Verformungen, Versätze oder fehlendes Gefälle sichtbar. Karo dokumentiert die Befunde nach SN EN 13508-2, sodass Sie eine nachvollziehbare Grundlage für den weiteren Unterhalt oder eine allfällige Sanierung erhalten.
Wie oft sollte man eine Sickerleitung spülen?
Ein festes Intervall, das für jede Liegenschaft passt, gibt es nicht. Massgebend sind die Bodenart, der Eisengehalt des Grundwassers, die Menge des anfallenden Wassers, Bäume in der Nähe und der Zustand des Filtervlieses. In eisenhaltigen Böden ist eine Kontrolle alle ein bis zwei Jahre sinnvoll, in unproblematischen Verhältnissen genügen längere Abstände. Der Schweizer Anbieter kanaltotal.ch nennt in seiner Intervalltabelle für Sickerleitungen ein bis drei Jahre (abgerufen im Oktober 2026).
Sinnvoller als ein starrer Kalender ist der Blick in die Spülschächte. Wer sie ein- bis zweimal im Jahr öffnet, sieht, ob sich Schlamm sammelt, ob das Wasser rostbraun ist oder ob es nach einem Regen ungewöhnlich lange steht. Nach der ersten Spülung mit Kamerakontrolle lässt sich das passende Intervall für Ihre Liegenschaft deutlich genauer festlegen.
Sofort handeln sollten Sie bei feuchten Kellerwänden, neuen Salzausblühungen, Wasser im Lichtschacht oder wenn ein Spülschacht nach Regen voll steht. Auch nach Bauarbeiten am Haus, nach dem Fällen grosser Bäume oder vor dem Kauf einer älteren Liegenschaft lohnt sich eine Kamerakontrolle der Sickerleitung.
Was kostet das Spülen einer Sickerleitung?
Karo rechnet nach Aufwand ab: CHF 160 pro Arbeitsstunde plus CHF 60 Anfahrtspauschale, die Kanal-TV-Kontrolle kostet einen Zuschlag ab CHF 50. Alle Preise verstehen sich exklusive Mehrwertsteuer. Eine Stunde Arbeit mit Anfahrt ergibt damit CHF 220 exklusive beziehungsweise CHF 237.82 inklusive 8,1 % MwSt.
Rechenbeispiel: Dauert das Spülen der Sickerleitung eines Einfamilienhauses zwei Stunden, kostet das CHF 380 exklusive MwSt. (2 × CHF 160 plus CHF 60 Anfahrt). Mit Kamerakontrolle ab CHF 50 sind es ab CHF 430 exklusive beziehungsweise rund CHF 465 inklusive MwSt. Ein typischer Reinigungseinsatz im Einfamilienhaus liegt bei Karo meist zwischen CHF 150 und 400 – bei Sickerleitungen hängt der Betrag aber stark vom Zustand ab.
Den Aufwand treiben vor allem die Länge der Leitung, die Zahl und Erreichbarkeit der Spülschächte, starker Ocker- oder Wurzelbefall und die Menge des abzusaugenden Schlamms. Überdeckte oder fehlende Schächte, die erst gesucht werden müssen, kosten ebenfalls Zeit. Wenn Sie uns vorab Fotos der Schächte und den Entwässerungsplan zustellen, können wir den Aufwand besser einschätzen und Ihnen vor Arbeitsbeginn eine Offerte machen.
Sickerleitung neu verlegen oder sanieren
Zeigt die Kamera eingedrückte oder gebrochene Rohre, durchgehendes Gegengefälle, fehlendes Vlies oder zerfallene Tonrohre, bringt auch die beste Spülung keine dauerhafte Besserung. Dann muss der betroffene Abschnitt oder die ganze Sickerleitung neu verlegt werden. Das geschieht in offener Bauweise: Die Leitung wird freigelegt, das neue Sickerrohr mit Gefälle in eine frische Kiespackung mit Filtervlies gelegt, und an Ecken und Richtungswechseln werden Spülschächte gesetzt, damit die Leitung künftig gereinigt werden kann.
Oft ist das ein guter Moment, um weitere Mängel zu beheben: Dachwasser, das fälschlich in die Sickerleitung läuft, wird separat abgeleitet, die Abdichtung der Kellerwand wird geprüft, und die Einleitung wird so angepasst, wie es das Entwässerungsreglement der Gemeinde verlangt. Ob ein Neubau einer Sickerleitung bewilligungspflichtig ist, klärt man vorab mit der Gemeinde.
Eine grabenlose Sanierung mit Inliner kommt für den gelochten Teil der Sickerleitung nicht infrage, weil der Liner die Öffnungen verschliessen würde und die Leitung kein Wasser mehr aufnähme. Für die geschlossene Ableitung danach – etwa die Leitung vom letzten Spülschacht bis zur Versickerung oder zum Meteorwasseranschluss – kann ein Inliner dagegen infrage kommen, sofern Zustand, Durchmesser und Zugänglichkeit es zulassen. Auf Sanierungen gewährt Karo bis zu 10 Jahre Garantie.
Typischer Fall aus dem Grossraum Zürich: Bei einem Einfamilienhaus in Hanglage zeigen sich nach einem nassen Frühling feuchte Flecken und weisse Salzausblühungen an der Kellerwand. In zwei Spülschächten an den Hausecken steht das Wasser fast bis zum Rand, unten liegt eine rostbraune Schlammschicht. Das Karo-Team ortet zuerst den Verlauf der Sickerleitung, spült sie dann von Schacht zu Schacht mit reduziertem Druck und saugt Schlamm und Eisenocker ab. Die anschliessende Kamerafahrt zeigt ein freies Rohr – und einen Fallrohranschluss, über den Dachwasser samt Laub direkt in die Sickerleitung lief. Dieser wird umgeleitet, und für die Liegenschaft wird eine Kontrolle der Schächte im Jahresrhythmus vereinbart.
