Was bedeutet Dole?
Das Wort Dole ist ein typischer Helvetismus. Ursprünglich bezeichnete es einen gedeckten Abzugsgraben oder Kanal; heute wird es in der Deutschschweiz für ganz unterschiedliche Teile der Entwässerung verwendet. Gemeint sein kann die Kanalisation selbst («das Wasser läuft in die Dole»), ein Strassenablauf mit Gitterrost oder ein Kontrollschacht mit geschlossenem Deckel.
In Bauplänen, Normen und Offerten taucht das Wort selten auf. Dort heissen die Bauteile Einlaufschacht, Strassensammler, Schlammsammler, Kontrollschacht oder Schachtabdeckung. Wer einen Fachbetrieb anruft und von einer verstopften Dole spricht, wird aber sofort verstanden – entscheidend ist dann die Frage, wo die Dole liegt und welches Wasser sie aufnimmt.
Dolendeckel und Schachtabdeckung
Der Dolendeckel schliesst den Schacht nach oben ab. Bei Einlaufschächten ist er als Gitterrost ausgeführt, damit Regenwasser einfliessen kann; bei Kontrollschächten ist er geschlossen, damit weder Wasser noch Schmutz eindringen und keine Gerüche austreten. Deckel bestehen meist aus Gusseisen, Beton oder einer Kombination und sind für eine bestimmte Belastung ausgelegt.
Auf Zufahrten, Parkplätzen und Strassen müssen Abdeckungen den Fahrzeugverkehr aushalten, im Garten genügt eine leichtere Ausführung. Ein klappernder, gebrochener oder abgesackter Deckel ist nicht nur lästig, sondern ein Sicherheitsrisiko. Er sollte rasch ersetzt oder neu versetzt werden, oft im Zuge einer Schachtsanierung.
Typische Probleme mit Dolen
Das häufigste Problem ist Verstopfung. Laub, Sand, Splitt aus dem Winterdienst und Abrieb von Belägen sammeln sich im Schlammsammler unter dem Rost. Ist dieser voll, gelangt das Material in die anschliessende Leitung, und bei einem Gewitter staut sich das Wasser auf dem Vorplatz oder vor der Garageneinfahrt.
Ein zweites Problem ist Geruch. Trocknet der Wasserspiegel im Schlammsammler aus oder fehlt ein Geruchsverschluss, steigen Kanalgase auf. Dazu kommen Schäden: gebrochene Ränder, undichte Rohranschlüsse oder Wurzeln, die in den Schacht wachsen. Auch Ratten nutzen schlecht abgedeckte Dolen als Zugang zur Kanalisation.
Reinigung und Unterhalt von Dolen
Private Dolen auf dem eigenen Grundstück sind Sache der Eigentümerschaft. Bewährt hat sich, den Schlammsammler mindestens einmal jährlich – bei vielen Bäumen in der Umgebung im Herbst – zu leeren. Das geschieht mit einem Saugwagen, der Schlamm und Wasser absaugt, gefolgt von einer Hochdruckspülung der Ablaufleitung.
Bei wiederkehrenden Verstopfungen lohnt sich eine Kamerabefahrung der Leitung. Sie zeigt, ob ein Rohrversatz, Wurzeln oder ein zu geringes Gefälle die Ursache sind. Dolen im öffentlichen Strassenraum unterhält die Gemeinde; wer dort eine Verstopfung oder einen fehlenden Deckel bemerkt, meldet das dem Werkhof oder Tiefbauamt.
Was nicht in die Dole gehört
Einlaufschächte für Regenwasser führen je nach Entwässerungssystem direkt in ein Gewässer oder in eine Versickerung. Deshalb dürfen weder Putzwasser mit Reinigungsmitteln, Öl, Farbreste, Zementschlämme noch Waschwasser vom Autowaschen hineingeschüttet werden. Was in die Regendole gelangt, wird oft nicht gereinigt.
Auch Grünabfälle, Rasenschnitt oder Kies haben im Schacht nichts zu suchen, weil sie die Leitung zusetzen. Wer auf dem Vorplatz arbeitet, deckt die Dole am besten ab. Bei Gewerbebetrieben mit Waschplätzen oder Tankstellen braucht es zusätzlich einen Abscheider, damit Öl und Schmutz zurückgehalten werden.
Bei einem Mehrfamilienhaus in Winterthur stand nach jedem stärkeren Regen das Wasser knöcheltief vor der Tiefgarageneinfahrt. Die Verwaltung vermutete eine defekte Pumpe. Tatsächlich war die Dole vor der Einfahrt bis unter den Rost mit Sand und Laub gefüllt, und die Ablaufleitung war auf mehreren Metern zugesetzt. Karo Kanaltechnik saugte den Schlammsammler ab, spülte die Leitung mit Hochdruck und kontrollierte sie anschliessend mit der Kamera. Seither wird die Dole im jährlichen Unterhaltsplan mitgeleert.

