Was ist eine Dachwasserleitung?
Als Dachwasserleitung bezeichnet man den senkrechten und waagrechten Leitungsabschnitt, der Niederschlagswasser vom Dach ableitet. Beim Steildach sammelt die Dachrinne das Wasser und führt es zum Fallrohr an der Fassade. Beim Flachdach nehmen Dachabläufe das Wasser auf und leiten es meist durch das Gebäude nach unten.
Am unteren Ende schliesst die Dachwasserleitung an die Grundleitung für Meteorwasser an. Je nach Liegenschaft fliesst das Wasser dann in die Kanalisation, in eine Versickerungsanlage oder in ein Retentionsbauwerk. Die Planung erfolgt im Rahmen der Liegenschaftsentwässerung nach SN 592 000.
Aussen- und innenliegende Dachentwässerung
Aussenliegende Regenfallrohre aus Kupfer, Zink, Stahl oder Kunststoff sind leicht zugänglich und gut zu kontrollieren. Ihr Schwachpunkt ist der Übergang ins Erdreich: Hier sitzt oft ein Standrohr mit Reinigungsöffnung oder ein Schlammsammler, in dem sich Laub und Sand sammeln.
Innenliegende Dachwasserleitungen sind bei Flachdächern von Wohn- und Gewerbebauten üblich. Sie verlaufen in Schächten oder Wänden und sind von aussen nicht sichtbar. Eine Verstopfung bleibt deshalb lange unbemerkt, bis sich Wasser auf dem Dach staut oder aus einer undichten Verbindung austritt. Flachdächer brauchen zusätzlich Notüberläufe, die bei verstopftem Hauptablauf das Wasser kontrolliert abführen.
Warum Dachwasserleitungen verstopfen
Die wichtigste Ursache ist organisches Material. Laub, Nadeln, Blüten und Moos werden vom Dach gespült und sammeln sich in Bögen, Abzweigen und am Übergang zur Grundleitung. Dazu kommen Sand und Granulat von Dachziegeln oder Bitumenbahnen, die sich zu festen Ablagerungen verdichten.
Im Erdreich spielen Wurzeln eine grosse Rolle. Ältere Dachwasserleitungen aus Steinzeug oder Zement haben oft undichte Muffen, durch die feine Wurzeln eindringen. Auch Vögel und Wespen bauen gelegentlich Nester in Abläufen. Im Winter kann Eis den Querschnitt zusätzlich verengen.
Folgen einer verstopften Dachwasserleitung
Läuft die Dachrinne über, fliesst das Wasser an der Fassade herunter, durchnässt Putz und Holz und gelangt an die Kellerwand. Bei innenliegenden Leitungen kann sich Wasser in Wänden und Decken ausbreiten. Auf Flachdächern führt ein verstopfter Ablauf zu Wasseransammlungen, die das Dach zusätzlich belasten.
Weniger sichtbar, aber ebenso wichtig: Ist die Meteorwasserleitung im Boden verstopft oder eingebrochen, kann das Wasser rund um das Fundament versickern. Feuchte Kellerwände und Wassereintritte bei Starkregen sind dann typische Hinweise.
Reinigung und Kontrolle
Dachrinnen und Laubfänge sollten mindestens einmal jährlich kontrolliert und geleert werden, idealerweise nach dem Laubfall. Ist das Fallrohr selbst verstopft, wird es von oben oder über die Reinigungsöffnung mit Spirale oder Hochdruck gereinigt. Die anschliessende Grundleitung spült man am besten gleich mit.
Bei wiederkehrenden Problemen schafft eine Kamerabefahrung Klarheit: Sie zeigt, ob Wurzeln, Brüche oder Versätze den Abfluss behindern. Kleinere Schäden lassen sich grabenlos mit einem Kurzliner beheben, längere Abschnitte mit einem Inliner. So bleibt die Dachentwässerung dauerhaft funktionsfähig, ohne dass Garten oder Zufahrt aufgegraben werden müssen.
Bei einem Mehrfamilienhaus in Thalwil lief bei jedem stärkeren Regen eine Dachrinne über, obwohl sie gereinigt worden war. Karo spülte das Fallrohr und die anschliessende Meteorwasserleitung mit Hochdruck und befuhr sie danach mit der Kamera. Im Boden zeigte sich ein dichter Wurzelzopf aus einer benachbarten Hecke, der den Querschnitt fast vollständig verschloss. Die Wurzeln wurden ausgefräst, die undichte Muffe mit einem Kurzliner abgedichtet. Seit dem Eingriff fliesst das Dachwasser wieder frei ab.

